Die wichtigesten SEO News für FEBRUAR 2018

Das neue Jahr gönnt uns wirklich keine Verschnaufpause. Kaum hat sich der Silvesterrauch verzogen, können wir uns schon über den lang erwarteten Relaunch eines wichtigen Tools freuen. Wie wir bald mit unserer Lesebrille suchen und warum uns Sprachassistenten demnächst vielleicht auf die Nerven gehen, erfahren Sie in den SEO News für den Februar.

1) Hurra: Die neue Google Search Console ist da

Mit dem Jahreswechsel wurden die Postfächer vieler Webmaster, Inhouse SEOs und Agenturen landauf landab mit unzähligen Emails überschwemmt. Was auf den ersten Blick nach Spam aussah, entpuppte sich aber schnell als eine lang erwartete Botschaft aus Mountain View. Nach mehrmonatiger Testphase steht die neue Google Search Console jetzt nun allen Nutzern zur Verfügung. Offiziell zwar noch immer in der Beta-Phase, zeigt sich das ehemals „Webmaster Tools“ genannte Datenportal zum Monitoring der Performance einer Webseite in der organischen Suche im komplett überholten Design. Neben einem frischen Look aber bietet die Search Console auch echte Neuerungen, wie den Zugriff auf historische Daten aus 16 Monaten, statt wie bisher nur auf 90 Tage. Hinzu kommen neue Funktionen wie der Index Coverage Report, mit dem man die Performance einzelner URLs in der Suche besser nachvollziehen kann. Zwar fehlen einige grundlegende Funktionen noch, doch Google hat angekündigt, den Funktionsumfang der neuen Console im Lauf des Jahres noch einmal deutlich zu erweitern. Auch die API soll in diesem Zuge neue Funktionen erhalten. Dass sich der lang erwartete Rollout so lange hingezogen hat, liege vor allem daran, dass Google das Feedback der Betatester gesammelt und ausgewertet hat, so das Unternehmen. Man sei auch weiterhin am Input der Webmaster interessiert, die dazu aufgerufen sind, Ideen für nützliche Reports und Funktionalitäten bei Google einzureichen. Als SEO oder Webmaster sollte man diese Einladung nicht ungenutzt lassen, um eines der wichtigsten Werkzeuge der Branche weiter den sich wandelnden Bedürfnissen unserer Zeit anpassen zu können.

2) Voice Search Ranking: Neue Studie nennt erstmals Zahlen

Die britische Digitalagentur Roast hat in einer Studie den Zusammenhang zwischen Rankings auf klassischen Google Suchergebnissen und den Antworten des digitalen Sprachassistenten Google Home untersucht. Zu diesem Zweck wurden 616 Top-Suchbegriffe aus den Bereichen Medizin, Einzelhandel, Reise und Finanzen definiert, für welche im Vereinigten Königreich eine Antwortbox, das sogenannte Featured Snippet, als Suchergebnis angezeigt wird. Bei der automatisierten Abfrage dieser Suchbegriffe konnte der Google Home Sprachassistent auf rund 75 Prozent der Anfragen antworten, bei den restlichen 25 Prozent blieb Google sprachlos, obwohl in der Desktopsuche eine entsprechende Antwortbox existiert. Man könne allerdings keine Aussage treffen, von welchen Regeln die Ausgabe einer Antwort abhänge, so die Studie. Darüber hinaus stimmte bei knapp 20 Prozent der beantworteten Anfragen das Sprachergebnis nicht mit dem Featured Snippet auf dem Desktop überein. Für das Suchmarketing bedeuten diese Ergebnisse, dass der erfolgreiche Kampf um ein Featured Snippet-Ranking in der Desktopsuche noch lange keine entsprechende Hörbarkeit auf Google Home garantiert und für Suchanfragen nach lokalen Dienstleistungen die Pflege der Informationen im Google Mybusiness-Tool weiterhin unabdingbar ist.

3) Visuelle Suche auf dem Vormarsch

Während wir noch aufgeregt über die Auswirkungen von Voice Search für das digitale Marketing sprechen, eröffnet der Vormarsch der künstlichen Intelligenz schon wieder ganz neue Perspektiven. Mit neuen Apps wie „Google Lens“ oder „Pinterest Lens“ sowie erweiterten Funktionen von Microsofts Suchmaschine Bing, beschreiten wir das Zeitalter der visuellen Suche. Schon seit den frühen Tagen von Google konnte man mit Hilfe von Keywords nach Bildern suchen, später folgte dann die Reverse-Suche nach Bilddateien mit Hilfe strukturierter Daten. Im bevorstehenden Schritt der visuellen Suche erkennt eine künstliche Intelligenz den Inhalt von Fotos oder nur Bildausschnitten ganz ohne Kontext und kann nicht nur ähnliche Aufnahmen als Ergebnis liefern, sondern auch umfangreiche Informationen zu den Eigenschaften des abgebildeten Objekts. Für den Bereich e-Commerce bedeutet dies einen neuen Einstiegspunkt im Verlauf der Customer Journey. Informationssuche und Kaufentscheidungen können schnell und intuitiv durchgeführt werden. Der Zwang, die eigene Suchintention in eine geschriebene oder gesprochene Suchphrase zu übersetzen, entfällt, die Ergebnisse werden unmittelbar im augmentierten Bild ausgespielt. Für die Suchmaschinenoptimierung bedeutet diese Entwicklung, dass die Bereitstellung von Produktinformationen über automatisierte Datenfeeds und Datenbanken noch wichtiger wird. Nur so liegen jederzeit passende Informationen in den Suchsystemen vor, die ein solches Push-Paradigma erfolgreich bedienen können. Die übertragenen Inhalte, visuell wie textlich, müssen auf Qualität und Relevanz optimiert und als strukturierte Daten ausgezeichnet sein, um im Wettbewerb der Daten bestehen zu können. Die Integration der visuellen Suche in Kameras, Browsern und Apps wird sich schnell vollziehen und den Übergang von Onpage- zur Datenoptimierung weiter beschleunigen.

