Beiträge

Wie und wo startet die Employee Journey der Gen Z? Im War of Talents um die besten Mitarbeiter ist das natürlich auch für Agenturen hochrelevant. 15 Masterstudierende im Bereich Business und Design Management der Macromedia Hochschule Köln haben sich dieser Frage im Rahmen eines Projekt in Zusammenarbeit mit dem House of Communication (HOC) Köln gewidmet, und dabei einiges zutage gefördert, wie man sich als Agentur am besten bei der GenZ bewirbt.

Arbeitgeber befinden sich in einem „War for Talents“. Hochqualifizierte Mitarbeiter:innen sind im Zeitalter einer zunehmend globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt die wichtigste und zugleich knappste Ressource für den Unternehmenserfolg. Die Notwendigkeit einer generationenübergreifenden Employee Journey hat auch das House of Communication in Köln erkannt.

High Potentials und Fachkräfte sind in unserer Branche hart umkämpft. Wie können wir uns im „War for Talents“ als Employer of Choice etablieren, um die High Potentials aus allen Alterskohorten für uns zu gewinnen? Unter der Leitung von Prof. Dr. Mareike Müller, Carolin Nowak und Marian Bunte (beide Mediaplus/Mediascale), arbeiteten die Student:innen ein Semester an dieser Fragestellung. Sie führten Umfragen durch, analysierten Studien, hielten Tiefeninterviews mit der Generation Z und setzten ihre Erkenntnisse direkt in kreative Use Cases, wie zum Beispiel Stellenausschreibungen, Influencer Videos und Employee Journeys um. 

Wie und wo startet die Employee Journey der Gen Z? LinkedIn, Instagram und einschlägige Job Portale sind bei der Suche nach potenziellen Arbeitgebern beliebt, die Nutzungsintensität von Facebook hingegen ist gering und belegt einen hinteren Rang. Egal auf welchem Kanal: Klar strukturierte Stellenausschreibungen mit detaillierten Angaben zu Aufgaben und Verdienstmöglichkeiten sind wichtig. Die Gen Z wünscht sich ein abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld und möchte genau wissen, was auf sie zukommt. Kommunikation auf Augenhöhe fängt beim Duzen an und spiegelt sich in flachen Hierarchien wider. 

Instagram-Story als Recruiting-Instrument

Wurde ein Unternehmen als potentieller Arbeitgeber identifiziert, so werden tiefergehende Informationen auf Unternehmenshomepage und Social-Media-Kanälen gesammelt. Möglichst auf einen Blick alle relevanten Infos über das Unternehmen und offene Stellen liefern, ist essenziell, ebenso wie eine attraktive mediale Außendarstellung. Eine  Kombination aus Bewegtbild, Fotos und Grafiken spricht die Gen Z an. Inhalte für die Community müssen crossmedial in einer einheitlichen Bildsprache dargestellt werden. Und ohne ein sorgfältiges Community Management und Interaktion mit den potenziellen Bewerbern geht es nicht.

Reichweite und Glaubwürdigkeit in der Zielgruppe können  Corporate Influencer:innen schaffen. Sie geben dem Unternehmen ein Gesicht, liefern einen Einblick in den Unternehmensalltag und schaffen durch authentische Erzähungen „Behind the Scene“ einen Anreiz zur Bewerbung.

Funktionalität, Bedienkomfort und Ästhetik spielen dann auch im Bewerbungsprozess eine große Rolle. Der gesamte Aufwand zum Erstellen und Einreichen aller Unterlagen sowie der Vorbereitung auf das Auswahlgespräch darf maximal zwischen 30 – 120 Minuten dauern. Das Anschreiben ist dabei optional, da hierfür häufig die meiste Zeit anfällt.

Was macht einen Arbeitgeber langfristig attraktiv? Auch das haben die Studierenden in Tiefeninterviews mit der Gen Z herauskristallisiert: familiäre Arbeitsatmosphäre, Diversity, gelebte Geschlechtergerechtigkeit, flexible Arbeitszeitmodelle, angemessenes Einstiegsgehalt, Nachhaltigkeit und Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse erhöhen die Chancen, als interessanter Arbeitgeber eingestuft zu werden. Die Generation Z möchte sich zugehörig fühlen, aber dennoch individuell behandelt werden.

