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Im Sommer 2018 startet deutschlandweit die neue Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau im E-Commerce. Als eine der ersten Agenturen bildet hmmh die neuen E-Commerce-Allrounder aus, deren Fähigkeiten maßgeschneidert auf die zukünftigen Anforderungen von Kunden sowie die Aufgaben in Digitalagenturen sind.


Warum wurde dieser neue Ausbildungsberuf ins Leben gerufen?

IT-Kaufleute, Mediengestalter und Fachinformatiker, die in Agenturen mit Fokus auf den digitalen Handel arbeiten, mussten sich bislang autodidaktisch in das Thema E-Commerce einarbeiten und es sich mühsam selbst beibringen. Mit dieser neuen Berufsausbildung wird künftig ein ganzheitliches Profil geschaffen, das es bislang sowohl auf Unternehmensseite als auch in Agenturen nicht gab.

In Zukunft sollen Absolventen der neuen Berufsausbildung Vertriebskanäle beurteilen, auswählen und einsetzen, Waren- und Dienstleistungsangebote mitgestalten sowie projektorientierte, agile Arbeitsweisen im E-Commerce anwenden und die Kundenkommunikation steuern. Zusätzlich lernen die Auszubildenden kennzahlenbasierte Instrumente der kaufmännischen Steuerung sowie Maßnahmen des Online-Marketings kennen und bekommen vermittelt, wie man Online-Waren- und Dienstleistungsverträge abwickelt.

Hauptsächlich sind Einzelhandels- und Großhandelsunternehmen, die ihre E-Commerce-Aktivitäten stärken möchten, daran interessiert, speziell dafür ausgebildete Mitarbeiter an Bord zu haben. Doch auch Agenturen werden von dem neuen Ausbildungsberuf und der Kompetenz der E-Commerce Kaufleute profitieren.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch für Händler und Agenturen?

Die zukünftigen E-Commerce-Kaufleute werden primär dazu ausgebildet, Einzel- und Großhändler bei der Digitalisierung zu unterstützen und diese voranzutreiben. In klassischen kaufmännischen Ausbildungsberufen kam diese Anforderung bislang fast nicht vor. Undenkbar in einer Zeit, in dem der Online-Handel dominiert und mit dem stationären Handel verschmilzt. Mit dem Anfang der Ausbildung ist somit ein notwendiger Schritt getan, die Grenzen der klassischen Felder des Groß-, Außen- oder Einzelhandels zu durchbrechen und eine Basis für den digitalen Erfolg zu schaffen.

Gleiches gilt für Agenturen und andere Dienstleister in der Digitalbranche. Wo andere klassische oder spezifische Ausbildungen nur geringe Überschneidungen mit dem Thema E-Commerce haben, schließen die neuen Allround-Kräfte diese Lücke. Trotz Schwerpunkt auf das digitale Geschäft lässt das breite Spektrum des Rahmenplans einen vollumfänglichen Blick in alle Bereiche zu.

Wir bei hmmh werden Fachkräfte ausbilden, die passgenau und qualifiziert die Bedürfnisse der Branche abbilden und agil auf neue Anforderungen der Kunden reagieren. Darüber hinaus werden wir alles daransetzen, die Experten von morgen nicht nur auszubilden, sondern durch die Ausbildung auch langfristig für uns zu begeistern.

Welche Voraussetzungen müssen Interessenten erfüllen und wie sieht die Ausbildung konkret aus?

Für die dreijährige Ausbildung ist mindestens die mittlere Reife erforderlich. Alle weiteren Informationen zum Start, den genauen Inhalten sowie weitere Fortbildungsmöglichkeiten erhältst du hier. Wenn du dich direkt bei hmmh bewerben möchtest, kannst du das hier.

Ein Online-Shop-Projekt ohne vernünftiges PIM-System birgt ein hohes Risiko, denn exzellente Produktdaten und einwandfrei funktionierende Schnittstellen sind der Schlüssel zum Erfolg.

In E-Commerce-Projekten begegnen wir immer wieder der Situation, dass im Hause unserer Kunden kein PIM-System (Product Information Management System) existiert. Produktdaten liegen in diesen Fällen häufig nur fragmentiert in unterschiedlichen Systemen und in diversen Formaten vor. Wenn es dann zu Beginn des Projekts an die Planung von Projektaufwand und Projektdauer geht, ist das Erstaunen meist groß. Viele Kunden wundern sich über den hohen Anteil, den die Systemschnittstellen und die Datenintegration ausmachen. Doch genau dieser Invest ist enorm wichtig, denn exzellente sowie gut gepflegte Produktdaten und einwandfrei funktionierende Schnittstellen, sind der Schlüssel zum Erfolg eines jeden Online-Shops.

Schluss mit unnötigen Risiken beim Produktdatenmanagement

Bei einem Unternehmen ohne PIM-System betreten wir als Dienstleister ein unbekanntes Terrain. Genau dieser Teil des E-Commerce-Projekts birgt das größte Risiko. Selbst der Kunde erahnt meist nicht, was sich in den Abgründen seiner Systeme verbirgt. Sei es ein mit Sonderfeldern gespicktes ERP-System oder unterschiedlichste Excel-Tabellen des Marketingbereichs, in denen zahlreiche Produkttexte für das Web gepflegt werden. Erst, wenn sich Kunde und Dienstleister gemeinsam auf die Suche machen, entdecken sie alle vorhandenen Untiefen der Datenpflege sowie des Datenhandlings. An diesem Punkt sollte jedem Kunden klar sein, dass es sich lohnt eine nicht kleine Summe in die Integration von Produktdaten zu stecken und somit die Wurzel des Problems zu packen, um dadurch am Ende ein schnelleres, schlankeres und günstigeres E-Commerce-Projekt umsetzen zu können.

Das PIM-System als idealer Aggregator für alle Produktdaten

Worin liegt der Unterschied zwischen PIM-less und PIM-basierten E-Commerce-Projekten? Der größte Unterschied liegt in der Anzahl der Schnittstellen zum Online-Shop. Ohne ein vernünftiges PIM-System werden dem Shop aus verschiedenen Quellen Daten zugespielt, häufig nicht sortiert, gesäubert oder gefiltert. Allein das Zusammenführen umfangreicher Daten aus verschiedensten Systemen im Online-Shop ist sehr aufwendig und fehleranfällig. Ein PIM-System verhindert diese Problematik, denn der Online-Shop bekommt einen starken Partner an seine Seite, durch den ihm alle Produktdaten über nur eine Schnittstelle zugespielt werden. Das bedeutet, wo vorher im Projekt eine breit angelegte Jagd auf die aktuellen Produktdaten stattfand und Verantwortliche identifiziert wurden, die anschließend umständlich alle relevanten Produktdaten zusammensammeln mussten, wird dieser Prozess auf ein Minimum verkürzt. Das PIM-System ist der „Single Point of Truth“ und das aufwendige sowie zeitraubende Jagen und Sammeln von Produktdaten entfällt (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Datenfluss der Produktdaten bei PIM-less und bei PIM-based E-Commerce

Ein weiterer wichtiger Aspekt von PIM-based E-Commerce ist, dass der Online-Shop von den Produktpflegeprozessen entkoppelt wird. Die Plattform für die Produktpflege, die Übersetzungen, das Texten, die Fotografie und vieles mehr befindet sich dann im PIM-System. Da Online-Shops für diese Prozesse meist nicht optimal ausgestattet sind, werden sie damit stark entlastet. Ein individuell zugeschnittenes PIM-System liefert standardisierte Schnittstellen, Funktionen zum Daten-Mapping, Daten-Matching und Daten-Merging, sowie Workflow-Funktionen zur Bereinigung von Daten und Plugins für Shopsysteme zum Zugriff auf alle vorhandenen Produktdaten. In einem PIM-System, wie es Contentserv anbietet, ist es nach einer erfolgreichen Datenintegration unter anderem möglich, mit einem standardisierten Plugin die Produktdaten an ein E-Commerce-System, wie beispielsweise von Shopware, bereitzustellen. Ein schnelleres und schlankeres Produktdatenmanagement spricht eindeutig für PIM-based E-Commerce (Abb. 2).