4) Alexa bekommt eine eigene Meinung

Wir wissen inzwischen, dass digitale Sprachassistenten wie Alexa oder Siri weibliche Stimmen haben, da Studien belegen, dass sowohl Männer als auch Frauen dem weiblichen Ausdruck mehr Vertrauen entgegenbringen als männlichen Stimmen. Aber abseits vom faktenbasierten Frage-Antwort-Spiel ist es bislang nicht möglich eine Konversation mit den Voice-Assistentinnen zu führen. Dies soll sich nach dem Willen von Amazon nun ändern. Laut Techcrunch soll Alexa eine eigene Meinung erhalten und diese auch selbstbewusst im Gespräch mit ihrem Nutzer vertreten. Als Beispiel nennt das Unternehmen Aussagen zu Filmen im hauseigenen Videoangebot. Wie einst der seltsame Typ am Tresen der Videothek (die älteren Leser werden sich erinnern), soll Alexa zukünftig den Nutzer auf der Suche nach der richtigen Feierabendgestaltung in ein Gespräch verwickeln können, welches auf nicht von Menschen kuratierten Inhalten basieren soll. Stattdessen soll die künstliche Intelligenz des Sprachassistenten den nötigen Anteil Haltung und Humor selbstständig generieren, der für eine menschlich anmutende und marktgerechte Unterhaltung in all ihren Nuancen unabdingbar ist. Von dieser Strategie verspreche sich Amazon auch einen Vorteil gegenüber dem Konkurrenten Google, welcher in Bezug auf Informationen und Fakten auf einen ungleich größeren Datensatz zurückgreifen könne, so ein Sprecher des Unternehmens. So erklärt Alexa bereits heute die US-Biermarke Budweiser zu ihrem Lieblingsgetränk. Doch bei allem Humor wird die Fähigkeit einer Maschine zur natürlichen Konversation mit einem Menschen die Zukunft des Suchmarketings entscheidender prägen und verändern als jeder Technologiesprung, den wir bislang erleben durften.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Internet World Business.

Status Quo: Diversity at Serviceplan

Wir haben versprochen, uns sechs Monate nach der Stellungnahme zur Vorstellung unseres internationalen Boards zu melden, wie wir die Themen Diversity und mehr Frauen in Führungspositionen in der Serviceplan Gruppe vorantreiben. Diese Veränderungen benötigen ihre Zeit. Und auch, wenn wir mit der Anzahl unserer weiblichen Führungskräfte weit über dem Agenturdurchschnitt liegen, ist es noch ein weiter Weg, den wir gehen müssen – und wollen. Denn wir nehmen das Thema sehr ernst und freuen uns auf weitere Ideen und Projekte aus der deutschen, aber auch internationalen Agenturszene – denn nur gemeinsam können wir etwas verändern!

Schauen wir unsere zum Teil bereits existierenden, aber auch unsere neuen Projekte an:

  • Female Future Force: Wir haben für etwa 120 Mitarbeiterinnen in München und in Hamburg Memberships bei der Female Future Force Academy und dazu drei Female Future Force Coaches. Hier gibt es einen regen Austausch unter den Teilnehmerinnen, die sich alle zwei Monate zum Vernetzen, Austauschen, Unterstützen und für gemeinsame Workshops treffen.
  • PME-Familienservice: Wir bieten kostenloses Lebenslagen-Coaching (vor allem auch zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie).
  • Unter dem Stichwort „WeFamily“ organisieren wir einen regelmäßigen Elternstammtisch zu Vereinbarkeitsthemen.
    In unserem internen Campus Programm gibt es regelmäßig Veranstaltungen und Workshops rund um das Thema Eltern.
  • Die Serviceplan Gruppe bezuschusst KITA-Plätze mit einer Partner-KITA.
  • Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen unsere individuell zugeschnittenen Teilzeitmodelle – auch und gerade in Führungspositionen.
  • Unser flexibles Arbeitszeitenmodell wird weiter in der gesamten Gruppe implementiert – vor allem im Hinblick auf Mobile Office.
  • Seit über fünf Jahren organisieren weibliche Führungskräfte den Roten Salon. Diese Veranstaltung ist von und für Geschäftsführerinnen und Marketingleiterinnen aus der ersten und zweiten Ebene, die sich im kleinen und exklusiven Kreis auf nationaler, aber auch internationaler Ebene treffen und zu relevanten Themen austauschen.

Darüber hinaus haben wir – nicht speziell für Frauen – weitere Fortbildungsprogramme in unsere Agenturgruppe:

  • Es gibt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als 60 kostenlose Campus-Veranstaltungen mit jährlich neuem Programm.
  • Wir bezuschussen berufsbegleitende Bachelor- und Master-Studiengänge mit festen Hochschulpartnern (Steinbeis und Fresenius).

Last but not least haben wir uns als erste deutsche Agentur verpflichtet, Regisseurinnen an Pitches zu beteiligen (Stichwort #FreeTheBid). Und wir freuen uns über die Berufung von Kathrin Guethoff ins „Creative Board“ der Gruppe. Sie war viereinhalb Jahre lang Chief Creative Officer von Serviceplan China und bringt 19 Jahre Branchenerfahrung in Europa und Asien in das Kreativboard mit ein.

Wir möchten weiterhin mit unseren Maßnahmen und Projekten transparent und offen sein. Das Ziel, dass nicht nur in deutschen Agenturen, sondern in allen Branchen und Ländern Frauen und Männer gleichberechtigt in Führungspositionen arbeiten sowie an der Unternehmensspitze sind und entsprechend entlohnt werden, ist noch nicht erreicht. Daher können und wollen wir nicht nur intern diskutieren und neue Projekte aufsetzen, sondern freuen uns auf einen konstruktiven Austausch und Inspiration auch von außen!

E-Commerce im Nahen Osten

In den letzten Jahren haben Unternehmer aus dem Nahen Osten neue Produkte und Unternehmen ins Leben gerufen und gezeigt, dass es möglich ist, eine lebendige Start-up-Szene ähnlich zu der in Europa oder den Vereinigten Staaten zu schaffen.

Die Start-ups aus der Region haben sich als äußerst vielversprechend erwiesen. Beispielhaft dafür ist die kürzlich erfolgte Übernahme von Souq, einem Akteur im Bereich E-Commerce, der von Amazon für knapp 800 Millionen US-Dollar übernommen wurde. Einen weiteren nennenswerten Exit in dieser Region hat Talabat hingelegt, das von dem deutschen Unternehmen Lieferheld gekauft wurde.

Gemäß einem von der Forschungsagentur MAGNiTT veröffentlichten Bericht wurden im letzten Jahr mehr als 870 Millionen US-Dollar in Start-ups aus dem Nahen Osten investiert und jedes dieser Unternehmen hat alleine mehr als 500.000 US-Dollar aufgebracht.

E-Commerce ist jedoch eine wesentliche Domäne, in der Start-ups viel mehr tun können, um etwaige Marktlücken zu schließen. Sehen wir uns diese wichtige Branche doch mal genauer an.