Das Projektteam der Hochschule Macromedia und des HOC Köln

Die Ergebnisse wurden einem ausgewählten Mitarbeiterkreis im HoC Köln in der Von-Werth-Straße präsentiert. Unser Resümee: Wir sind mehr als begeistert! Die Gründlichkeit und Professionalität, die die Studierenden in ihren Ausarbeitungen an den Tag gelegt haben, hat uns sehr beeindruckt. Wir haben sowohl spannende als auch richtungsweisende Impulse erhalten und werden einige Ansätze direkt umsetzen. Wir freuen uns schon jetzt auf  weitere gemeinsame Projekte und haben im Gegenzug hoffentlich auch einige der Nachwuchstalente für uns begeistern können.

„Wir sind ein junges, dynamisches Team. Unsere Hierarchien sind flach, die Türen stehen jederzeit offen. Jede Woche gibt es frisches Obst und in der Kantine Smoothies. Zur Entspannung stehen in der Leisure Lounge Bällebad und Kickertisch bereit.“ Haben Sie das auch schon mal in einer Stellenzeige gelesen? Einmal oder eher hundertmal? Unsere neue Generation von Mitarbeitern würde sagen: „Nice“. Als wirkliches Argument, Menschen von einem Wechsel in die Agenturbranche zu überzeugen, taugen die oben aufgeführten Argumente meines Erachtens jedoch immer weniger.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Kickern in der Mittagspause, den Latte aus der Cafeteria oder den Apfel aus dem Obstkorb. Auch nichts gegen Meetings auf der Terrasse, Home oder Flex-Office-Lösungen und hierarchiefreie Brainstormings. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass dies nicht die ausschlaggebenden Motive für unseren Nachwuchs sein sollten, sich in einer Agentur zu bewerben. In meinen Augen hat ein Job in einer Digitalagentur ganz andere Vorzüge, speziell für Berufsein- und -umsteiger.

1. Schneller mehr lernen

Schon mal im Konzern in Abteilung 4.7 ein Praktikum absolviert und vier Wochen den immer gleichen Job verrichtet? In einer Agentur lernt man in deutlich kürzerer Zeit das Geschäft kennen. Ja, man wird dabei immer wieder mal ins kalte Wasser geschmissen. Aber genau das sind meist die Situationen, aus denen man als Mitarbeiter selbstbewusster und mit vielen neuen Erkenntnissen herausgeht. Von der eigenständigen Kundenbetreuung über Projektmanagement und Strategie bis hin zu Reporting und Auswertungen: In Digitalagenturen gibt es zahlreiche Bereiche, in denen man seine Interessen und Talente einbringen und weiterentwickeln kann. Natürlich gibt es bei uns Fanta4-like auch SSP, DSP und KPI, aber wir programmieren zusätzlich Skills für Alexa, hilfreiche Apps für Flüchtlinge und erfinden neue Werbemittel. Den Passierschein A38 braucht bei uns kein Mensch.

2. Schnell Verantwortung übernehmen

Mit stetigem Lernen, neuem Wissen und zusätzlichen Fähigkeiten kommt fast selbstverständlich innerhalb kurzer Zeit mehr Verantwortung dazu. Erst einmal ein paar Jahre Frondienste in der dritten Reihe leisten, bevor man selbst Verantwortung übernehmen kann, ergibt in unserer Branche keinen Sinn. Dort wo Spezialwissen gefragt ist, brauchen wir Experten, die sich sofort einbringen. Und Generalisten oder Strategen, die im Wald die Bäume nicht nur sehen, sondern daraus die schönsten Baumhäuser konstruieren. Egal ob es sich um Aufgaben für einen neuen Kunden oder interne Prozesse handelt: In einer Digitalagentur kann sich jeder einbringen, unabhängig von der Hierarchieebene. Lähmende Gremien und Arbeitskreise passen nicht zu einer Arbeitskultur, die von Scrum & Co. geprägt ist. Sprinten kann nur, wer genügend Auslauf hat. Verantwortung für das Endergebnis zu übernehmen gehört zur Mitarbeiter-DNA in einer Digitalagentur. Das kann manchmal anstrengend sein, in der Regel ist es eher befriedigend.