Abb. 2: Charakterisierung von PIM-less und PIM-based E-Commerce

Mit der Einführung des PIM-Systems die gesamten Projektkosten reduzieren

Jeder Kunde, der noch nicht über ein PIM-System verfügt, aber im E-Commerce durchstarten möchte, sollte zunächst die Herausforderung des eigenen Datenmanagements angehen. Egal ob für den eigenen Online-Shop oder den Verkauf über online Marktplätze. Neben einem deutlich geringeren Aufwand, ermöglicht ein individuell zugeschnittenes PIM-System eine schnelle time-to-market und spart Kosten durch flexible Publikationsmöglichkeiten auf allen online und offline Touchpoints. Finde ich als Kunde einen Dienstleister, der mir nicht nur eine neue oder optimierte E-Commerce-Plattform umsetzt, sondern vorab auch die Einführung meines PIM-Systems übernimmt, wird dieses zu mindestens 50 Prozent aus den Einsparungen des E-Commerce-Projekts bezahlt und somit zur Hälfte refinanziert (siehe Abb.3).

Abb. 3: Schematische Darstellung des anteiligen Einsparungspotenzials durch ein PIM-System im E-Commerce-Projekt

Ein passendes PIM-System sorgt für Zufriedenheit bei allen Stakeholdern

Eine individuell zugeschnittene Lösung, macht nicht nur die Endkunden glücklich, da diese von umfangreichen und individuell zugeschnittenen Produktinformationen profitieren, sondern vor allem auch die Mitarbeiter, die ständig mit unterschiedlichsten Produktinformationen und den Herausforderungen der Datenintegration zu tun haben. Nach der Einführung des passenden PIM-Systems können Produkt- sowie E-Commerce Manager mit einer jeweils spezialisierten Software arbeiten, die ihre Stärken exakt dort ausspielt wo sie gebraucht werden: das PIM-System für das Management von Produktlebenszyklen und die E-Commerce-Plattform für alle Marketing- und Vertriebsaktivitäten.

PIM-based E-Commerce ist schneller und schlanker

Mit Hilfe eines PIM-Systems, können Aufwände und Risiken massiv reduziert werden, da es als idealer Aggregator für alle Schnittstellen des Online-Shops fungiert. PIM-less E-Commerce führt häufig zu einer Überfrachtung des Shop-Systems mit Produktdaten aus unterschiedlichen Systemen und Funktionen, für die ein PIM-System besser geeignet ist. E-Commerce-Betreiber ohne PIM-Systeme verschwenden langfristig sowohl Geld als auch Zeit und steigern zusätzlich das Risiko ihrer gesamten E-Commerce Tätigkeiten. Vielleicht mag der erste Launch der E-Commerce Aktivitäten schneller gehen, aber ohne solide Systeme und Prozesse im Hintergrund stehen diese Aktivitäten auf tönernen Füßen. Denn ineffiziente und fehleranfällige Prozesse stehen dem gewünschten schnellen Wachstum dann im Wege. Wer sich erfolgreich für die digitale Zukunft aufstellen möchte, für den geht kein Weg an PIM-based E-Commerce vorbei. Nur das richtige Management von Produktinformationen mit einem PIM-System sorgt für eine solide Basis und ein optimales Fundament, um alle digitalen Vertriebskanäle zu erschließen und langfristig an allen Touchpoints erfolgreich Connected Commerce zu betreiben.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei digitalisierungslücke.de.

In den letzten Jahren haben Unternehmer aus dem Nahen Osten neue Produkte und Unternehmen ins Leben gerufen und gezeigt, dass es möglich ist, eine lebendige Start-up-Szene ähnlich zu der in Europa oder den Vereinigten Staaten zu schaffen.

Die Start-ups aus der Region haben sich als äußerst vielversprechend erwiesen. Beispielhaft dafür ist die kürzlich erfolgte Übernahme von Souq, einem Akteur im Bereich E-Commerce, der von Amazon für knapp 800 Millionen US-Dollar übernommen wurde. Einen weiteren nennenswerten Exit in dieser Region hat Talabat hingelegt, das von dem deutschen Unternehmen Lieferheld gekauft wurde.

Gemäß einem von der Forschungsagentur MAGNiTT veröffentlichten Bericht wurden im letzten Jahr mehr als 870 Millionen US-Dollar in Start-ups aus dem Nahen Osten investiert und jedes dieser Unternehmen hat alleine mehr als 500.000 US-Dollar aufgebracht.

E-Commerce ist jedoch eine wesentliche Domäne, in der Start-ups viel mehr tun können, um etwaige Marktlücken zu schließen. Sehen wir uns diese wichtige Branche doch mal genauer an.

Gegenwart und Zukunft für E-Commerce

Gemäß einem von BMI Research veröffentlichten Bericht verfügt der Nahe Osten über den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Markt auf der ganzen Welt. Derselbe Bericht hat auch hochgerechnet, dass der Umsatz dieser Region von 22,3 Milliarden US-Dollar in 2016 auf 43 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 ansteigen wird.

Von diesem Umsatz werden 19,8 Milliarden US-Dollar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) kommen, da derzeit knapp 88 Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Arabischen Emirate das Internet nutzen, 78 Prozent der Nutzung geht dabei von Smartphones aus.

Gartner berichtete in Hinblick auf die aktuelle Marktsituation, dass nur 15 Prozent der Unternehmen in der Region über einen Online-Auftritt verfügen und 90 Prozent der Online-Shopping-Produkte von außerhalb der Region importiert werden. Diese Statistiken zeigen ganz klar die außerordentlichen Möglichkeiten, die sich für die Onlinehändler ergeben werden.

Wer kauft ein?

In der gesamten Region kaufen mehr Männer als Frauen online ein. In den VAE sind zum Beispiel 59 Prozent der Menschen, die online einkaufen, Männer, während sich in Ägypten mit 77 Prozent das größte Ungleichgewicht offenbart.

Jüngere Internetnutzer sind natürlich ebenfalls für die Bewegung im E-Commerce-Markt verantwortlich. Die 26- bis 35-Jährigen kaufen bei allen analysierten Märkten am ehesten online ein.

In Ägypten gehören ganze 50 Prozent der digitalen Käufer zu der Altersgruppe von 26–35 Jahren.

Bezüglich der gekauften Produkte sind Flugtickets, Elektroartikel und Kleidungsstücke die beliebtesten Waren, die von Käufern in der arabischen Welt online gekauft werden.

E-Commerce wendet sich Social Media zu

Der beste Weg für Marken im Bereich E-Commerce zur Verbindung mit Käufern in der arabischen Region ist per Suchmaschinenoptimierung und Social Media.

Facebook ist dabei der führende Social-Media-Kanal bei den arabischen Online-Handelsmarken, von denen 41 Prozent diesen Dienst nutzen. Instagram erweist sich ebenfalls als populär – 23 Prozent dieser Unternehmen verwenden die Foto-Sharing-App.

Es wird deutlich, dass der digitale Markt im Nahen Osten immer intensiver genutzt wird. Der Bereich E-Commerce hat dabei beeindruckendes Wachstum erfahren.

Für diejenigen, die mit Online-Käufern in der arabischen Welt in Kontakt treten möchten, müssen Marken sich der vergleichsweise akuten demografischen Entwicklung bewusst sein und wer derzeit online Einkäufe tätigt – d. h. Männer im Alter von 26–35 Jahren. Weiterhin müssen sie herausfinden, wie andere Internetnutzer dazu gebracht werden können, das Online-Shopping auszuprobieren.

Der Zugang kann für bestimmte Verbraucher problematisch sein. Und es macht sich auch bemerkbar, dass bestimmte Produkttypen besser über Online-Kanäle vertrieben werden als andere.

Social Media und SEO erweisen sich scheinbar für E-Commerce-Unternehmen als immer wichtiger, um weitere Kunden zu erreichen. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich das digitale Einkaufen im Hinblick auf das Suchwerkzeug weiterentwickelt und dass es in den kommenden Jahren eine zunehmende Verbreitung sozialer und mobiler Technologien geben wird.

