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Arbeit ist mühsam und strapaziös. Aber sie muss halt gemacht werden, schon zur Existenzsicherung. Wie gut, dass es neben der Arbeit noch das Leben gibt: schlafen, essen, Freunde, Sport, Sex, Kultur, Kinder und was so alles Freude macht und Kraft spendet, damit man dann wieder arbeiten kann. Diese Work-Life-Balance-Konstruktion ist jedem vertraut. Sie funktioniert aber dort nicht mehr, wo bloßes „Abarbeiten“ nicht mehr reicht, zum Beispiel in Arbeitsumfeldern der Medien- und Kommunikationsbranche, in denen Kreativität und Innovationsgeist wesentliche Antriebsfaktoren sind. Und dort, wo nicht mehr als bloßes „Abarbeiten“ erwartet wird, werden sich Roboter und künstlich intelligente Systeme breit machen, die ganz ohne Life auskommen.

Es hilft nichts: Der Begriff Work-Life-Balance betont einen Gegensatz. Dabei stehen sich Arbeit und Leben trennscharf gegenüber, wobei beide Seiten darauf achten, dass ihre Grenze von der jeweils anderen Seite nicht überschritten wird. Die Vereinbarkeit definiert sich dann über die Ausgeglichenheit. Mit dem Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft wandelt  sich nun auch einerseits die Bedeutung von Arbeit für das Leben und andererseits die Bedeutung vom Leben – mit allem, was das Menschsein ausmacht – für die Arbeit. Wir wollen und sollen kreativ sein, Sinn und Nutzen stiften, Bedeutung erleben und eigenverantwortlich denken, entscheiden und handeln. Wir schaffen mehr, wenn wir zufrieden sind und wir sind zufriedener, wenn wir uns als wirksam erleben. Wir sollen flexibel sein, dürfen es aber auch.

Wer die Work-Life-Balance-Konstruktion verinnerlicht und über Jahre, vielleicht Jahrzehnte bedient und gepflegt hat, der reagiert empfindlich, wenn die Arbeit versucht, in sein Leben vorzudringen – zum Beispiel in Gestalt von antworthungrigen E-Mails aus dem Management. Halt! Bis hierher und nicht weiter! Schließlich mache ich in der Arbeit ja auch nicht meine Kundalini-Meditation! Moment mal: Warum denn eigentlich nicht? Wir sind schon lange keine Sklaven von Tyrannen mehr. Wir sollten nun nicht Sklaven selbst auferlegter Tabus werden. Das starre Konzept der Work-Life-Balance behindert freie und selbstbestimmte Entfaltung mehr, als dass es vor Unausgeglichenheit zwischen Leben und Arbeit schützt. Das dynamische Konzept des Work-Life-Blending eröffnet Gestaltungsspielräume für gestaltungswillige Menschen, die verantwortlich mit ihren Ressourcen umgehen.

Und genau das ist der Punkt: Wer in Zeiten des Wandels den Erfolg sucht, der muss gestalten wollen und können – und eben nicht nur die Arbeit, sondern auch das Leben. Mehr Durchlässigkeit zuzulassen statt die Grenzen zwischen Büro und Zuhause mit allen Mitteln zu verteidigen, ohne das eine mit dem anderen zu verwechseln, kann ein Gestaltungsmittel sein. Souveränität und Selbstbestimmtheit im eigenen Interesse sind dabei die obersten Maximen: Mein Chef darf mir zu jeder Tages- und Nachtzeit eine E-Mail schreiben, aber ich alleine entscheide, ob ich sie sonntagmorgens lese und vielleicht beantworte – oder eben nicht. Und ich weiß auch, warum ich das tue: Ich will den Projektfortschritt. Ich will geliebt werden. Ich bin neugierig. Und ich entscheide auch, dass ich einen möglichen Vorwurf mangelnden Engagements schlichtweg nicht gegen mich gelten lassen möchte, wenn ich die Mail ungeöffnet lasse und es an einer vorher getroffenen Vereinbarung fehlt, die mich dazu verpflichtet hätte.

Ein Leben ohne Arbeit ist vorstellbar; Arbeit ohne Leben nicht, jedenfalls nicht für Lebewesen. Wir wollen wirksam sein, Nutzen stiften, Einfluss ausüben und erleben, dass das, wofür wir einstehen, sinnvoll ist. Work-Life-Blending ist also nicht nur eine Frage des täglichen Tuns, sondern auch eine des Glaubens, Denkens, Fühlens und Wollens.