3. Schneller aufsteigen

Nach vier Jahren noch auf einer Junior-Position und die nächste Beförderung gibt es erst, wenn ein Kollege versetzt wird oder kündigt? Das ist in Digitalagenturen die absolute Ausnahme. Wer schnell lernt und Commitment zeigt, der bekommt garantiert die Möglichkeit aufzusteigen. Stehen Mitarbeiter im Konzern durchaus mal länger in der Karriereschlange, ist es in einer Digitalagentur durchaus möglich, jedes Jahr einen Karriereschritt zu machen und nach drei bis vier Jahren eine Position als Teamleiter zu bekleiden. Diese Möglichkeiten motivieren nicht nur den Einzelnen, sondern sind auch für die Agentur wichtig, um sich als Unternehmen möglichst agil weiterzuentwickeln. Deshalb liegt es in der DNA von Digitalagenturen, ihren Mitarbeitern größtmöglichen Bewegungs-Spielraum zu geben.

4. First Mover, Influencer, Checker

Künstliche Intelligenz, Influencer, Chatbots, Data-Management-Plattformen und Customer Centricity. Für uns ganz normal, für normale Menschen erst mal nur Fachchinesisch. Wir sind die Ersten, die Lösungen entwickeln, die später im Alltag der Menschen eine große Rolle spielen. Wer in Digitalagenturen arbeitet, ist nicht nur am Puls der Zeit. Er oder sie gehört zu den First Movern in unserer Gesellschaft. Wir bekommen Einblicke in Unternehmen und spannende Märkte in einer sehr frühen Phase der Entwicklung. Und bei neuen Themen gilt oft: Experte ist derjenige, der sich als erster intensiv damit beschäftigt – weil noch niemand sonst Erfahrung damit hat. Dabei entwickeln wir nicht nur neue Lösungen mit den aktuellsten Tools und Technologien, wir müssen auch ein feines Gespür für die Motive und das Verhalten von Menschen entwickeln. Das macht uns auch im Privaten manchmal zu Influencern, wenn es darum geht, Neues zu erklären. Unser Job ist spannend, jeden Tag aufs Neue. Und wir lernen mit jedem Update.

5. Integriertes, übergreifendes Arbeiten

Grafiker, Kreative, Mediaplaner, Coder, Strategen – eine Digitalagentur arbeitet am effizientesten integriert. Gemeinsam mit zahlreichen Kommunikationsgewerken als Generalunternehmer des Kunden. Wir sind die Architekten, Bauleiter, Maurer, Elektriker oder Fliesenleger der Digitalen Transformation. Nur heißen unsere Baustellen „Kampagnen“, „Anwendungen“, „Skills“ oder „Solutions“. Das gemeinsame Ziel ist kein fertiges Gebäude, sondern der wirtschaftliche Erfolg unserer Kunden. Und weil bei jeder Aufgabe andere Aspekte im Vordergrund stehen und unterschiedliche Strategien und Kommunikationsmaßnahmen von Nöten sind, steht das Team stetig vor neuen Herausforderungen. Integriert und vom Ergebnis her zu denken, gehört für Digitalagenturen zum Alltag. Dazu zählt auch, dass wir uns gegenseitig verstehen. Natürlich menschlich, aber vor allem auch fachlich. Deshalb muss der Usability-Experte wissen, was die SEO-Fachfrau macht und der Kreative wissen, wie die Media tickt. Das ist en Detail nicht immer einfach, aber in der Summe sehr bereichernd.

6. Abwechslung als Regel

Jeden Tag Schema F? Das kommt in einer Digitalagentur kaum vor. Unterschiedliche Kunden aus verschiedensten Branchen, neue Tools und Technologien. Die schnelle Entwicklung des Digitalen in der Welt fordert uns jeden Tag. Das Wenigste davon können wir an Universitäten lernen und hinter jedem Update wartet eine neue Herausforderung. Für First und Fast Mover sind Digitalagenturen das ideale Berufsumfeld. Das mit den Fähnchen kann man später ja immer noch machen. Und das Gehalt und die Arbeitszeiten? Eine angemessene, absolut konkurrenzfähige Vergütung und flexible Arbeitszeitregelungen sind in einer modernen Digitalagentur fast schon selbstverständlich. Wir wissen um den harten Konkurrenzkampf und haben den Fight for Talents längst verinnerlicht. Deshalb sind ein gutes Gehalt, selbständiges Arbeiten und ein moderner Arbeitsplatz Pflicht. Zur Kür zählt nicht das Bällebad. Es ist die DNA der Digitalagenturen (siehe Punkt 1 bis 6), die uns als Arbeitgeber für den Nachwuchs attraktiv macht.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Horizont.