Gegenwart und Zukunft für E-Commerce

Gemäß einem von BMI Research veröffentlichten Bericht verfügt der Nahe Osten über den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Markt auf der ganzen Welt. Derselbe Bericht hat auch hochgerechnet, dass der Umsatz dieser Region von 22,3 Milliarden US-Dollar in 2016 auf 43 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 ansteigen wird.

Von diesem Umsatz werden 19,8 Milliarden US-Dollar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) kommen, da derzeit knapp 88 Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Arabischen Emirate das Internet nutzen, 78 Prozent der Nutzung geht dabei von Smartphones aus.

Gartner berichtete in Hinblick auf die aktuelle Marktsituation, dass nur 15 Prozent der Unternehmen in der Region über einen Online-Auftritt verfügen und 90 Prozent der Online-Shopping-Produkte von außerhalb der Region importiert werden. Diese Statistiken zeigen ganz klar die außerordentlichen Möglichkeiten, die sich für die Onlinehändler ergeben werden.

Wer kauft ein?

In der gesamten Region kaufen mehr Männer als Frauen online ein. In den VAE sind zum Beispiel 59 Prozent der Menschen, die online einkaufen, Männer, während sich in Ägypten mit 77 Prozent das größte Ungleichgewicht offenbart.

Jüngere Internetnutzer sind natürlich ebenfalls für die Bewegung im E-Commerce-Markt verantwortlich. Die 26- bis 35-Jährigen kaufen bei allen analysierten Märkten am ehesten online ein.

In Ägypten gehören ganze 50 Prozent der digitalen Käufer zu der Altersgruppe von 26–35 Jahren.

Bezüglich der gekauften Produkte sind Flugtickets, Elektroartikel und Kleidungsstücke die beliebtesten Waren, die von Käufern in der arabischen Welt online gekauft werden.

E-Commerce wendet sich Social Media zu

Der beste Weg für Marken im Bereich E-Commerce zur Verbindung mit Käufern in der arabischen Region ist per Suchmaschinenoptimierung und Social Media.

Facebook ist dabei der führende Social-Media-Kanal bei den arabischen Online-Handelsmarken, von denen 41 Prozent diesen Dienst nutzen. Instagram erweist sich ebenfalls als populär – 23 Prozent dieser Unternehmen verwenden die Foto-Sharing-App.

Es wird deutlich, dass der digitale Markt im Nahen Osten immer intensiver genutzt wird. Der Bereich E-Commerce hat dabei beeindruckendes Wachstum erfahren.

Für diejenigen, die mit Online-Käufern in der arabischen Welt in Kontakt treten möchten, müssen Marken sich der vergleichsweise akuten demografischen Entwicklung bewusst sein und wer derzeit online Einkäufe tätigt – d. h. Männer im Alter von 26–35 Jahren. Weiterhin müssen sie herausfinden, wie andere Internetnutzer dazu gebracht werden können, das Online-Shopping auszuprobieren.

Der Zugang kann für bestimmte Verbraucher problematisch sein. Und es macht sich auch bemerkbar, dass bestimmte Produkttypen besser über Online-Kanäle vertrieben werden als andere.

Social Media und SEO erweisen sich scheinbar für E-Commerce-Unternehmen als immer wichtiger, um weitere Kunden zu erreichen. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich das digitale Einkaufen im Hinblick auf das Suchwerkzeug weiterentwickelt und dass es in den kommenden Jahren eine zunehmende Verbreitung sozialer und mobiler Technologien geben wird.

Herausforderungen im E-Commerce

Obwohl die Aussichten für den E-Commerce-Markt im Nahen Osten sehr gut sind, gibt es viele Hindernisse, die den Fortschritt einschränken. Hier sind ein paar der wichtigsten Punkte:

Gehemmte Logistik

In der Region gibt es starke Handelsbarrieren, die es für Online-Händler schwierig machen, Produkte zu versenden. Waren durch den Zoll zu befördern, kann jedem Unternehmen einen bürokratischen Albtraum bescheren – insbesondere wenn hohe Zölle, sich ändernde Vorschriften und volatile Wechselkurse dazukommen. Souq von Amazon, das hauptsächlich Produkte an die sechs Länder der GKR-Zollunion liefert, bildet eine Ausnahme.

Finanzverordnungen

Die meisten Start-ups würden wahrscheinlich scheitern, wenn sie mit den widrigen Bedingungen im Nahen Osten konfrontiert würden. Es gibt in Ägypten beispielsweise kein Insolvenzrecht. Das bedeutet, dass man als Unternehmer inhaftiert werden könnte, wenn etwaige Schulden nicht rechtzeitig beglichen werden.

Das einfache Auflösen einer Firma zur Gründung eines neuen Unternehmens kann extrem problematisch sein. Dabei sind endlose Mengen an behördlichen Dokumenten involviert und der Prozess kann fünf bis zehn Jahre dauern. Nach Angaben der Weltbank liegt das durchschnittliche Ranking für die Gründung eines Unternehmens im Nahen Osten bei 117, was weit unter dem Ranking der USA und Großbritanniens ist. Man kann also sagen, dass es für Start-ups aus dem Nahen Osten noch einige Hürden zu überwinden gilt.

Talentsuche

Für gewöhnlich akquirieren Start-ups neue Talente, indem sie den Mitarbeitern Aktienoptionen anbieten. Dies gilt für den größten Teil der Welt, ist aber im Nahen Osten ein Fremdwort, da die Unternehmen gezwungen sind, unter veralteten Rechts- und Regulierungssystemen zu arbeiten.

Die Arbeitsgesetze erschweren die Entlassung von Arbeitnehmern, insbesondere in Bezug auf Ausländer. Außerdem vermittelt das bestehende Bildungssystem in der Region den Einheimischen keine notwendigen technischen Fähigkeiten wie das Programmieren.

Der Einstieg von Amazon

Die Ankunft von Amazon ist definitiv ein gefährliches Signal für die lokalen E-Commerce-Geschäfte. Amazon ähnelt eher einer gigantischen Logistikanlage als einem E-Commerce-Geschäft und die Übernahme von Souq.com wird dem Unternehmen dabei helfen, größere Anlagen und Einrichtungen im Nahen Osten aufzubauen. Amazon kann auf jeden Fall eine breite Produktpalette anbieten und die lokalen E-Commerce-Geschäfte hinsichtlich Lieferzeiten übertreffen. Das Unternehmen wird außerdem riesige Marketingkampagnen ins Leben rufen, um die Einheimischen in der Region für die Prime-Mitgliedschaften begeistern zu können.

Der kundenorientierte Ansatz von Amazon mit der Mission, die größte Produktvielfalt zu den niedrigsten Preisen anzubieten, machen es zu einem Furcht einflößenden Konkurrenten für jeden lokalen Akteur.

