Karin Maria Schertler

Karin Maria Schertler

Head of Process and Organizational Development, Serviceplan Group

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Das Fachmagazin Media Spectrum fragte mich kürzlich nach meiner Einschätzung bezüglich Dialogmarketingtrends im Allgemeinen und nach der Rolle von Social Media im Speziellen.
In der Tat unterzieht sich das Dialogmarketing einem großen Wandel. Allerorts tauchen neue Kanäle auf, die bereits jetzt oder zumindest in naher Zukunft responsefähig sein werden. Und der Erfindergeist unserer über sieben Milliarden Mitmenschen ist, was dies betrifft, unerschöpflich. Wenn es nicht irgendwo schon Bewegtbild auf öffentlichen Toiletten gibt, dann wird es sicherlich nicht lange dauern, bis uns auch dieser letzte private und stille Rückzugsort genommen wird.
Spaß beiseite. Es bewegt sich viel. Doch nicht nur das. Es fordert uns auch sehr. Denn viele dieser neuen Kanäle sind digitaler Natur, sind 24/7 verfügbar, motivieren Menschen, schneller und direkter zu kommunizieren, und demokratisieren den Meinungsbildungsprozess rund um Marken grundlegend. Ohne dass wir gefragt wurden: Wir befinden uns in einer stillen Revolution.

Erinnern Sie sich noch, als es Facebook, Twitter, Blogs und Co. noch nicht gab. Als eine Markenbotschaft, und nur die eine, nach draußen und für alle unüberhörbar posaunt wurde. Als Pressestatements zur Lage der Nation noch bedächtig von Abteilung zu Abteilung hoch und runter gereicht wurden, bevor es mit ihnen an die Öffentlichkeit ging. Gut Ding brauchte schließlich Weile.

Das war einmal. Heute fragt man sich, ob die eigene Marke auf Freundschaftssuche gehen sollte oder nicht. Ob die Unternehmenswebsite nun Kundenkommentare erlauben sollte oder nicht. Ob Mitarbeiter zwitschern dürfen oder nicht. Diese Fragen sind alle richtig und nachvollziehbar, und doch zielen sie nicht auf den eigentlichen Kern der stillen Revolution.

Die zwei zentralen Fragen, um die es sich am Ende des Tages wirklich dreht sind folgende:
1.    Was habe ich – wirklich – zu sagen bzw. beizutragen? Und ist das auch in den Augen der Zielgruppe ein Mehrwert?
2.   Welches Führungsparadigma lebe ich? Diene ich und will ich Zukunft gestalten, oder hänge ich an Macht, Position und Ruhm?
Oder, um beide Fragen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nur am Rande bemerkt: Dies sind keine Fragen, die das Marketing alleine betreffen. Sie betreffen das gesamte Unternehmen. Vom Vorstand bis zum Pförtner. Und machen auch vor den Zulieferern und Dienstleistern nicht halt.
Somit treffen wir – trotz aller Neuheiten – wieder auf Altbekanntes.

„Content ist king“ – schon mal gehört, nicht wahr? Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass Content nicht mehr nur im geheimen Kämmerchen entsteht, sondern vor allem auch durch Einbindung der Kunden. Lösungen, Mehrwerte und emotionale Erlebnisse nicht nur für die Menschen, sondern auch mit den Menschen.
Richtig. Das ist anstrengender als früher. Daher ist es umso wichtiger, dass wir unsere Paradigmen, die Tag ein, Tag aus unser Denken und Handeln prägen, selbstkritisch überprüfen. Nicht nur als Individuum, sondern auch als Unternehmen. Wie denken wir über negative Kundenmeinungen? Über zusätzliche Schnittstellen mit Kollegen? Über die Kundenbedürfnisse der nachwachsenden Kundengenerationen? Sehen wir darin Chancen oder Probleme? Haben wir als unternehmerische Gemeinschaft ein glasklares Leitbild, das alle Mitarbeiter verinnerlicht haben? Ein Leitbild, das nicht nur auf dem Papier existiert, sondern das die Mitarbeiter in ihrem Herzen tragen. Ein Leitbild, das ihnen im Zeitalter der stillen Revolution als Kompass dient, wenn sich das Karussell des Lebens immer schneller dreht.

Wenn nicht, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als heute damit zu anzufangen. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wir stehen erst am Anfang dieser stillen Revolution.

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