Auf der diesjährigen SXSW ist eines der vorherrschenden Themen in den Marketing-Sessions der starke Fokus auf die „Culture Media“. Also das Management von Hype-Zyklen und die Entwicklung von Content-Ideen. Die SXSW ist zweifellos führend, wenn es darum geht, aufschlussreiche Perspektiven zu vermitteln: Es zeigt sich eine Verlagerung von der demografischen Zielgruppenansprache hin zu kulturellen, Community- und Nischeninteressen, während Creator Content in den Mittelpunkt von Kampagnen gerückt wird.

Werbung in einer vom Neuen besessenen Welt

In einer Zeit, in der es immer mehr neue Produkte, Marken und Technologien gibt, ist es eine Herausforderung, die wirklich innovativen Produkte, die den Hype wirklich wert sind, von den kurzlebigen Trends mit wenig Substanz zu unterscheiden. Im Zeitalter des ständigen Scrollens sind Konsument:innen immer auf der Suche nach der nächsten Attraktion. Dieses Verhalten kann in Kombination mit strategisch angelegten Social-Media- und Influencer-Kampagnen dazu führen, dass Hypes noch verstärkt werden –manchmal sogar exzessiv. Für Marken kann es vorteilhaft sein, diesen Hype-Zyklus auszunutzen, da er erhebliche Preissteigerungen ermöglicht, zumindest solange das Interesse der Konsument:innen anhält.

In ihrem Vortrag ging Noor Naseer von Basis Technology der Frage nach, wie ein Hype das Verbraucher:innenverhalten und die Markenstrategie beeinflusst. Dabei unterschied sie zwischen Neuheit und Innovation. Sie führte den Begriff „Tech Lore“ als Leitprinzip für die Navigation durch Werbehypes mit einer optimalen Mischung aus Neugier und Skepsis ein. Um die Fallen überbewerteter und kurzlebiger Trends zu vermeiden, sollten sich Marken auf authentische Innovationen konzentrieren, die echte menschliche Bedürfnisse ansprechen und konkrete Vorteile bieten. Der Erfolg liegt in der Bereitstellung eines solchen Nutzens, der sicherstellt, dass die Verbraucher:innen der Marke treu bleiben oder ihre Loyalität sogar noch verstärken – ein Beweis dafür, dass sich echter Wert in der Langlebigkeit widerspiegelt. Zu den Schlüsselstrategien von Naseer für die Navigation durch Hypes gehören die Konzentration auf die eigenen einzigartigen Herausforderungen, ein tiefes Verständnis der Zielgruppe, die Fokussierung auf Ziele und das Vermeiden kurzlebiger Trends.

Die Kunst, viral zu gehen

Michael Krivicka von whoisthebaldguy, bekannt für seine Rolle bei berühmten Viral-Kampagnen wie Telekinetic Coffee Shop und Devil Baby Attack, stellte eine Blaupause für die Erstellung von Viral Content vor. Er ermutigte dazu, konzeptbasierten Ideen den Vorzug vor traditionellen bezahlten Kampagnen zu geben, die auf großen Medienbudgets oder der Unterstützung von Prominenten beruhen. Der Schlüssel zu viralen Videos? Werbung zu vermeiden, die als virale Kampagne getarnt ist. Stattdessen gilt es, wirklich fesselnde und unterhaltsame Inhalte zu produzieren, die die Menschen gerne sehen und teilen wollen. Um das unendliche Scrolling zu unterbrechen, braucht es bemerkenswerten Content, ob humorvoll, schockierend oder zum Nachdenken anregend.

Die diesjährige SXSW unterstreicht die Bedeutung von Inhalten, die auf einer menschlichen Ebene ankommen und das Publikum aktiv einbeziehen. Krivicka betonte auch die Bedeutung von Originalität und wies darauf hin, dass ein einzigartiger Ansatz – auch wenn man nicht der erste ist – dazu beitragen kann, sich von der Masse abzuheben und die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Sowohl Krivicka als auch Naseer plädierten dafür, die Aufmerksamkeit der Verbraucher:innen auf innovative Weise zu gewinnen, sei es, die Dynamik von Hypes zu nutzen oder virale Inhalte zu schaffen. Originalität, Innovation und überzeugendes Storytelling sind notwendig, um in der schnelllebigen digitalen Landschaft einen Unterschied zu machen.

Social ist tot, lang lebe Culture Media

John Dempsey von Wieden+Kennedy und Krystel Watler von TikTok sprachen über das wichtigste Marketingthema des Jahres 2024: Kultur, Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Anders als im sozialen Zeitalter wird „Culture Media“ nicht dadurch definiert, wem man folgt, sondern durch die Interessen, die man hat, die Inhalte, mit denen man interagiert, und den Communities, denen man angehört. Und obwohl sie fließend sind und sich ständig verändert, ist sie ein großartiges Umfeld für kreative Werbung und Medien. Aber um erfolgreich zu sein, muss man nach neuen Regeln spielen.

Dempsey und Watler skizzierten sechs Strategien für Marken, um mit Subkulturen in Kontakt zu treten und ihr Geschäft auszubauen:

  1. Engagement für kulturelle Intelligenz, was bedeutet, dass man wirklich in die Plattform eintaucht, um sie besser zu verstehen.
  2. Markenrichtlinien aufgeben und akzeptieren: Man hat nicht mehr die volle Kontrolle über seine Marke.
  3. Raum für Co-Kreation schaffen
  4. Inhalte schaffen, die Reaktionen hervorrufen
  5. Markengläubige schaffen, keine Fans
  6. und zu guter Letzt: unterhalten.

Zuerst veröffentlicht bei Horizont.

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