Herausforderungen im E-Commerce

Obwohl die Aussichten für den E-Commerce-Markt im Nahen Osten sehr gut sind, gibt es viele Hindernisse, die den Fortschritt einschränken. Hier sind ein paar der wichtigsten Punkte:

Gehemmte Logistik

In der Region gibt es starke Handelsbarrieren, die es für Online-Händler schwierig machen, Produkte zu versenden. Waren durch den Zoll zu befördern, kann jedem Unternehmen einen bürokratischen Albtraum bescheren – insbesondere wenn hohe Zölle, sich ändernde Vorschriften und volatile Wechselkurse dazukommen. Souq von Amazon, das hauptsächlich Produkte an die sechs Länder der GKR-Zollunion liefert, bildet eine Ausnahme.

Finanzverordnungen

Die meisten Start-ups würden wahrscheinlich scheitern, wenn sie mit den widrigen Bedingungen im Nahen Osten konfrontiert würden. Es gibt in Ägypten beispielsweise kein Insolvenzrecht. Das bedeutet, dass man als Unternehmer inhaftiert werden könnte, wenn etwaige Schulden nicht rechtzeitig beglichen werden.

Das einfache Auflösen einer Firma zur Gründung eines neuen Unternehmens kann extrem problematisch sein. Dabei sind endlose Mengen an behördlichen Dokumenten involviert und der Prozess kann fünf bis zehn Jahre dauern. Nach Angaben der Weltbank liegt das durchschnittliche Ranking für die Gründung eines Unternehmens im Nahen Osten bei 117, was weit unter dem Ranking der USA und Großbritanniens ist. Man kann also sagen, dass es für Start-ups aus dem Nahen Osten noch einige Hürden zu überwinden gilt.

Talentsuche

Für gewöhnlich akquirieren Start-ups neue Talente, indem sie den Mitarbeitern Aktienoptionen anbieten. Dies gilt für den größten Teil der Welt, ist aber im Nahen Osten ein Fremdwort, da die Unternehmen gezwungen sind, unter veralteten Rechts- und Regulierungssystemen zu arbeiten.

Die Arbeitsgesetze erschweren die Entlassung von Arbeitnehmern, insbesondere in Bezug auf Ausländer. Außerdem vermittelt das bestehende Bildungssystem in der Region den Einheimischen keine notwendigen technischen Fähigkeiten wie das Programmieren.

Der Einstieg von Amazon

Die Ankunft von Amazon ist definitiv ein gefährliches Signal für die lokalen E-Commerce-Geschäfte. Amazon ähnelt eher einer gigantischen Logistikanlage als einem E-Commerce-Geschäft und die Übernahme von Souq.com wird dem Unternehmen dabei helfen, größere Anlagen und Einrichtungen im Nahen Osten aufzubauen. Amazon kann auf jeden Fall eine breite Produktpalette anbieten und die lokalen E-Commerce-Geschäfte hinsichtlich Lieferzeiten übertreffen. Das Unternehmen wird außerdem riesige Marketingkampagnen ins Leben rufen, um die Einheimischen in der Region für die Prime-Mitgliedschaften begeistern zu können.

Der kundenorientierte Ansatz von Amazon mit der Mission, die größte Produktvielfalt zu den niedrigsten Preisen anzubieten, machen es zu einem Furcht einflößenden Konkurrenten für jeden lokalen Akteur.

Förderung der technischen Akzeptanz durch Regierungsbemühungen

Wenn die Industrie Erfolg haben soll, müssen neben den Bemühungen privater Unternehmen auch die Regierungen in der Region eine entscheidende Rolle bei der Förderung des E-Commerce spielen. Eine der wichtigsten Möglichkeiten um Vertrauen aufzubauen besteht in der Verbesserung von E-Governance und digitalen Diensten. Die meisten Länder müssen traditionelle Offline-Dienstleistungen wie Visa-Programme, Transportleistungen, Versorgungsleistungen und Online-Zahlungsoptionen in Online-Plattformen integrieren, damit die lokale Bevölkerung diese Leistungen auch effizient in Anspruch nehmen kann.

Tatsächlich können sich andere Länder von den Vereinigten Arabischen Emiraten inspirieren lassen, die den weltweit ersten zweckgebundenen Duty-Free-Handelspunkt „Matajir.com“ eingerichtet haben. Die Regierung sollte konkrete Anstrengungen unternehmen, um mit regionalen und internationalen Unternehmen zusammenzuarbeiten und den E-Commerce-Bereich im Nahen Osten anzukurbeln, damit die Region im internationalen Vergleich mithalten kann.

Erwähnenswerte Start-ups im Bereich E-Commerce

Trotz der widrigen Umstände und Probleme, denen sich die Start-ups in der Region ausgesetzt sehen, haben es viele geschafft, bemerkenswerte Erfolge zu erzielen. Eines der bekanntesten Start-ups im Nahen Osten ist Wadi.com, ein Amazon ähnlicher E-Commerce-Store, der 67 Millionen US-Dollar in einer A-Runden-Serie mit nicht veröffentlichter Bewertung aufbringen konnte.

Im Gegensatz zu Amazon bezieht Wadi die Produkte von einer Vielzahl an Einzelhändlern und Verkäufern (ohne Lagerhäuser zu unterhalten) und operiert in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien online. Dies hilft ihnen dabei, die Produkte viel schneller als Amazon auszuliefern und dem internationalen Giganten damit einen Schritt voraus zu sein.

Mumzworld.com ist ein weiterer erwähnenswerter E-Commerce-Store, der sich auf Produkte für Mütter und Babys spezialisiert hat. Das Start-up sicherte sich mehrere Millionen Dollar in einer B-Serien-Finanzierungsrunde von Wamda Capital, twofour54 und Endeavor Catalyst.

Das von Amazon übernommene Souq.com, hat sein Geschäft im gesamten GKR-Raum und in Ägypten ausgebaut und verfügt mit mehr als 23 Millionen Besuchern pro Monat zurzeit über den größten Marktanteil.

Andere E-Commerce-Akteure, die in dieser Region fest verankert sind, wären Aido.com, Awok.com und der Zappos-Klon Namshi.com. Ein weiterer beliebter E-Commerce-Shop ist Cobone.com, der auf täglichen Angeboten basiert.

Fazit

Die Zukunft hält für die E-Commerce-Akteure im Nahen Osten einiges bereit und es ist definitiv großartig zu sehen, dass die Unternehmen trotz der vorhandenen Barrieren Erfolg haben. Ihr Erfolg ist für andere Akteure inspirierend, gute Produkte und Dienstleistungen aufzubauen und Vertrauen in der lokalen Bevölkerung zu schaffen. Wirtschaftsreformen, Diversifizierung und die Verbesserung der Arbeitsgesetze in Verbindung mit einer stetig wachsenden Internetdurchdringung werden den E-Commerce-Markt im nächsten Jahrzehnt in neue Höhen geleiten. Dies wird in der unten folgenden Grafik ersichtlich.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Magazin Discover Middle East.

Der Fokus vieler E-Commerce-Strategien liegt auf erstklassig gestalteten und mobil optimierten Shops, aufregenden Kampagnen und einer Mediaplanung, die für viel Aufmerksamkeit und Reichweite sorgen soll. Das ist alles ohne Zweifel wichtig. Doch jeder noch so gut geplante Marketing-Euro verpufft, wenn der Kunde am Ende seiner Journey auf eine Produktdetailseite trifft, die mehr Fragen als Antworten aufwirft. Welche Eigenschaften hat das Produkt? Wie sieht das Material genau aus? Stimmen die Details?