Die Revolution hat längst begonnen. Unsere Industrie wandelt sich zur Wissensgesellschaft, und kaum eine Tatsache wird weltweit so intensiv diskutiert. Dieser Wandel betrifft alle gesellschaftlichen Ebenen – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kultur; unmittelbar spürbar, und das bereits in wenigen Jahren, wird er vor allem in der Arbeitswelt werden.

Und da gibt es hierzulande ein statistisches Problem: Denn Deutschland steuert aufgrund der demografischen Entwicklung auf einen massiven Fachkräftemangel zu. Die Unternehmenskultur muss sich deshalb wandeln. Statt der Work-Life-Balance erwarten Arbeitskräfte von morgen aber eine Life-Life-Balance. Wie diese funktionieren kann, erklärt Ronald Focken in seinem Gastbeitrag auf absatzwirtschaft.de.

Wer heute ins Berufsleben einsteigt, in den Kommunikationsberufen ist das noch ausgeprägter als irgendwo sonst, will nicht mehr trennen zwischen Work und Life. Work ist Life und Life ist sowieso Life. Nur Arbeitgeber, die es schaffen, Arbeitsprozesse als integralen Teil der persönlichen Lebensführung erlebbar zu machen, haben eine Chance, die Talente der Zukunft für sich zu begeistern – früher hätte man gesagt, den „War for Talents“ zu gewinnen. Aber dieser Krieg ist längst zu Ende gegangen: mit einem Sieg der Talente auf der ganzen Linie. Talente werden heute nicht mehr ausgesucht, sie suchen sich aus, welches Unternehmen sie für die nächsten Jahre in ihr Leben hinein lassen. Wer das bis jetzt noch nicht verstanden hat, um den könnte es in seiner Zukunft als Arbeitgeber ganz schön einsam werden.

Work-Life-Balance, das war Generation Y. Jetzt kommt Generation Z.

Haben wir die letzten Jahre unter anderem damit verbracht, die beruflichen Anforderungen und die privaten Erfordernisse unserer KollegInnen (Kinder, Partner, Hunde, Reisen, Fort- und Weiterbildung, Aus- und Elternzeiten) in ein labiles Gleichgewicht zu schaukeln, können wir uns diesen Aufwand in Zukunft eher sparen. Die Generation Y forderte den Ausgleich zwischen Job und Privatleben – zeitlich und monetär, alles sollte kalkulierbar, berechenbar und ausgewogen sein. Das wurde eingefordert, sehr   bestimmt und manchmal larmoyant. In der Zukunft werden wir als Arbeitgeber eher gesamtheitlich ausgesucht, als Lebenspartner auf Zeit und damit auch durchaus in das Privatleben unserer KollegInnen integriert. Das klingt kuschelig, ist es aber nur, wenn man als Company seine Hausaufgaben gemacht hat. Wer heute 18 ist, also Vertreter der sogenannten Generation Z, und sich auf Schülermessen in die Berufswelt einfühlt, sucht Unternehmen die „passen“, die sich „gut anfühlen“, mit denen man ein Stück Leben gemeinsam gehen will; Unternehmen, die auf derselben Wellenlänge kommunizieren, die zum eigenen Lebensentwurf möglichst kompatibel sind. Dazu gehören natürlich eine leistungsgerechte Bezahlung, Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten, dazu gehören eine sinnstiftende Tätigkeit, nachhaltiges Agieren im gesellschaftlichen Umfeld …
Aber das wird samt und sonders vorausgesetzt, darum will man nicht kämpfen müssen, dafür will man keine Kompromisse eingehen. Aber wenn es dann passt, werden auch keine strikten Grenzen mehr gezogen zwischen geschäftlich und privat, zwischen Werktag und Wochenende, zwischen müssen, dürfen und wollen und die Motivation für das Eine kommt aus dem Anderen, was immer es sei.

