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Bei vielen Unternehmen wächst der Druck aus Öffentlichkeit, Medien, Arbeitnehmerschaft und Bewerbermarkt, ihre Bemühungen um ein nachhaltiges Wirtschaften zu belegen. So sprießen seit geraumer Zeit Abteilungen aus dem Boden, die sich dem Nachweisen guter Klimabilanzen und von sozialem Engagement verpflichten. Ein fataler Irrweg – zumindest, wenn die Bemühungen isoliert in diesen Abteilungen bleiben. Bis heute verkennen Unternehmen die fundamentalen Veränderungen, die sich mit „Sustainable Finance“ aus der europäischen Regulatorik im Rahmen des Green Deals schon jetzt ergeben. Demnach werden Bewertungen am Kapital- und Finanzmarkt immer stärker durch Kriterien der Nachhaltigkeit bestimmt. Das bedeutet: Für alle, die jetzt nicht erkennen, dass nicht Nachhaltigkeitsstrategien, sondern nur umfassende nachhaltige Unternehmensstrategien ans gewünschte Ziel führen, wird es teuer und eng.

Transformation unseres Denkens und Handelns

Der Reihe nach. Bis gestern war der Klimawandel für die meisten von uns noch ein rein mediales Ereignis. Abschmelzende Polkappen, brennende australische Wälder, extreme Dürre in Afrika – alles tragisch, alles weit weg. Die Corona-Pandemie bringt nun die Auswirkungen unseres achtlosen Umgangs mit der Umwelt erstmalig direkt vor unsere eigene Haustür. Denn Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, zunehmende Mobilität, Massentierhaltung und veränderte klimatische Bedingungen begünstigen seit Jahrzehnten die Übertragung von Infektionskrankheiten vom Tier auf den Menschen: HIV, Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS – und nun auch COVID-19. Der negative Einfluss von Corona auf Wohlstand und Gesellschaft ist gewaltig. Deutlich massivere Auswirkungen des Klimawandels sind jedoch unausweichlich, insofern die Weltgemeinschaft nicht einen radikalen Kurswechsel vollzieht.

Das Ziel: Die Erderwärmung darf die auf der Klimakonferenz 2015 in Paris beschlossenen 2 Grad Celsius nicht übersteigen. Bereits diese gering erscheinende Differenz kann im Ökosystem zu Kettenreaktionen mit weitreichenden Folgen führen: mehr Tote durch Seuchen und Krankheiten, weltweite Ernteausfälle durch Naturkatastrophen und politische Instabilität in den betroffenen Regionen.

Die gesellschaftliche Bereitschaft zur Anpassung des Konsum- und Mobilitätsverhaltens wächst mit zunehmendem Druck durch die Veränderungen, die alle persönlich wahrnehmen. Die aktuelle Pandemie ist ein weiterer Beschleuniger der Transformation unseres Denkens und Handelns.

Die europäische Kommission hat der Wirtschaft mit dem Green Deal bereits klare Nachhaltigkeitsziele gesetzt und will Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. Um existenzielle, sozioökonomische Bedrohungen abzuwenden, wurde ein stufenweiser Fahrplan verordnet, der das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung entkoppelt.

Die daraus resultierende Regulatorik bedeutet für Unternehmen, dass sie Produktionen umrüsten, technologische Veränderungen vorantreiben und ganze Wertschöpfungsmodelle neu denken müssen.

Dekarbonisierung und Digitalisierung

Damit die Transformation unserer Märkte gelingt, müssen Dekarbonisierung und Digitalisierung Hand in Hand gehen.

Viele DAX-Unternehmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran und nehmen Investitionen in Milliardenhöhe in die Hand, um klimaneutral zu werden. Der Ideen-Wettstreit zur Dekarbonisierung ist erfreulicherweise bereits in vollem Gange. Und Unternehmen, die die Rettung unserer Umwelt nicht zur Chefsache machen, werden zunehmend durch Öffentlichkeit, Politik und Rating-Agenturen abgestraft.