Förderung der technischen Akzeptanz durch Regierungsbemühungen

Wenn die Industrie Erfolg haben soll, müssen neben den Bemühungen privater Unternehmen auch die Regierungen in der Region eine entscheidende Rolle bei der Förderung des E-Commerce spielen. Eine der wichtigsten Möglichkeiten um Vertrauen aufzubauen besteht in der Verbesserung von E-Governance und digitalen Diensten. Die meisten Länder müssen traditionelle Offline-Dienstleistungen wie Visa-Programme, Transportleistungen, Versorgungsleistungen und Online-Zahlungsoptionen in Online-Plattformen integrieren, damit die lokale Bevölkerung diese Leistungen auch effizient in Anspruch nehmen kann.

Tatsächlich können sich andere Länder von den Vereinigten Arabischen Emiraten inspirieren lassen, die den weltweit ersten zweckgebundenen Duty-Free-Handelspunkt „Matajir.com“ eingerichtet haben. Die Regierung sollte konkrete Anstrengungen unternehmen, um mit regionalen und internationalen Unternehmen zusammenzuarbeiten und den E-Commerce-Bereich im Nahen Osten anzukurbeln, damit die Region im internationalen Vergleich mithalten kann.

Erwähnenswerte Start-ups im Bereich E-Commerce

Trotz der widrigen Umstände und Probleme, denen sich die Start-ups in der Region ausgesetzt sehen, haben es viele geschafft, bemerkenswerte Erfolge zu erzielen. Eines der bekanntesten Start-ups im Nahen Osten ist Wadi.com, ein Amazon ähnlicher E-Commerce-Store, der 67 Millionen US-Dollar in einer A-Runden-Serie mit nicht veröffentlichter Bewertung aufbringen konnte.

Im Gegensatz zu Amazon bezieht Wadi die Produkte von einer Vielzahl an Einzelhändlern und Verkäufern (ohne Lagerhäuser zu unterhalten) und operiert in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien online. Dies hilft ihnen dabei, die Produkte viel schneller als Amazon auszuliefern und dem internationalen Giganten damit einen Schritt voraus zu sein.

Mumzworld.com ist ein weiterer erwähnenswerter E-Commerce-Store, der sich auf Produkte für Mütter und Babys spezialisiert hat. Das Start-up sicherte sich mehrere Millionen Dollar in einer B-Serien-Finanzierungsrunde von Wamda Capital, twofour54 und Endeavor Catalyst.

Das von Amazon übernommene Souq.com, hat sein Geschäft im gesamten GKR-Raum und in Ägypten ausgebaut und verfügt mit mehr als 23 Millionen Besuchern pro Monat zurzeit über den größten Marktanteil.

Andere E-Commerce-Akteure, die in dieser Region fest verankert sind, wären Aido.com, Awok.com und der Zappos-Klon Namshi.com. Ein weiterer beliebter E-Commerce-Shop ist Cobone.com, der auf täglichen Angeboten basiert.

Fazit

Die Zukunft hält für die E-Commerce-Akteure im Nahen Osten einiges bereit und es ist definitiv großartig zu sehen, dass die Unternehmen trotz der vorhandenen Barrieren Erfolg haben. Ihr Erfolg ist für andere Akteure inspirierend, gute Produkte und Dienstleistungen aufzubauen und Vertrauen in der lokalen Bevölkerung zu schaffen. Wirtschaftsreformen, Diversifizierung und die Verbesserung der Arbeitsgesetze in Verbindung mit einer stetig wachsenden Internetdurchdringung werden den E-Commerce-Markt im nächsten Jahrzehnt in neue Höhen geleiten. Dies wird in der unten folgenden Grafik ersichtlich.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Magazin Discover Middle East.

Sterben als Event – Die Wahl der Formate als kreative Herausforderung bei einem heiklen Thema

Strandurlaub, Parfüm, Eiscreme oder Sportauto – es gibt Produkte, deren Abbildung allein schon werbewirksam ist. Eine raffinierte Inszenierung macht es dann einzigartig, eine intelligente mediale Aussteuerung sorgt dafür, dass man sieht, wo man ohnehin gerne hinguckt. Aber was ist mit Unfallversicherungen, die ihren Nutzen erst im Schadenfall entfalten, in jedem Fall aber Geld kosten? Und was ist mit Sterbehilfe?

Ich habe mich gemeinsam mit meinen Kollegen von Mediaplus und Plan.Net Campaign bei der Vermarktung meines Buches „HEAVEN’S GATE“ dieser Herausforderung gestellt. In dem satirischen Roman geht es um einen Eventunternehmer, der den Bau eines Sterbehilfezentrums plant: Ein Wellnesstempel für „selbstbestimmtes Ableben“. Hier wird das Ende des Lebens als dessen Höhepunkt gefeiert. Professionell organisiert als eine nach ISO 9000 zertifizierte Qualitätsdienstleistung. Das Buch wagt, die Geschichte einer Gesellschaft fortzuschreiben, deren Menschen zwar immer älter, aber auch immer hinfälliger werden und denen der Sinn ihres Daseins abhandengekommen ist, angesichts des allgegenwärtigen Leistungs- und Wohlfühldrucks.

Wie also kann man ein eher unpopuläres Thema kreativ in Szene setzen und Aufmerksamkeit generieren? Kunst kann und muss, was Werbung nicht so gut kann und oft nicht darf: Themen ansprechen, die zwar hochrelevant, aber nicht gerade sexy sind. Wobei der Tod, attraktiv in einem Krimi verpackt, durchaus reizvoll zu sein scheint: Jeder erwachsene Fernsehzuschauer war schon freiwillig Augenzeuge mehrerer zigtausend Fernsehmorde, gerne konsumiert in Genusseinheit mit Chips und Bier. Aber die wenigsten von uns haben schon mal einen Sterbenden betreut oder auch nur gesehen.

Im Reich der künstlerischen Freiheit sind fiktive Planspiele, die nicht weniger als das Leben selbst zum Gegenstand haben und Unaussprechliches in den Rang des Möglichen erheben, gut aufgehoben, da sind sich alle einig. Und genau diese Illusion erzeugte die Kampagne, indem sie sich literaturferner Formate bediente, um für Thema und Buch noch mehr Aufmerksamkeit zu erzielen: Wir ließen an einer vielbefahrenen Straße in einem Wohngebiet in Dresden eine Bautafel aufstellen: „Hier entsteht das erste Zentrum für selbstbestimmtes Ableben in Deutschland.“ Eine unwahre Behauptung, mit der bewusst die Grenzen des so genannten guten Geschmacks strapaziert werden. Und damit nicht genug: Wer die auf der Bautafel angegebene Website besuchte, sah dort einen professionell produzierten Imagefilm des Sterbehilfeunternehmens. In Wahrnehmung ihres Auftrags, über Ereignisse von herausragendem öffentlichen Interesse adäquat zu berichten, ließ es sich die Sächsische Zeitung nicht nehmen, die Bautafel als Aufmacher auf ihrer Homepage zu platzieren.