Von Y nach Z – vom Formalen zum Inhaltlichen

Life-Life-Balance bedeutet aber keinesfalls, dass Human Resources-Management und Recruiting sich zukünftig in einer passiven Wartehaltung einrichten sollen. Im Gegenteil. Ging es bei der Generation Y (die es in ihrer oft zitierten holzschnittartigen Ausprägung natürlich gar nicht gibt) darum, Rahmenbedingungen für einen neuen beruflichen Alltag zu schaffen, geht es jetzt darum, diesen Rahmen für die nachfolgende Generation mit Inhalten zu füllen, die den Maßstäben einer privatheitlichen Sinnstiftung genügen. Soll heißen: Wenn ich schon meinen Job ins Privatleben hinein lasse, dann muss er sich auch so anfühlen, als würde er dort hingehören. Wer heute ins Berufsleben einsteigt, will nicht nur machen was er machen muss, sondern auch was er machen will. Gut gemachte Arbeit ist da nicht Motivation genug. Hier agiert die Generation Z wie jede andere „Folgegeneration“ auch: Sie richtet sich in dem ein, was die vorangehenden Jahrgänge erstritten haben und füllt diese Strukturen mit ihr zeitgemäß erscheinenden Inhalten.

Ownership – damit sich Arbeit nicht mehr wie Arbeit anfühlt

Gerade die so nie dagewesene Vermengung von privat und beruflich erfordert das bewusste Verfolgen eines Ownership-Gedankens. Jede Kollegin und jeder Kollege auf jeder beliebigen Hierarchiestufe muss die Möglichkeit haben, etwas zu ihrem/seinem „eigenen Projekt“ zu machen (manchmal ist es im Leben wie bei Hornbach) – einem Projekt, mit dem man sich über die Tagesarbeit hinaus identifiziert, das man gerne in seiner freien Zeit weiter verfolgt und mit dem man sich wirklich profilieren kann. Der Ownership-Gedanke führt weit über die durchaus kritisch zu bewertende „Selbstverwirklichung“ im Arbeitsleben hinaus und ist von zentraler Bedeutung, wenn die Life-Life-Balance in der Zukunft funktionieren soll. Ownership heißt, dass man für etwas brennt, dass man etwas zu seinem Ding macht – aber zum gemeinsamen Nutzen. So wird es möglich zu arbeiten, in dem man in verstärktem Maß Dinge tut, die eine Bedeutung für einen selbst haben, für die man aber trotzdem Anerkennung erhält, weil man sie eben nicht nur für sich selbst tut. Nur so kann es gelingen, dass sich Arbeit oft gar nicht mehr wie Arbeit anfühlt und damit eine Life-Life-Balance zur Realität wird, die eine neue Generation von KollegInnen von uns einfordert.

Der Artikel wurde auf horizont.net veröffentlicht.

Jemand aus meinem Freundeskreis stellte vor kurzem die These auf, dass es den E-Mail-Abwesenheitsassistenten bald nicht mehr geben wird, weil man durch Smartphones sowieso ständig erreichbar und nicht mehr abwesend ist.  Die „Smartphone-Fessel“ gewährleistet eine permanente Erreichbarkeit und das Abschalten vom Berufsleben fällt immer schwerer. Aus Leidenschaft für den Beruf wird da schnell Besessenheit. In einem Artikel aus dem Handelsblatt  zu diesem Thema heißt es, jeder zweite Arbeitnehmer ruft im Urlaub berufliche E-Mails ab. Im Freundeskreis verkündet man mittlerweile nicht ohne Stolz, wenn man im Urlaub die E-Mail-Funktion tatsächlich ausgeschaltet hat.
Es ist leider nicht immer einfach,  eine gesunde Work-Life-Balance auch in den Alltag zu übertragen. Gerade in unserer Branche spielen Termindruck und höchste Qualitätsansprüche eine bedeutende Rolle und die Balance zwischen Beruf und Freizeit gelingt dem einen besser als dem anderen.

Aber wie kann man die „Immer-Online-Erreichbarkeit“ für sich tatsächlich positiv nutzen und sogar ein ausgeglichenes Lebensgefühl damit erreichen?

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Jüngst hat die Fachzeitschrift HORIZONT eine Studie zur Attraktivität von Agenturen als Arbeitgeber veröffentlicht: Bundesweit wurden über 800 Agenturmitarbeiter zu unterschiedlichen Kriterien wie etwa Karrieremöglichkeiten, Gehaltsniveau, Work-Life-Balance, Standortattraktivität oder Arbeitsplatzsicherung befragt. Auf Platz 1 stehen wir, die Serviceplan Gruppe, gefolgt von Jung von Matt und Kolle Rebbe.

Dieses Ergebnis macht mich wirklich stolz. Denn am Ende das Tages ist das einzig entscheidende Kapital einer Agentur ihre Mitarbeiter. Tische, Stühle und Computer lassen sich kaufen – die Qualität und die Leidenschaft der Menschen, die eine Agentur tragen, nicht. Weiterlesen