Oftmals werden dem User nur die simpelsten Informationen „vorgesetzt“: Höhe, Breite, Tiefe, Größe, Material. Im stationären Handel würde ein Produkt anhand lediglich dieser Informationen nicht gekauft werden. Wir wollen Produkte erleben und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Und genau da klafft noch viel zu oft – allen Connected-Commerce-Bemühungen zum Trotz – eine große Lücke zwischen stationärem und digitalem Handel oder zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Lieblos gestaltete Produktdetailseiten – und wir reden hier nicht über Usability oder Design, sondern über die wesentlichen Produktinformationen – sind der Todesstoß für einen erfolgreichen Abschluss der User Journey. Der Kunde kauft nicht, wenn er nicht ausreichend über das Produkt, für das er sich interessiert, informiert wird. Noch bitterer wird es für den Online-Händler, wenn sich der Kunde trotz schlechter oder fehlender Informationen zum Kauf entschließt, aber nach Erhalt der Ware damit nicht zufrieden ist. Teure Retouren, negative Rezensionen und unzufriedene Kunden sind die Folge. Wir empfehlen daher, folgende vier Schritte zur Optimierung des Produkt-Contents zu beachten, um genau diese negativen Konsequenzen zu verhindern.

1.    Beschäftigen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Content

Die Aufbereitung von hochwertigem und einzigartigem Produkt-Content benötigt Zeit: Zeit zur Abstimmung der internen Prozesse, Zeit zur Abstimmung mit den Herstellern und Zeit zur Aufbereitung, Anreicherung oder Veredelung des Contents. Texte müssen geschrieben, Attribute gepflegt und Fotos geschossen sowie bearbeitet werden. Erst wenn diese Prozesse stehen, lässt sich guter Content in hoher Stückzahl schnell produzieren. Vermeiden Sie dabei den Fehler, erst kurz vor Livegang auf einen Dienstleister zu setzen, der ohne Ihr Sortiment zu kennen verspricht, 100.000 Artikel quasi über Nacht zu betexten und mit Attributen anzureichen. Das kann nicht gut gehen. Stellen Sie das Thema Produkt-Content daher auf einen der vordersten Plätze Ihrer Agenda.

2.    Verlassen Sie sich nicht auf den Hersteller

„Die Artikeldaten bekommen wir vom Hersteller“ ist ein weit verbreitetes Credo. Doch viele Hersteller verfügen nur über sehr rudimentären Produkt-Content und manchmal noch nicht einmal über Produktfotos. Zudem müssen Sie die Informationen vom Hersteller in Ihr System überführen. Nicht einheitliche Schnittstellen und unterschiedliche Formate erfordern oftmals aufwändiges händisches Nacharbeiten und sparen Ihnen keine Zeit. Und vergessen Sie nicht: Ein und derselbe Hersteller liefert seine Produktdaten an verschiedene Händler – Ihre Wettbewerber. Von „Unique Content“ ist das meilenweit entfernt.

3.    Investieren Sie in einzigartigen Content

Produkt-Content ist in erster Linie für den Besucher Ihres Shops gedacht. Er soll informieren und zum Kauf anregen. Doch bis zur Produktdetailseite ist es ein weiter Weg. Deswegen muss guter redaktioneller Produkt-Content suchmaschinenoptimiert aufbereitet werden. Suchmaschinenoptimierter Content zahlt auf die richtigen Keywords ein, muss erfassbar durch Boots und vor allem einmalig sein. Duplicate Content wird auf die hinteren Plätze von Google und Co. verbannt. Eine Investition in „Unique Content“ ist daher eine Investition in die Performance Ihres Shops. Egal ob Sie Produkttexte in house oder durch eine Agentur erstellen lassen, investieren Sie Zeit in vernünftige Briefings, engagieren Sie Autoren, die fit in den wichtigsten SEO-Anforderungen sind, und machen sie diese mit Ihrem Sortiment vertraut.

4.    Denken Sie nutzerzentriert – nicht in Kanälen

Jahrelang galt das Mantra des „medienneutralen Contents“. Ein und derselbe Produkt-Content soll auf allen Kanälen funktionieren. Die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner führt allerdings dazu, dass der Content dann auf allen Kanälen „suboptimal“ ist. Print-Content muss anders aufbereitet sein als Web-Content. Mobil ausgesteuerte Produktdetailseiten müssen anders aussehen als Detailseiten, die auf Tablets oder auf dem Deskop-PC aufgerufen werden. Während der Kunde am Desktop zuhause ausgiebig recherchiert und alle Details nachliest, möchte er unterwegs in erster Linie alle wichtigen Daten auf den ersten Blick auf seinem Smartphone sehen. Am Ende des Tages geht es darum, den Nutzer entsprechend seiner Nutzungssituation den jeweils idealen Content auszusteuern. Nehmen Sie also die Sichtweise Ihrer Kunden an und beantworten Sie die Frage, wann welche Produktinformationen für wen wo interessant sind. „Medienneutraler“ Content hingegen bevormundet Ihre Kunden.

Erstklassiger Produkt-Content ist keine Raketenwissenschaft und – zugegeben – nicht gerade das Thema, mit dem sich CDO oder Digital Manager als erstes beschäftigen. Aber die Praxis zeigt, dass sich Ihre Kunden damit befassen. Daher hat dieses Thema mehr Aufmerksamkeit verdient.

Der Artikel wurde auf internetworld.de veröffentlicht.

Als es an der Tür klingelt, sitze ich in meiner Wohnung, die Kaffeemaschine läuft zum dritten Mal durch und meine Frau ist mit unserem Kind auf dem Weg zum Kindergarten. Ich öffne unsere Tür und hinein kommen knapp 30 Studenten verschiedenster Masterstudiengänge der Universität Bremen. Die Schuhe haben sie allesamt vorher brav ausgezogen. „Wir sind Halb-Schweden“, hatte mich meine Frau am Vorabend noch instruiert. „Bei uns zieht man sich die Schuhe aus.“ Schön, dass sich alle daran halten.

Warum ich es mir während meiner Arbeitszeit mit einem Haufen Studenten in meinem Wohnzimmer in Bremen gemütlich mache? Für die von hmmh zusammen mit der Universität Bremen konzipierte Lehrveranstaltung „C3“ (Connected Commerce Camp) bin ich für die nächsten Stunden Referent und Anschauungsobjekt zugleich. Ich bin beratender Experte, aber zu diesem Zeitpunkt völlig ahnungslos, was mich erwartet. Dennoch freue ich mich sehr auf dieses einzigartige Seminar. Dass die Studenten bei mir zu Hause und nicht in unserem Büro am Wesertower sitzen, zeigt bereits: C3 ist keine klassische Lehrveranstaltung. Es ist eine User Journey, ein zweitägiger, praktischer Erfahrungsaustausch zwischen hmmh und insgesamt etwa 60 Teilnehmern zum Thema „Potenziale des Connected Commerce in der Stadt Bremen“. Unser Ziel: Die Studenten sollen den aktuellen Status Quo von Connected Commerce, im Speziellen des Connected Retail und der „Connected City Bremen“ am eigenen Leib spüren und testen. Im Anschluss sollen sie dann mit unserer Unterstützung für aufkommende Probleme eigene Lösungsansätze erarbeiten.

Am ersten Tag wurden die Studenten deshalb, mit Smartphones und -watches ausgerüstet und auf eine Art Rallye in die Innenstadt geschickt, wo die „Connected City Bremen“ auf Herz und Nieren geprüft wurde – das heißt online bestellte Pakete wurden in Filialen zurückgebracht oder erstmal abgeholt, das innerstädtische W-Lan getestet oder auch Coffee-to-go mobil bezahlt. Am zweiten Tag kamen alle wieder zusammen, um ihre Erfahrungen in verschiedenen Sessions zu diskutieren. Daraus entstanden Projektideen, die die Studenten nun in Gruppen weiter ausarbeiten. Für uns haben sich die zwei Tage aber schon jetzt gelohnt – nicht nur wegen des engen Austausches mit den Studenten, sondern auch wegen der Ergebnissen und Erkenntnissen, die der „Praxistest“ ans Licht brachte.