Bautafel und Website mit Imagefilm sind der seltene Fall eines Hybrids aus Kunst, die auch als Kampagne taugt. Mediaplus und Plan.Net erzielten für die Inszenierung und Platzierung Silber beim angesehenen Crystal Award in der Kategorie Media Execution.

Über Buzzwords, digital only und sales only hinaus

  1. Beyond bullshit:
    Resultate statt Buzzwords, mehr Substanz in den Maßnahmen, richtige Bewertungskriterien statt Gefühligkeiten. Echte, klar zu trackende Fortschritte auf dem Weg durch den Funnel.
  2. Beyond digital only:
    Die Sehnsucht nach echten Gefühlen, echten Berührungen, echtem Duft. Brand Experience im Sinne ultimativer Momente mit einer Marke (s. auch „The Power of Moments: Why Certain Experiences Have Extraordinary Impact”, Buch von Chip Heath und Dan Heath)
  3. Beyond sales only:
    Rabatte, Kaufanreize, Black Fridays und Cyber Mondays sind ubiquitär geworden. Marken-Geschichten, von denen man nicht mehr ablassen kann, nicht. Es geht um Preisbereitschaft durch emotionale Hinwendung. Dann können Angebote Brandbeschleuniger für dieses Markenfaszinosum sein. Wo allerdings nichts brennt, kann auch nichts beschleunigt werden.

Digitale persönliche Wertschätzung

Die immer schneller fortschreitende Digitalisierung bietet für das Marketing faszinierende neue Möglichkeiten. Noch nie konnte man Kunden außerhalb des POS so nah kommen und sie ohne irgendwelche Streuverluste erreichen. Aber die neue digitale Nähe bedingt auch einen Wandel der Ansprache, wenn sie funktionieren soll. Weniger werblich, dafür mehr wertschätzend. Wer den finalen Klick für eine Entscheidung erreichen will, muss auf Augenhöhe kommunizieren, den Angesprochenen ernst nehmen, seine Sprache sprechen. Daher brauchen wir neben intelligenter Technik auch ebenso intelligente Geschichtenerzähler und visuelle Zauberer, die mit dem, was sie kreieren, im richtigen Moment mitten ins emotionale Schwarze treffen. Auch in Marken kann man sich beim ersten Klick verlieben. Ob daraus mehr wird, entscheidet eine Content-Strategie, die sich immer so anfühlt, als wäre sie nur für dich ganz allein entwickelt worden.

2018 wird das Jahr des Maschinenlernens

2018 wird das Jahr des Maschinenlernens, insbesondere auf dem Gebiet der Verbrauchersegmentierung und Verbesserung automatisierter Nachrichten-Personalisierungsprozesse. Dank der Marketingleiter aus Silicon Valley sind Lernalgorithmen bereits sehr weit verbreitet. Wir treten jedoch in eine neue Phase der Anwendung dieser Mechanismen ein, die über Werbesysteme wie Adwords, Doubleclick und Facebook hinausgeht.

Vermarkter werden immer besser darin, kontinuierlich Benutzerinformationen zu sammeln und zu integrieren. Zu ihren Verbündeten gehören globale Giganten wie Google. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Partnerschaft von Google mit Salesforce, die im November dieses Jahres bekannt gegeben wurde und die sich zusätzlich zu ihrer positiven Auswirkung auf die Menge der gesammelten Informationen auch auf deren Qualität auswirken wird.

Die Herausforderung für Agenturen wie Vermarkter ist es, ihre eigenen analytischen Fähigkeiten mit denen von Maschinen zu messen – schließlich sind wir fehleranfällig und bei so einer großen Menge an Daten und Variablen sowie angesichts der Komplexität des Pfads, den der Nutzer bis zum Kauf wählt, steigt das Fehlerrisiko. Um Schlussfolgerungen schnell genug ziehen und sie anschließend in der echten Optimierung der Benutzererfahrung anwenden zu können, müssen wir mehr Gewicht auf Technologie und insbesondere auf die von der künstlichen Intelligenz angebotenen Möglichkeiten legen.

Was macht eigentlich ein Audience Broker?

Marwa Saleh stellt ihren spannenden, noch relativ jungen Beruf als Senior Audience Broker vor. Viel Spaß mit dem dritten Teil unserer Reihe Jobtitel-Bingo.

Der Handel muss handeln – jetzt

Das Internet allein ist nicht mehr zukunftstauglich. Omnichannel-Shopping ist angesagt – Einkaufen auf allen virtuellen und analogen Kanälen. Doch nur die wenigsten Händler haben dafür einen Plan.

Die eine Seite: Online-Shopping boomt wie nie zuvor. Um 12,5 Prozent auf fast 53 Milliarden Euro ist der Umsatz hierzulande im letzten Jahr angestiegen. Für dieses Jahr wird ein Plus von elf Prozent erwartet. Die andere Seite: Das Geschäft im stationären Einzelhandel brummt. Die Modebranche etwa hat den besten September seit 17 Jahren erlebt.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Bundesbürger mit ordentlich Kauflust die Konjunktur am Laufen halten, heißt das vor allem: Alle Prognosen, dass wir in ein paar Jahren Waren nur mehr im Internet bestellen werden, sind falsch. Längst ist der Begriff Omnichannel-Shopping, das Einkaufen auf allen Kanälen, fester Bestandteil des Händlervokabulars – spätestens, seit der Online-Riese Amazon begonnen hat, in die reale Shopping-Welt vorzudringen. Er hat die amerikanische Bioladen-Kette Whole Foods übernommen und eröffnet eigene Supermärkte sowie Buchgeschäfte. Nur glauben scheinbar die meisten Retailer hierzulande, dass es genügen würde, einen Online-Shop einzurichten, um gegen die neue, mächtige Konkurrenz aus der Web-Welt bestehen zu können. Tut es leider nicht.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Amazon mit seiner physischen Ladenwelt auch nach Deutschland expandiert. Kein Unternehmen drängt sich mit seinen Diensten und Geräten so unerbittlich ins Leben der Kunden wie der Gigant mit 136 Milliarden Dollar Jahresumsatz – Tendenz steigend. Und er ist keineswegs der einzige Online-Händler, der in den Fußgängerzonen sesshaft werden will. Europas größter Online-Modehändler Zalando prüft die Eröffnung von Shops, die Web-Möbelhäuser Westwing und Home 24 haben es bereits getan.