Spätestens seitdem Larry Fink als weltweit einflussreichster Vermögensverwalter auch prominentester Anhänger der Divestment-Bewegung geworden ist, steht fest: Für unethische Aktien und direkte oder indirekte Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasindustrie wird zukünftig kein Platz im Portfolio der Fondsmanager sein. Neben Umweltfaktoren fließen mittlerweile aber auch soziale Themen und eine „gute Unternehmensführung“ in die Bewertung von Rating-Agenturen und Börsen-Indizes ein.

Und so sind beim ESG-Rating (Environment, Social und Governance) nicht die finanziellen Kennzahlen, sondern immaterielle Werte bestimmend. Zahlen bilden nicht mehr alleine die Indikatoren für eine Prognose in die unternehmerische Zukunft. Die Controlling-Systeme aus den Anfängen der Industrialisierung haben sich endgültig überholt. Gesellschaftlicher und ökologischer Nutzen, Innovationskraft, Vertrauen und Reputation sind die neue Währung.

Transformation zur nachhaltigen Unternehmensstrategie

Unternehmen brauchen heute Managementsysteme, die alle Corporate-Bereiche erfassen und steuern: Strategy, Brand, Culture, Governance, Sourcing, Produktmanagement, Sales, Marketing und Finance. Nur so werden aus Nachhaltigkeitsstrategien in den Nischen der Unternehmen nachhaltige Strategien für die gesamte Organisation.

Damit die Relevanz des „Draußen“ im „Drinnen“ ankommt, kann die Transformation von innen nach außen im wahrsten Wortsinn nur nachhaltig gelingen: unternehmerische Strategien, die sich am gesellschaftlichen Nutzen orientieren, partizipatorisches Veränderungsmanagement, Markenplattformen und Wertekulturen, die ökologische und soziale Aspekte integrieren, Innovationen und Technologien, die unsere Ressourcen und Umwelt schonen.

Die Transformation zur nachhaltigen Unternehmensstrategie gestaltet sich schrittweise. Das Management muss den Reifegrad der Nachhaltigkeit aus vielen Perspektiven bestimmen und umfassend folgende Fragen beantworten:Ist unser Geschäftsmodell überlebensfähig?

Sind wir veränderungsfähig? Was müssen wir tun?

Wenn wir die internationalen Klimaziele ernst nehmen und im Sinne einer guten Sozioökonomie Wohlstand und die globale Ordnung des 21. Jahrhunderts sichern wollen, müssen wir jetzt anfangen.

Erst auf Basis einer fundierten Analyse kann die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, Wertschöpfung, Wertekultur, Marke, Organisationsentwicklung, Digitalisierung und überzeugender Stakeholder-Kommunikation gelingen. Wie können wir die epochale Aufgabe, die vor uns liegt, erfüllen? Ein Ansatz: ganzheitlich denken und die Herausforderungen unserer Zukunft in interdisziplinären Teams lösen.

Um es gleich vorweg zu nehmen – die eine, universell richtige Strategie auf Amazon zu verkaufen gibt es nicht. Die Wahl des richtigen Verkaufsmodells ist jedoch ein erfolgskritischer Faktor in jeder ganzheitlich geplanten Distributionsstrategie. Eine intensive Auseinandersetzung mit allen zur Verfügung stehenden Optionen, ist daher unbedingt zu empfehlen.

Rückblick: 1995 als Online-Buchhändler gestartet, erkannte Amazon-Gründer Jeff Bezos sehr schnell, dass er sein Ziel, Amazon zum „größten Online-Kaufhaus der Welt“ zu machen, allein über das Retail-Geschäft mit Vendoren nur schwer werde erreichen können. So öffnete sich das Unternehmen aus Seattle bereits Ende der 90er Jahre für Dritthändler – auch Seller genannt – die seitdem gegen Abgabe einer Verkaufsgebühr in eigenem Namen auf der Plattform verkaufen können.