Ernüchterndes Erlebnis

Die Bremer Innenstadt hat mit starker Konkurrenz im Umland zu kämpfen. Der Kunde findet nicht nur riesige Einkaufszentren in jede Himmelsrichtung, sondern mit Hamburg und Oldenburg auch weitere attraktive Shopping-Möglichkeiten in näherer Umgebung. Aus diesem Grund müsste Bremen eigentlich längst gewappnet sein, um in diesem Umfeld bestehen zu können. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd: Connected Commerce ist noch (immer) nicht im Alltag angekommen. Das liegt zum einen an den unausgereiften digitalen Lösungen (z. B. kaum nutzbares W-Lan), die den Kunden angeboten werden. Zum anderen aber auch daran, dass die wahren Bedürfnisse der Konsumenten nicht bedacht oder berücksichtigt werden.

So konnten die Studenten zwar ein online bestelltes Paket bei einem großen Schuhhändler in der Filiale zurückgeben, jedoch nicht mit dem gutgeschriebenen Betrag direkt neue Schuhe auswählen. Zitat der Verkäuferin: „Online-Shop und Filiale sind zwei verschiedene Paar Schuhe!“ (Übrigens mein persönliches Lieblingszitat des gesamten Events.) Da war eine amerikanische Café-Kette schon weiter. Die Mitarbeiter waren geschult und vor allem auch geduldig genug, um beim Mobile Payment zu unterstützen. Doch fehlte den Studenten bei dieser Art zu bezahlen der direkte Mehrwert. Mit Bargeld oder Karte hätte man teils schneller bezahlen können und wäre auch nicht abhängig vom Akkustand oder Empfang. Zudem müsse regelmäßig aktiv Guthaben auf die App transferiert werden, was den gesamten Prozess wieder künstlich verkomplizieren würde.

Keine zweite Chance

Die vielen technischen Lösungen sind derzeit oftmals nicht bis zum Schluss durchdacht und frustrieren somit eher, als dass sie wirklich einen Mehrwert liefern. Anstatt die Kunden mit einem kanalübergreifenden Einkaufserlebnis und ganzheitlichem Service an das Unternehmen zu binden, werden sie teilweise so dermaßen enttäuscht, dass sie den Service nicht ein weiteres Mal ausprobieren möchten. Das bedeutet: Fehlerhafte und nicht durchdachte Ansätze erhalten vom Kunden keine zweite Chance. Unternehmen, die vermeintliche Ideen des Connected Commerce nur oberflächlich umsetzen, verlieren am Ende sogar mehr Kunden als sie gewinnen.

Dies heißt natürlich nicht, dass Unternehmen nicht mutig agieren und neue Technologien für ihre Zwecke ausprobieren sollen. Doch hat das Camp gezeigt, dass diese Lösungen individuell für das Unternehmen sowie den Kundenbedürfnissen entsprechend entwickelt werden müssen, damit am Ende ein Produkt entsteht, das überzeugt und nicht enttäuscht. Um das zu erreichen, ist ein prototypisches Vorgehen mit einer ausgewählten begrenzten Nutzergruppe im Vorfeld existentiell.

Die zwei Tage mit den Studenten haben uns verdeutlicht, wie Connected Commerce in Bremen funktioniert – oder eben nicht. Ähnlich wie beim Small-Data-Ansatz von Martin Lindstrom konnten über die Beobachtung einer kleinen Kundengruppe große Erkenntnisse errungen werden. Es hat also nachweislich einen Mehrwert, potentielle Kunden einmal zu sich ins eigene Wohnzimmer einzuladen und zu beobachten. So lange sie aber bitte auch die Schuhe ausziehen.

Dieser Artikel wurde auf lead-digital.de veröffentlicht.

Der Handel in ein paar Jahren  – so könnte er aussehen: Weil ich im Online-Shop erfahre, dass meine favorisierte Jeans auch im Laden um die Ecke verfügbar ist, mache ich mich auf den Weg, um sie dort direkt anzuprobieren. Bereits kurz vor dem Geschäft erhalte ich eine Push-Nachricht auf mein Smartphone, die mir mitteilt, dass ich das Hemd von meiner Merkliste für fünf Euro weniger sofort kaufen könnte. Im Laden liegt die Hose schon für mich bereit. Hose und Hemd passen, aber weil ich sie nicht sofort mitnehmen will, schickt sie mir der Verkäufer kostenlos nach Hause. Weil er außerdem durch meine Kaufhistorie meine Vorlieben kennt, empfiehlt er mir gleich noch eine Jacke. Zwar ist diese nicht im gewünschten Blau im Lager vorrätig, aber ich kann sie in einem Digital-Signage-Screen anschauen. Die Jacke lege ich mal in meine Merkliste, auf die ich online wie auch im Store Zugriff habe. Das Hemd und die Hose bezahle ich bargeldlos mit meinem Smartphone und verlasse das Geschäft. Am nächsten Tag erhalte ich alles bequem nach Hause geliefert.

Dies ist eines von vielen Szenarien, die im Moment auf Herz und Nieren getestet werden, um den Kunden auch am Point of Sale (POS) die bestmögliche digitale und personalisierte Kundenansprache bieten zu können. Für Händler, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Connected Retail beschäftigt haben, mag das auf den ersten Blick vielleicht fast schon bedrohlich wirken: Wie soll man das nur alles schaffen? Welche Aspekte sind für mich relevant? Und wo bitte soll ich eigentlich anfangen?

Aus meiner Erfahrung möchte ich Ihnen gerne folgende Schritte empfehlen:

1. Aller Anfang liegt beim CEO

Die erste Voraussetzung ist eine Unternehmensführung, die voll und ganz hinter dem Thema steht. Ohne geht es nicht. Erfolgreiche Lösungen im Connected Retail zu entwickeln und umzusetzen, muss Chefsache sein, da die Umsetzung einen Einfluss auf die gesamte Organisationsstruktur haben kann.

Wichtig ist, dass alle internen Stakeholder in das Projekt involviert werden. Ein kanalübergreifendes Einkaufserlebnis, das analoge und digitale Elemente miteinander verschmelzen lässt, bedarf vielfacher Kompetenzen: Marketing, IT, Sales, die Verkäufer selbst – sie alle müssen dafür an einen Tisch. Gerade die Mitarbeiter im Laden spielen dabei eine zentrale Rolle, da nur sie das Konzept in der Praxis erfolgreich umsetzen können. Deshalb muss gleich zu Beginn eine ganzheitliche Vision geschaffen werden, auf die alle Beteiligten hinarbeiten.

2. Der Kunde steht im Fokus aller Aktivitäten

Die Zielgruppe ist natürlich der Kunde. „User Centricity“ darf also nicht nur als Buzzword, sondern muss als Selbstverständlichkeit verstanden werden. Ohne im Vorfeld die Kundenbedürfnisse zu identifizieren und die Verhaltensweisen kennenzulernen, sollten Sie nicht beginnen. Nur so können Sie wirklich relevante Services an den dazu passenden Touchpoints am POS zu mehrwertstiftenden Interaktionen anbieten.

Eine solche mehrwertstiftende Interaktion kann bereits ein einfaches Tablet ermöglichen: Der Verkäufer kann für den Kunden so ergänzende Produktinformationen aufrufen und ihm zusätzliche Produkte anbieten, die aktuell nicht auf der Fläche sind. Darüber hinaus könnte er so Zugriff auf die Kaufhistorie des Kunden erhalten, die über eine digitale Kundenkarte gespeichert wird und ihm so Auskunft über die Vorlieben des Kunden gibt.

3. Denken Sie groß, aber beginnen Sie smart

Schaffen Sie Ihre Vision mit einem ganzheitlichen Blick auf Ihr Gesamt-Touchpoint-System, aber entwickeln Sie die neuen Touchpoints Schritt für Schritt. Sammeln Sie Erfahrungen und entwickeln diese weiter. Und vor allem: Vermeiden Sie eine Lösung „von der Stange“, die nicht auf Ihre Kunden ausgerichtet ist.

Formulieren Sie für kleine Problemstellungen erste Thesen, entwickeln Sie davon ausgehend Ansätze und testen Sie diese in kurzen Zyklen direkt auf der Fläche aus. Dieses iterative Vorgehen ermöglicht einen Start mit geringeren Investitionen und bewahrt vor möglichen Fehlinvestitionen. Erst wenn ein Szenario als Prototyp erfolgreich war, sollte man mit aufwändigen Anbindungen von ERP-, CRM- oder Kassensystemen beginnen.