Es sind nicht zwei Geschäftswelten, die nebeneinander herlaufen, die virtuelle und die reale. Vielmehr verzahnen sie sich zusehends. Erfolgreicher E-Commerce braucht stationären Handel – und umgekehrt. Gewinnen wird jedoch nur, wer beide lückenlos verbindet. „E-Commerce wird immer physischer, greifbarer und bietet ein intensiveres Erlebnis, während sich der physische Handel in vielem dem Web annähert: Er wird vernetzter und datengetriebener“, erklärt Dough Stevens, Gründer des Beratungsunternehmens Retail Prophet, auf dessen Kundenliste Namen wie Coca-Cola, Disney oder Google stehen. „Neuartige Technologien beschleunigen die Entwicklung beider Kanäle. Die Grenze wird immer durchlässiger, und wir werden irgendwann nicht mehr mit Sicherheit sagen können, ab welchem Punkt das Kauferlebnis digital oder physisch ist.“

Der Kunde heute ist informiert, anspruchsvoll, preisbewusst, ungeduldig und faul. Er will nach Lust und Laune einkaufen. Heißt für die traditionellen Händler: Sie müssen alle Kanäle bespielen, die der Kunden potenziell nutzt – den Shop ebenso wie den traditionellen Katalog, dazu Online, Mobile und Dialog bis hin zu Smart-TV. Das aber schaffen bislang nur die wenigsten. 90 Prozent der deutschen Unternehmen haben keine ganzheitlich vernetzte Digitalisierungs-Strategie. Das kann beim Ominichannel-Shopping zum Verhängnis werden.

Vieles dreht sich dabei um Mobile. Bei den größten Playern in den USA liegt der Umsatzanteil von Bestellungen via Smartphone oder Tablet bereits bei 60 bis 70 Prozent. Das Handy dient Retailern aber keineswegs nur als Schaufenster. „Schnelligkeit und Conveniance beim Einkauf werden das A&O sein, mit dem das Thema steht oder fällt“, sagt Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein. Für Einzelhändler könnte das beispielsweise so aussehen, dass eine App dem Kunden schon bei der Anfahrt Staus meldet und ihm signalisiert, wo ein Parkplatz bereit steht. Und im Laden zahlt der Kunde seine Ware via App, ohne zur Kasse zu müssen.

Womöglich möchte er sich die Ware auch abends bequem nach Hause liefern lassen statt Tüten zu schleppen. Amazon hat den Evening-Express, Media und Saturn bieten in einigen Städten Lieferung binnen drei Stunden an und die Deutsche Post arbeitet für alle anderen am Same-Day-Delivery-Standard. Derlei funktioniert übrigens auch im Kleinen, wie das Beispiel des Kiezkaufhauses in Wiesbaden zeigt: Auf der Website präsentieren lokale Händler ihre Produkte. Der Kunde ordert online und bekommt die Ware abends per Fahrradkurier. 80 Prozent der Bestellungen sind Lebensmittel, es gab noch nie eine Retoure.

Was es dabei natürlich flach fällt, ist das physische Einkaufserlebnis – mit der Betonung auf Erlebnis. Gerade da aber ist es höchste Zeit, aufzurüsten. Zwar beleben erste Kaufhäuser und Markenshops ihre Flächen mit Gastronomie. Aber das kann nur ein Anfang sein. Der Shop von morgen bietet ganz neue, durch die technologische Entwicklung getriebene Erlebniswelten. Burberry etwa hat in seinem Londoner Flagship-Store vor Jahren schon virtuelle Spiegel etabliert: Hält man ein Kleidungsstück davor, zeigt der Spiegel, wie es angezogen aussieht.

Der Laden wird zum Schaufenster für Innovationen. So können künftig auch Produkte präsentiert werden, die noch gar nicht auf dem Markt sind, die der Kunde aber bereits mittels Konfiguration für seine Bedürfnisse modifizieren kann. Neben der Virtual Reality wird auch die Augmented Reality Einzug halten – die neuen iPhones verfügen über diese Technik. Ikea etwa arbeitet an einer App, die Möbelstücke auf dem Handy in Bilder realer Umgebungen transponiert.

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt derartiger neuer Shop-Konzepte ist, dass sie zwar Investitionen bedingen, auf Dauer aber viel Geld sparen. Denn statt 400 Quadratmeter Fläche genügen 100 für das haptische Erleben, den Rest besorgt das Web. Die Ware muss nicht in einem teuren Lager in der City liegen, sondern wird vom Stadtrand aus per Kurier geliefert. Das mindert die Mietbelastung, ein dicker Brocken in jeder Retailer-Bilanz, erheblich. Und es zieht neue Player in die Innenstädte – von den E-Commerce-Riesen bis hin zu Autohäusern, die ihre Modelle virtuell, gleichwohl aber lebensgroß und in 3D präsentieren. Die Cities werden bunter.

Das Frankfurter Zukunftsinstitut, ein Think Tank verschiedenster Wissenschaftler, geht noch weiter. Der Shop wird zum Ort für Open Innovation. Heißt: Käufer und Verkäufer werden zu gleichberechtigten Partnern, nicht nur im Verkaufs-, sondern bereits im Herstellungsprozess, in der Sortimentsauswahl, der Produktgestaltung und der Vermarktung. Bei Community Retail gestalten Kunden die Ware mit. Das lohnt sich: In Japan untersuchte der Retailer Muji, ob es Unterschiede in den Verkaufszahlen von Möbeln gibt, wenn sie von Konsumenten entworfen waren oder aus dem eigenen Designzentrum stammten. Ergebnis: Im ersten Jahr nach der Produkteinführung waren die Verkaufserlöse der nutzergenerierten Objekte dreimal so hoch wie die aus der Designschmiede. Über die Jahre verstärkte sich dieser Effekt noch.

Basis für all das sind Daten zu den Kunden – je mehr und je exklusiver, desto besser. Damit lassen sich auch ganz neue Geschäftsmodelle schaffen. Einen ersten Ansatz in dieser Richtung hat die Otto-Gruppe mit dem Portal About You ins Rennen geschickt. Auf Basis der gesammelten Daten wird ein maßgeschneiderter Webshop für jeden einzelnen Kunden erstellt. Die Zukunftsvision ist es, Bestellungen schon vorbereitet zu haben, bevor sie überhaupt eingegangen sind.