Seitdem entwickelt sich das Marktplatzgeschäft von Amazon äußerst dynamisch und hat den eigenen Retail-Handel bereits im Jahr 2015 an Umsatz übertroffen. Laut einem Anfang des Jahres veröffentlichtem Brief von Jeff Bezos an seine Aktionäre, hat der Marktplatz 2018 rund 58% der gesamten Warenverkäufe auf der Plattform erzielt. Dieser Umstand war Bezos den trockenen aber treffenden Kommentar wert: „Die Drittanbieter-Händler treten uns in den Hintern. Kräftig.“

Amazon fokussiert sich zunehmend auf das Marktplatzgeschäft

Ungewollt ist diese Entwicklung aber nicht – sie ist eher strategisches Kalkül. Nutzte Amazon in der Vergangenheit seine direkten Lieferantenbeziehungen um schnelles Wachstum und Marktmacht zu gewinnen, findet seit einiger Zeit eine spürbare Fokussierung auf das für Amazon profitablere und risikoärmere Marktplatzgeschäft statt. So hat zum einen eine Angleichung der Tools stattgefunden, mit denen Seller und Vendoren ihre Produkte darstellen und bewerben können (z.B. Sponsored Ads, A+ Content und Brand Stores).

Zum anderen wurden Support und persönliche Betreuung von Vendoren beispielsweise durch Vendor- und InStock-Manager deutlich zurückgeschraubt. Nicht zuletzt sorgte Anfang des Jahres eine Meldung für Aufsehen, nach der Amazon unangekündigt und ohne weitere Begründung Bestellungen bei mehreren Tausend, überwiegend kleineren Vendoren, gestoppt habe, um diese in das Seller-Programm zu drängen. Dies wäre eine sehr aggressive Methode zur Verlagerung des Retail- zugunsten des Marktplatzgeschäftes.

Die Modelle unterscheiden sich weiterhin fundamental

Trotz Angleichungen in einigen Bereichen, unterscheiden sich beide Modelle aber nach wie vor fundamental voneinander. Fällt die Entscheidung für das Vendor-Modell, bedarf es zunächst einer entsprechenden Einladung von Amazon. Ist diese Hürde genommen, sind ausschlaggebende Faktoren einerseits vertriebspolitische Gründe, zum Beispiel, wenn eine Konkurrenzsituation mit anderen Händlern, die im Zweifel ebenfalls Kunden sind, vermieden werden soll.

Daneben sind auch das zumindest theoretisch höhere Absatzpotential, das hohe Vertrauen der Kunden in die Marke Amazon sowie der Zugriff auf die noch verbleibenden exklusiven Marketingprogramme (z.B. Amazon VINE zur Generierung von Produktrezensionen) Argumente für den Vendor-Status. Im Gegenzug verlieren Vendoren preispolitische Einflussmöglichkeiten, müssen sich jährlich in zum Teil harte und langwierige Konditionenverhandlungen mit Amazon begeben und weitestgehend auf Endkundenkontakt verzichten.

Seller hingegen schätzen die größere Flexibilität hinsichtlich der Preisgestaltung und Lagerbestandsplanung sowie die deutlich umfangreicheren, kostenlos zur Verfügung gestellten Daten und Insights in Bezug auf Bestellungen, Keywords und Warenkorbstatistiken. Als nachteilig werden hingegen vor allem der höhere Aufwand bei Fulfillment oder Kundensupport wahrgenommen.

Ein hybrider Ansatz könnte ebenfalls eine gute Lösung sein

Wer über genügend Ressourcen, Know-how und die entsprechende technologische Infrastruktur verfügt um beide Modelle umzusetzen, für den könnte ein hybrider Ansatz eine weitere Option darstellen. Dieser vereint die Vorteile von Vendor- bzw. Seller-Dasein und erfreut sich daher zunehmender Beliebtheit. Die höhere Flexibilität bei der Festlegung der Verkaufspreise, die Sicherstellung der Verfügbarkeit auch unrentabler „CRaP-Produkte“ (Can´t Realize any Profit) sowie der Zugang zu spezifischen Analysedaten in Seller Central, können für (Teil-) Segmente eines Herstellers oder Händlers ausschlaggebende Argumente für die Wahl eines Hybrid-Modells sein. Richtig gemanaged, kann dieses Modell die erhöhten Aufwände und eventuell auftretende Kannibalisierungseffekte beider Kanäle mehr als aufwiegen.

Dieser Beitrag ist Teil einer vierteiligen Serie bei etailment.de. Hier geht’s zu den Teilen Eins, Drei und Vier.