4. Jetzt starten statt warten

Beginnen Sie Learnings aus kleineren Projekten mit Ihren Partnern (Retail, Agentur, etc.) zu sammeln. Diese Erfahrungen verbessern die Zusammenarbeit noch bevor größere Projekte anstehen und stärken das einheitliche Bild für den Kunden.

Das Wichtigste aber ist: Starten Sie jetzt! Wer jetzt zögert, wird auf lange Sicht das Nachsehen haben, denn der Kunde wird bei dem Unternehmen kaufen, das ihm zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, im richtigen Kontext die passenden Informationen oder Produkte zur Verfügung stellt – online und offline.

Der Artikel wurde auf wuv.de veröffentlicht.

Es war vermutlich nur ein einfacher Entwicklungsfehler, der im Dezember 2015 bei eBay zu einer Sicherheitslücke führte, die das Potenzial hatte, Kundenpasswörter während des Anmeldeprozesses abzufangen. Die Folgen von Hackerangriffen, die sich solche Pannen zunutze machen, können jedoch erheblich sein – und für den Nutzer äußerst unangenehm: SPAM-Mails, Phishing oder gestohlene Kreditkartendaten sind nur einige davon.

Und das Beispiel eBay zeigt: Auch große Player bleiben davon nicht verschont. Bis zu 87 Prozent aller Websites weisen mittlere, knapp 50 Prozent sogar schwerwiegende Sicherheitslücken auf. Der dadurch jährlich entstehende Schaden liegt weltweit bei über 400 Milliarden US-Dollar. Dem Unternehmen droht bei einem Datenverlust nicht nur ein erheblicher Imageverlust. Da Online-Händler für die Sicherheit der Kundendaten verantwortlich sind, müssen sie bei Datenlecks auch entsprechend dafür haften. Prozesse und Methoden, die auf die Sicherheit einer E-Commerce-Lösung abzielen, sind für die Händler deshalb unerlässlich. Allerdings beschränken sich diese nicht auf eine bestimmte Phase in einem Projekt, sondern ziehen sich durch die gesamte Laufzeit bis hin zum Tag der Livestellung und Inbetriebnahme. Sicherheit ist ein unverzichtbarer Teil des Prozessdesigns, Teil der Implementierung, Teil der Systeminfrastruktur und Teil des Betriebs.

Sichere E-Commerce Lösung

Besonders beachten sollten Sie dabei folgende Punkte:

Definieren Sie klare Anforderungen

Es klingt banal, aber es ist so wichtig: Sicherheit beginnt bereits vor dem Projektstart. Und jeder Web-Shop hat dabei andere Anforderungen. In einem B2B-Shop, der etwa technische Dokumente gegen Gebühr zum Download zur Verfügung stellt, ist es natürlich extrem wichtig, die Identifikation oder Registrierung der Kunden und den Zugangsschutz sehr sicher zu konzipieren. Für einen Telko-Anbieter, der alle seine Produkte als Self-Service in einem Portal anbietet, ist es genauso von entscheidender Bedeutung, dass nur der berechtigte Nutzer auf seine Vertrags- und Rechnungsdaten Zugriff hat. Obwohl es bei beiden Beispielen um die Implementierung eines Zugriffsschutzes geht, sind die zugrunde liegenden Anforderungen unterschiedlich. Diese müssen bereits in der „Requirements-Engeneering“-Phase erfasst werden und bilden die Basis für die spätere Umsetzung.

Setzen Sie Standards

„Secure Coding Standards“ helfen den Entwicklern, sichere Codes fürs Web zu schreiben. Im Idealfall greifen sie dabei auf sicherheitsgetestete Frameworks zurück. Obwohl diese präventive Investition in die Sicherheit der Web-Anwendung immens wichtig ist, gibt es noch immer keinen anerkannten Industriestandard oder eine Norm, die die Sicherheit von Web-Applikationen definiert. Daher muss sich jede Agentur oder jeder Online-Händler selbst in die Verantwortung nehmen und ein eigenes Portfolio von Standards in den Bereichen Qualitätssicherung, Sicherheit und Testing erarbeiten.

Wir haben deshalb bereits vor einigen Jahren begonnen, die Best-Practices oder Empfehlungen von Experten, beispielsweise dem Open Web Application Security Project (OWASP), zu sammeln, damit nicht jeder Auftraggeber selbst einen Standard suchen muss und um so wirklich messbare Sicherheit bieten zu können.

Suchen Sie Ihre Sicherheitslücken

Darüber hinaus setzen wir am Ende einer jeden Entwicklung auf einen „Web Application Security Test“, der prüft, ob unsere Security Standards tatsächlich eingehalten werden. Hierzu arbeiten wir zum einem mit zertifizierten „Ethical Hackers“ zusammen – also speziell ausgebildeten IT-Experten, die das Wissen eines Hackers besitzen, aber eben für uns tätig sind. Zum anderen geschieht dies mit Hilfe verschiedener Software-Tools (wir setzen zum Beispiel IBM AppScan ein), die Angriffe auf die Applikation simulieren. Jede verdächtige Reaktion der Applikation wird dabei dokumentiert und muss später manuell verifiziert oder falsifiziert werden. Am Ende steht ein Bericht, der die gefundenen Sicherheitslücken dokumentiert und technische Hilfestellungen bereitstellt, die bei der Behebung des Problems unterstützen.

Betrachten Sie dabei jede Sicherheitslücke, die Sie in dieser Phase entdecken, nicht als einen Fehler der Programmierer, sondern als Erfolg! Immerhin haben Sie diesen noch in der Entwicklungsphase entdeckt. Denn je später ein Fehler ans Licht kommt, umso teurer wird dessen Behebung.

Betreiben Sie kontinuierliches Monitoring

Nicht beeinflussbare Faktoren wie die Ausführungsumgebung (Browser), verschiedene Devices (Desktop und Mobile) und heterogene Systeme stellen E-Commerce-Lösungen vor nicht immer im Vorfeld planbare Herausforderungen. Punktelle Sicherheits- und Penetrationstests, bei denen Experten (z.B. zertifizierte Ethical Hacker) gezielt Angriffsversuche durchführen, helfen dabei, diese Faktoren im Blick zu behalten. Denn die Zahl der neu entdeckten Sicherheitslücken und die Wege, wie Lücken ausgenutzt werden können, wächst täglich.

Außerdem besteht die Option, zusätzlich eine „Web Application Firewall“ (WAF) zu installieren. Diese kontrolliert jede eingehende Anfrage, bevor sie an die eigentliche Web Application geleitet wird. Dafür muss eine WAF ein komplexes Regelwerk besitzen, das individuell an die jeweilige Web Application angepasst ist. Verdächtige Anfragen werden sofort abgewiesen und unter vorher definierten Bedingungen könnte ein Alarm ausgelöst werden (etwa durch eine E-Mail an einen Administrator, wenn pro Sekunde von einer IP-Adresse 100 Requests gesendet werden, die den Code einer SQL-Injection enthalten). Da eine WAF ein unabhängiges System ist, gelangen Angriffsversuche erst gar nicht in die Nähe der zu schützenden Applikation bzw. deren zu schützenden Daten.

Von Beginn an sicher sein

Der Grundstein für eine sichere E-Commerce-Lösung muss also bereits bei der Planung gelegt werden – noch bevor die Software tatsächlich zum Einsatz kommt. Außerdem ist die regelmäßige Prüfung der Software sowie daraus entstehende Aktualiserungen unumgänglich und unbedingt notwendig. Nur so ist es möglich, die Software auf dem neuesten Stand zu halten und ihre Sicherheit gewährleisten zu können.

Dieser Artikel wurde auf e-commerce-magazin.de veröffentlicht.