Die Zukunft des Handels ist abhängig von technologischem Verständnis, vor allem aber von frischen Ideen. Amazon hat im letzten Jahr 1662 Patente angemeldet.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.wuv.de.

Die Lebensfreude der Mitarbeiter gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Werten

Die Lebensfreude der Mitarbeiter ist das Elixier für Unternehmenserfolg

Wie oft haben wir das schon gehört: „Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital!“ Mal ehrlich: Meist blieb es bei diesen schönen Worten, nicht wahr? Für unsere Zukunft gelten sie jedoch uneingeschränkt, nur dann klappt der Wandel. Deshalb müssen wir den Mitarbeitern mehr zentrale Verantwortung im Unternehmensmanagement geben.

Bei Serviceplan in München gibt es neuerdings ein Atelier, das „Brienner Above“. Dort können sich unsere Mitarbeiter austoben, mit Öl- und Acrylfarben, Buntstiften, Leinwänden oder an der Nähmaschine. Bedingung: Dass sie dort etwas völlig anderes produzieren als in ihrer täglichen Arbeit. In aller Ruhe sollen sie neue Ideen verwirklichen, ohne Ziele und Leistungskennzahlen im Nacken.

Das Besondere ist nicht das Atelier also solches, sondern: Es wurde von einem Mitarbeiter konzipiert und gegründet und auch verantwortet: Michael „Mais“ Sundermann, Head of Design unserer Agentur Plan.Net Pulse. „Kreative müssen ab und zu ihren Alltag verlassen und Neues versuchen, um besser zu werden“, so seine Überzeugung.

Kleine Fluchten aus dem Agenturtrott

Warum wir Michaels Idee unterstützt haben? Zum einen weil wir natürlich Interesse daran haben, dass unsere Mitarbeiter stetig besser werden. Wenn dazu kleine Fluchten aus dem Agenturtrott nötig sind – bitteschön, dann bieten wir diese. Zum anderen wollen wir, dass sich alle Arbeitnehmer bei Serviceplan wohl fühlen und gerne bei uns bleiben.

Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt die Fluktuationsrate: Sie sank in den vergangenen zwei Jahren um zwei und drei Prozent. Wäre die Motivation unserer Mitarbeiter nicht herausragend, hätten wir in den vergangenen zwei Geschäftsjahren gewiss kein Umsatzplus von 12 (14/15) und 14 Prozent (16/17) erwirtschaftet. Auch die Kundenzufriedenheit, die wir jährlich abfragen, bleibt konstant auf überdurchschnittlichem Niveau. Sind die Mitarbeiter glücklich, profitieren alle Beteiligten.

Wer gern Verantwortung übernimmt

Das Atelier ist ein Beispiel für unsere neue Unternehmensphilosophie, wir nennen sie „Ownership“: Wir ermuntern Mitarbeiter, mit neuen Ideen unser Unternehmen mitzugestalten und gemeinsam auf die Zukunft vorzubereiten. Dazu brauchen wir Kollegen, die sich als Entrepreneure verstehen und gerne Verantwortung übernehmen. Dieser neue Arbeitsstil – dafür hat sich der Begriff New Work http://www.zukunftsinstitut.de/mtglossar/new-work-glossar/ etabliert – ist unserer Überzeugung nach entscheidend für das Gelingen der digitalen Transformation und darüber hinaus.

New Work und Digitalisierung – das sind zwei Seiten einer Medaille. Nur wenn beides funktioniert, kann ein Unternehmen schnell und flexibel auf die immer rasanter werdenden Anforderungen der Märkte reagieren.

Im Grunde wollen alle das Gleiche

Darum managen wir den Unternehmenswandel nicht (nur) von der Chefetage aus, sondern auch in der Belegschaft. Das hat schon allein deshalb Sinn, weil es frappierende Gemeinsamkeiten gibt zwischen den Zielen Serviceplans und den Wünschen vieler (vor allem jüngerer) Arbeitnehmer. Im Grunde wollen beide Seiten das Gleiche: Flexibilität, ständiges Lernen und eine anregende Kommunikation.

Wieso also sollten wir nicht gemeinsam anpacken? Warum sollten wir unser Unternehmen nicht gemeinsam gestalten, Mitarbeiter wie Management? HR ist dabei ideal, um diesen Austausch zu moderieren.

Die alten Lockmittel ziehen nicht mehr, die alten starren Regeln nerven

Sehen wir uns die Wünsche der Arbeitnehmer einmal genauer an, sie sind mittlerweile gut erforscht. Vor allem junge Generationen (Y, Z, Digital Natives, Millenials oder wie auch immer sie genannt werden) haben keine Lust auf rigide Arbeitsregeln – zum Beispiel pünktliches Erscheinen am Morgen, Anwesenheitspflicht während des Arbeitens, Nebenjobverbot, maximal drei Wochen Urlaub am Stück. Altbewährte Lockmittel wie gutes Gehalt, Firmenauto, Karriere und Kantine wirken weniger als früher.

Stattdessen wollen sie Jobs, in denen sie sich selbst verwirklichen können und nicht zur immer gleichen Zeit am immer gleichen Schreibtisch Platz nehmen müssen. Sie wünschen einen gleichberechtigten Austausch. Sie wollen, dass auch Chefs ansprechbar sind – und keine Scheu haben vor ausgiebigen Diskussionen, in denen die eine oder andere heilige Kuh geschlachtet wird.

Sie finden diese Ansprüche unverschämt? Wir sind da anderer Meinung: Wir sehen sie als wertvolle Quelle der Inspiration, um den Wandel erfolgreich zu meistern.

Gute Ergebnisse bei kununu und Cafeteria-Sprechstunde mit dem Personalchef

Es gibt also triftige Gründe dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter nicht nur zufrieden, sondern glücklich und inspiriert sind. Deshalb ermitteln wir dreimal jährlich in 60 Firmen unserer Gruppe die „Colleague Satisfaction“: Dieser Wert liegt aktuell bei 72 Prozent, darauf sind wir stolz.
Auf dem Bewertungsportal kununu https://www.kununu.com/de/serviceplan-gruppe haben wir mit über 3,5 von fünf Sternen ein gutes Ergebnis, die Azubis loben uns sogar mit einer 4,15. Um mit den Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben, sitzt unser Personalchef Winfried Bergmann zwei bis dreimal pro Woche ab 7.30 Uhr morgens in der Münchener Serviceplan Cafeteria; wer Fragen hat, Sorgen oder Vorschläge teilen will, setzt sich einfach dazu. Wer hingegen lieber anonym bleibt, kann zum Beispiel die Beschwerdestelle im Intranet nutzen, diese Briefe werden direkt und diskret vom Winfried Bergmann beantwortet.