Amazon stattet uns mit dem Dash Button als einziges Unternehmen mit einem funktionierenden, in den Alltag integrierten Produkt aus, das die Ideen des Pervasive Computing und des Internet of Things widerspiegelt. Und dennoch wird der drahtlose Bestellknopf, der vielen Menschen das Leben erleichtern soll, nicht mit Euphorie begrüßt, sondern mit überraschend viel Skepsis. Woher kommt diese Ablehnung?

Zweifelsohne: Der Dash Button ist ein First-Mover-Produkt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er – zumindest bei uns in Deutschland und zum jetzigen Zeitpunkt – von Vielen als „überflüssiger Quatsch“ bewertet wird. Hinzu kommt, dass Datenschützer vor dem Missbrauch der neuen Fähigkeiten und Verbraucherschützer vor Preis-Intransparenz bei der Bestellung warnen. Usability-Experten werfen die Frage auf, wie viele Dash Buttons im Haushalt wohl sinnvoll sind – und zugegeben: Wir selbst fragen uns doch auch, welchen tatsächlichen Nutzen der Bestellknopf für uns hat.

Kein guter Start – obwohl Amazon mit Sicherheit klar ist, dass der Button zum jetzigen Zeitpunkt kein Mainstream ist und nicht jeden Kunden anspricht. Doch auch in der Welt des Connected Commerce gilt weiterhin der Long-Tail-Effekt: Die Zielgruppe des Dash Buttons ist relativ betrachtet zwar (noch) klein, aber in ihrer absoluten Zahl groß genug, um ihn für Amazon zu einem erfolgreichen Modell zu machen. Und auch in der Umfrage des Stern befürworten denn auch zehn Prozent der Befragten den Dash Button deutlich und sagen: „Super, ich hasse Einkaufen im Supermarkt!“

Wäre B2B besser statt B2C gewesen?

Vielleicht wäre der Start des Dash Button aber auch viel besser im B2B-Sektor des E-Commerce gelungen? Stellen Sie sich einen Produktionsbetrieb vor: Im Bereich der Serienfertigung sind synchronisierte Supply-Chains, sowie Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Prozesse bereits Realität. Abrufimpulse zwischen Herstellern und Lieferanten synchronisieren hier die Bestell- und Produktströme. Doch es gibt noch Vieles, das dort manuell abläuft – außerhalb der streng durchgetakteten Serienfertigung gibt es genug Produktionsstätten, die keine Großserien fertigen. Dort wird mit Maschinen und Werkzeugen gearbeitet, die in unregelmäßigen Abständen gewartet werden müssen. Auch das Wechseln oder Nachfüllen von Hilfs- und Betriebsstoffe erfolgt je nach Bedarf. In diesem Szenario könnte der Amazon Dash Button die innerbetriebliche Logistik optimieren. Angebracht an den jeweiligen Maschinen könnte er für unterschiedliche Materialien oder sogar Wartungsservices eingesetzt werden. Getätigte Bestellungen gehen an das eigene Lager oder via Anfrage an den Wartungs- und Instandhaltungsdienstleister. Der Buttons könnte innerbetriebliche Prozesse anstoßen und Kosten gleich den richtigen Kostenträgern zuordnen. Ausgestattet mit NFC- und einem Identifizierungscode ließe sich sogar der jeweilige Besteller zuordnen und damit sicherstellen, dass nur autorisierte Personen Materialbestellungen oder Service-Anfragen aufgeben.

Wenn wir uns von der Fertigungsbranche entfernen und an den Büroalltag denken, findet der Button auch hier einen sehr sinnvollen Platz: Ein Mitarbeiter, der die letzten Bleistifte oder Notizbücher aus dem Materiallager nimmt, könnte durch den Druck des Buttons am Regal direkt die Nachbestellung für diese Produkte auslösen. Getätigte Bestellungen könnten, wenn gewünscht, in einer wöchentlichen oder monatlichen Lieferung zusammengefasst werden und die Zustellung erfolgt zum gegebenen Zeitpunkt automatisch. Und es gibt sicher noch viele solcher Szenarien, in denen der Dash Button eine wirkliche Erleichterung darstellen könnte – auch ohne Sicherheitsbedenken.

Der Dash Button ist ein spannender erster Evolutionsschritt – aber ich bin davon überzeugt, dass er in seiner jetzigen Form die kommenden zwei Jahre nicht überstehen wird. Das war aber vielleicht auch gar nicht seine Aufgabe. Er ist eine neue Generation von Devices, die sich in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln und neue Anwendungsfelder finden werden. Der Dash Button ist ein weiterer Schritt der Integration des Connected Commerce in den Alltag, um diesen zu verbessern und zu vereinfachen.

Vielleicht findet er ja eine wundervolle Heimat im B2B-Commerce?

Auch erschienen auf internetworld.de

Die Zeiten, in denen Kunden bereit waren, länger als unbedingt nötig auf ihre online bestellte Ware zu warten, sind vorbei. Lieferdienste von Einzelhändlern konkurrieren mit klassischen Versandhändlern und Onlineshops um eine schlaue und vor allem schnelle Lieferung. Wer dabei das Maß aller Dinge sein wird, ist klar: Amazon.

Amazon und der Blitz-Service

Der E-Commerce-Gigant verzeichnete in der dritten Dezemberwoche weltweit drei Millionen neue Prime-Mitglieder – mehr als 200 Millionen Produkte wurden in der Vorweihnachtszeit gratis via Prime verschickt und zugestellt.

Es sind auch die logistischen Leistungen, hierzulande und international, die den Erfolg des Konzerns mittragen: An Heiligabend, als die höchste Anzahl an Prime-Now-Bestellungen aller Zeiten einging, hat es Amazon geschafft, die letzte Bestellung um 23:59 Uhr ausliefern zu lassen.

Macquarie Research hat erhoben, dass 51 Cent jedes zusätzlichen Dollars, den US-amerikanische User online ausgaben, an Amazon fließen. Das bedeutet, dass ein Viertel des Umsatzwachstums (94 Milliarden US-Dollar) im stationären und Online-Handel an Amazon ging. Tendenz steigend.

Und der nächste Schritt für 2016?

„Prime-Now“ in Europa etablieren. In einigen Großstädten der USA und in Großbritannien bietet Amazon bereits seinen Exklusivdienst an, bei dem ausgewählte Produkte innerhalb einer Stunde geliefert werden können. Im Münchner Raum – so wird derzeit spekuliert – soll Amazon zwei neue Logistikzentren aufbauen. Es soll sich dabei um die neuen Prime-Now-Zentralen handeln, die künftig die bayerische Hauptstadt und das Umland in circa 60 Minuten beliefern sollen. Dagegen wirkt der bereits in jeder Metropolregion Deutschlands eingesetzte Amazon-Service „Same-Day“ wie ein alter Schuh.

2016: Das Jahr der schnellen Lieferung

Mit diesem Service trifft Amazon den Zeitgeist und sorgt dabei für Staunen und Begeisterung bei den Usern – und das ganz ohne Drohnen-Technologie. Es sind nämlich nicht nur die Customer Experience oder ein ansehnlicher Online-Shop, die den Kunden wichtig sind, sondern immer öfter auch die Geschwindigkeit der Zustellung.

Amazon bringt damit die Konkurrenz in Bedrängnis und beweist gleichzeitig, wie wichtig es ist, das Tempo der User mitzugehen: Unterschiede zwischen den einzelnen Kanälen werden in Zeiten des Connected Commerce nicht mehr akzeptiert. Ob am Point-of-Sale oder online, der Kunde möchte dieselbe Vielfalt, Beratung, denselben Preis und eine sofortige Mitnahme – oder eben Lieferung. Vorbei sind die Tage, an denen es um Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Teilbereiche des Commerce geht: Jeder Kanal muss das volle Spektrum bedienen, den Kunden im vollen Umfang glücklich machen und ein echtes Erlebnis schaffen.

Diese Art der Verschmelzung von on- und offline kommt dabei beiden Seiten zugute: der Marke, die bisher nur stationär verkauft hat und nun online geht oder über Click&Collect eine Brücke schlägt, ebenso wie den Online-Marken wie Mymuesli und Co., die erst größere Bekanntheit durch die Listung im Einzelhandelssegment verzeichnen konnten.