Inzwischen haben wir eine große Strecke der Transformation zurückgelegt. So sieht das Arbeiten bei Serviceplan mittlerweile aus:

Flexible Arbeitszeiten statt 40-Stunden-Dogma: Mitarbeiter können ihre Arbeitspensum recht flexibel wählen. Zwar müssen sie sich frühzeitig mit dem Management besprechen, etwa wenn sie von einem Vollzeit- in einen Dreitages-Job wechseln wollen. Aber prinzipiell bieten wir an, die Arbeitszeit den Lebensphasen flexibel anzupassen.
Mobilität statt Stechuhr: Ob Mobile Office, Brainstorming im Park oder ein mehrtägiger Workshop auf einer Almhütte – das alles unterstützen wir. Bei uns muss keiner 40 Stunden am Schreibtisch ausharren.

Nebenberuf statt Erholungspflicht: Viele unserer Mitarbeiter gehen neben ihrer Arbeit bei uns weiteren Interessen nach, haben einen Zweit- oder Drittjob. Das ist kein Problem, sofern das vom jeweiligen Geschäftsführer genehmigt und vertraglich fixiert wird. Wir verstehen weitere Jobs als Indiz für überdurchschnittliches Engagement, starken Willen und Verantwortungsbewusstsein – Charakterstärken also, die wir brauchen.

Sabbatical statt Kündigung: Wenn jemand mehr Zeit braucht als drei Wochen Urlaub, finden wir eine Lösung. Eine etwas längere Auszeit ist allemal besser, als einen wertvollen Mitarbeiter zu verlieren.

Ausbilden statt feuern: In Zeiten akuten Arbeitnehmermangels ist es sinnvoll, fachlich schwächere Mitarbeiter nicht zu kündigen, sondern intensiver zu begleiten und auszubilden.

Lernen statt Routine: Unsere Mitarbeiter kommen in immer neuen Teams zusammen, sie lernen ständig dazu, entwickeln sich kontinuierlich weiter. Außerdem profitieren sie von einem großen Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramm: Pro Jahr veranstalten wir rund 65 Seminare und Impulsvorträge zu Themen wie Führung, Präsentationen, Kreativtechniken, digitale Tools, , Kundenbindung, Zeitmanagement oder Ressourcenplanung. Außerdem unterstützen wir 15 Mitarbeiter pro Jahr beim Studium an der Steinbeis-Universität (wir übernehmen mindestens 50 Prozent der Kosten).

Events statt Rundschreiben: Ein partnerschaftlicher Umgang braucht persönliche, intensive Kommunikationsformen. Was brächte eine Rundmail voller neuer Direktiven, die keiner versteht? Workshops, Meetings und Gespräche sind immer vorzuziehen. Gerne auch zwischen Tür und Angel ¬ deshalb sind bei uns alle Bürotüren immer geöffnet.

Wir bieten also jede Menge Flexibilität und Freiraum. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Verbindlichkeiten gibt. Wir fordern im Gegenzug Leistung, Lernbereitschaft und Kritikfähigkeit. Und wir erwarten, dass sich jeder als Markenbotschafter Serviceplans versteht und in dieser Funktion sein Bestes gibt, online und offline.

Um den Charakter von Serviceplan für alle verständlich zu machen, entwickelte unsere Personalabteilung eine Arbeitgebermarke. Jeder neue Mitarbeiter lernt die Employer Brand am ersten Arbeitstag, dem Onboarding-Tag, kennen, erfährt Wissenswertes über die Geschichte von Serviceplan und welche Markenwerte das Arbeiten bei uns prägen. Die Marke ist der Rahmen, innerhalb dessen die Mitarbeiter handeln können. Gewissermaßen ersetzt sie die hierarchischen Strukturen, die wir immer weniger brauchen – weil die Verantwortung für den Unternehmenserfolg künftig auf vielen Schultern liegt.

Lieben Sie Verantwortung?

Einer der wichtigsten Markenwerte Serviceplans heißt deshalb „Ownership“. Wir unterstützen Mitarbeiter, die mit guten Ideen, Talent und Freude an Verantwortung etwas Eigenes aufbauen wollen. Wie Michael und sein Atelier. Oder die Personal-Managerin Julia Vogginger, die ihren Kollegen während der Arbeitszeit kostenlosen Yoga-Unterricht in der Pause erteilt. Wir fördern Projekte, die unsere Arbeitsprozesse und -qualität optimieren, die Gesundheit verbessern oder Entwicklungen des Marktes nutzbar machen.

Lektion gelernt: Nicht ständig den Mitarbeitern auf die Finger zu schauen

Diese neue Art des Arbeitens hat natürlich auch Konsequenzen für das Management, etwa für die mittlere Führungsebene: In Trainings lernen die Kollegen, dass sie ihren Mitarbeitern nicht ständig auf die Finger schauen sollen. Sie müssen lernen, jedem einzelnen Vertrauen zu schenken und seine Entwicklung zu fördern. Sie lernen, wie sie „top down“ und „bottom up“ kommunizieren. So wirkt das mittlere Management wie ein Katalysator guter Ideen und Innovationen – in beide Richtungen.

Und die Führungsspitze? Ihre Aufgabe ist es wie jeher, die Unternehmensziele im Auge zu behalten. Zudem muss sie dafür sorgen, dass die Kraftquellen des Erfolgs nicht versiegen: die Lebensfreude der Mitarbeiter, exzellente Kommunikation, Top-Qualität durch ständigen Wissensaufbau. Sie muss störende Faktoren wie Silodenke, Herrschaftswissen und Grabenkämpfe – alles Relikte der hierarchischen Vergangenheit – aus dem Weg räumen.

Die Lebensfreude der Mitarbeiter gehört zu den wichtigsten witschaftlichen Werten

Was haben wir während unseres bisherigen Weges durch die Transformation gelernt? Dass die Lebensfreude der Mitarbeiter zu den wichtigsten wirtschaftlich relevanten Werten gehört. Sie ist die Kraftquelle großartiger Leistungen und Innovationen. Sind die Arbeitnehmer glücklich, geben sie ein Vielfaches zurück an Loyalität, Einfallsreichtum und Leistungsbereitschaft. Dazu gibt es vor allem eines zu tun: Wir müssen die seit Jahrzehnten überstrapazierte Floskel „Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“ endlich mit Leben füllen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im WiWo Blog.