Unternehmen, die flexibler, vielleicht experimentierfreudiger werden, neues Terrain erkunden und den Fokus auf die Optimierung des Service am Kunden legen, werden langfristig erfolgreicher, als jene, die „nur“ gute Verkäufer sind. Das sollten sich alle Händler für das neue Jahr zum Vorsatz nehmen.

Dieser Artikel wurde auf lead-digital.de veröffentlicht.

Nahezu jeder zehnte Euro wird heute im Netz erwirtschaftet. Visionäre, die das vor zwanzig Jahren, als der E-Commerce noch in den Kinderschuhen steckte, so oder so ähnlich prophezeit hatten, wurden nur müde belächelt. Mittlerweile setzt der B2C-Online-Handel in Deutschland mehr als 40 Milliarden Euro im Jahr um. Tendenz steigend. 2020 soll der Umsatz des deutschen Online-Handels schon bei 150 Milliarden Euro liegen.

Online-Shopping ist so normal geworden, dass wir uns heute kaum mehr vorstellen können, wie es damals in den 1990er-Jahren war – als mit otto.de der erste Online-Shop Deutschlands an den Start ging und Amazon nach Deutschland kam. Als es noch besonders und aufregend war, online Waren zu bestellen. Als wir uns noch über das Modem einwählen mussten, mit bangen Blicken auf die Uhr, ob das Surfen nicht schon zu teuer geworden ist, und als man sich ohne Probleme einen Kaffee machen konnte, während die Seite langsam lud.

Von einem angenehmen Shopping-Erlebnis, das heute alle fordern, konnte keine Rede sein – aber das war uns auch nicht wichtig. Es war auch nicht wichtig, wie die Seite aussah. Es ging primär darum, Produkte zu präsentieren und diese kaufen zu können. Erst mit Beginn des 21. Jahrhunderts und der Optimierung von Verwaltungsfunktionalitäten, Ordermanagement, Produktdatenbanken und Content-Management-Systemen öffnete sich die Tür für den heutigen Online-Handel.

Mittlerweile kaufen 30 Millionen Deutsche online ein, von Windeln bis Waschmaschinen ist alles erhältlich. Unser Einkaufsverhalten hat sich in nur zwei Jahrzehnten drastisch verändert. Doch nicht nur das: Unser Alltag – beruflich wie privat – hat sich zu großen Teilen ins Netz verlagert hat. 55 Millionen Deutsche sind online – viele von uns rund um die Uhr. Das Internet ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Die analoge Welt ist abgelöst. Die Digitalisierung der Gesellschaft hat den Erfolg des E-Commerce genau genommen sogar erst ermöglicht.

Die wichtigsten Treiber waren zum einen das Mobiletelefon – in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Smartphones in Deutschland von sechs Millionen auf mehr als 45 Millionen fast verachtfacht! 2014 hat die mobile Internetnutzung die stationäre erstmals überholt. Und auf den E-Commerce bezogen eröffnet das mobile Shoppen über Tablets und Smartphones völlig neue Wege. Zum anderen und damit einhergehend hat die Digitalisierung der Kommunikation eine wichtige Rolle gespielt. Die erste SMS wurde 1992 verschickt, 1998 kam der Messaging-Dienst ICQ auf den Markt, elf Jahre später WhatsApp. Seitdem wird getextet, was das Zeug hält.

Der Online-Handel ist erwachsen

Der E-Commerce, der nun 20 Jahre alt ist, hat sich seither gut entwickelt: Bereits fünf Jahre nach dem Start des ersten Online-Shops in Deutschland konnte die Branche einen Umsatz von ca. 2,5 Milliarden Euro erzielen. Im Jahr 2010, nur fünfzehn Jahre nach Einführung des ersten Web-Shops, waren es knapp 24 Milliarden Euro. Otto, dessen ersten Online-Shop wir damals mitgestaltet haben, bestreitet heute 85 Prozent seines Gesamtumsatzes online. Und die jährlichen Wachstumsraten legen den Schluss nahe, dass das goldene Zeitalter noch nicht vorbei ist.

Doch mit dem Voranschreiten der Technik und den immer neuen Möglichkeiten, die sich uns bieten, ist der Online-Handel natürlich auch komplizierter geworden. Konsumenten sind anspruchsvoller und kritischer – und, obwohl viele von ihnen immer und überall online sind, für Händler schwerer erreichbar. Eine Frage, die viele Unternehmer heute umtreibt ist folgende:

Wie erreiche ich meine (potenziellen) Kunden?

Spätestens mit dem Siegeszug der Online-Chats wie ICQ oder MSN entstand ein Phänomen, das wir heute alle kennen: Es gibt Parallelgesellschaften, in denen sich Teile der Bevölkerungen zu Hause fühlen. Der Rest kennt sich dort allerdings wenig bis gar nicht aus. Für die Jungen, die Smart Natives, findet diese Parallelgesellschaft in Snapchat und Instagram statt, für die mittlere Generation, die Berufstätigen, ist es Facebook. Und die Älteren? Die entdecken gerade WhatsApp für sich, das sie benötigen, wenn sie weiterhin mit ihrer Familie in Kontakt bleiben möchten, sind aber von der digitalisierten Welt oftmals überfordert. Gleichzeitig ist es in unserer individualisierten Gesellschaft schwer bis unmöglich geworden, demographische Zielgruppen zu definieren.

Für Händler, aber auch für Werbungtreibende wird es damit immer schwieriger, alle potenziellen Kunden anzusprechen. Denn sie müssen individuell über ihren präferierten Kanal und in ihrer Sprache adressiert werden. Technologisch ist das möglich. Die Daten, die Nutzer online hinterlassen, geben uns Auskunft über ihre Vorlieben und Interessen. Doch hier kommt gleich die nächste Schwierigkeit:

Wir müssen sensibel mit diesen Daten umgehen!

Nach den Datenschutzskandalen der vergangenen Jahre sind die Nutzer verängstigt. Die Vorteile, die ihnen personalisierte Kommunikation, die auf ihren Nutzerdaten basiert, bietet, sind vielen nicht transparent genug. Das müssen wir immer im Hinterkopf haben. Digitaler Handel ist ein Balanceakt zwischen technischen Möglichkeiten und Datenschutz. In Zukunft werden diejenigen Händler zu den Gewinnern gehören, denen zweierlei gelingt:

Zum einen müssen sie Daten gewinnbringend, sensibel und gleichzeitig kontextsensitiv nutzen – also kurzum so, dass der Nutzer sich über relevante Angebot freut und sich nicht davon belästigt fühlt. Denn wer es schafft, dem Kunden individualisierte Angebote zu unterbreiten, wird langfristig auch seine Conversion Rate erhöhen.

Zum anderen muss er mit Hilfe der Informationen, die ihm über seine Kunden zur Verfügung stehen, ein durchdachtes hybrides System aus Online-Shopping und stationärem Handel schaffen, das den Nutzern das bietet, was sie erwartet.

Konsumenten wünschen sich ein nahtloses Einkaufserlebnis.

Statt E-Commerce wollen sie einen Connected Commerce: Es spielt für sie keine Rolle mehr, ob sie zu Hause am PC, unterwegs über das Smartphone, das Smart Wearable oder direkt am Point of Sale sind. Was sie erwarten ist eine Seamless Customer Journey. Wenn der Einkauf über das Smartphone begonnen hat, muss er nahtlos auf dem Desktop weitergeführt werden können. Und will der Kunde die Ware dann doch im Store einmal anprobieren, muss auch das möglich sein.

Früher waren wir alle froh, wenn wir mit unserer Tasse Kaffee vor dem PC saßen und eine gefühlte Stunde später am Schluss eine Bestellbestätigung erhalten haben. Diese Zeiten sind längst vorbei. Für uns als E-Commerce-Branche ist das großartig! Eröffnen uns technische Innovationen doch beinahe täglich Chancen, uns weiterzuentwickeln und neu zu erfinden. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Lösungen zu entwickeln, die Kunden glücklich machen – denn nur darum geht es.