Champions League Finale, Superbowl, Wimbledon. Nahezu jede Sportart kann ein prestigeträchtiges Saison-Highlight aufweisen, in dem sich die Besten der Besten messen. Bei „The International 2013“ werden allerdings keine Fußbälle über den Rasen gekickt, keine Football-Eier zum Touchdown geworfen und keine gelben Filzbälle über ein Netz geschlagen. Stattdessen spielen vom 7. bis 11. August 2013 in Seattle die 16 besten DOTA2 Teams der Welt  um fast 3 Mio. US-Dollar Preisgeld – in einer Sportart, deren wichtigste Spielgeräte Maus und Tastatur sind.

Moment: Es gibt professionelle Profi-Computer-Spieler? Und Turniere? In ausverkauften Hallen? Und Tausende von Fans weltweit verfolgen die Matches über Video-Streams? Mit professionellen Kommentatoren und Video-Produktion? Willkommen in der Welt von eSports. eSports ist allerdings nicht nur für Gamer interessant – auch aus Marketingsicht ergeben sich viele spannende Möglichkeiten, die eigene Marke in einem dynamisch wachsenden Umfeld zu inszenieren.

 

 

Professionalisierung der eSports-Szene

Die internationale eSports-Szene existiert schon über 15 Jahre, allerdings hat in den letzten drei bis vier Jahren weltweit eine starke Professionalisierung eingesetzt. Die besten Spieler haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und stehen bei Profi-Teams unter Vertrag. Die Teams ermöglichen den Spielern zu internationalen Turnieren zu reisen, sie kümmern sich um Sponsoren und Gehälter und sorgen für passende Trainingsmöglichkeiten und die nötige Hardware-Ausstattung.

Spiele-Publisher wie Blizzard (Starcraft II), Valve (DOTA2, CounterStrike) und RIOT Games (League of Legends) betreiben Turnier-Serien für ihre Titel und unabhängige Veranstalter wie Dreamhack oder ESL organisieren weltweit On- und Offline Events mit mehreren Games. Dabei buhlen alle um die Aufmerksamkeit von Profis und Fans: durch höhere Preisgelder, spektakulärere Inszenierung und aufwändigere Events versucht man sich gegenseitig zu überbieten.

Während große Turniere inzwischen auch mehrere Tausend Zuschauer vor Ort in Messehallen oder Sportarenen anziehen, verfolgt der Großteil der Zuschauer die Matches in der Regel per professionell produziertem Livestream im Internet – inklusive Kommentatoren, die teilweise schon selbst Star-Status haben. Das Dreamhack Summer Turnier 2012 erreichte z.B. über 4 Mio. Unique Viewer an einem Wochenende. Wer nicht live dabei sein kann, nutzt Aufzeichnungen der Matches als Video-on-Demand. Zunehmend populär wird auch das gemeinsame Ansehen von Turnier-Streams in Bars und Kneipen zusammen mit anderen eSports-Begeisterten.

 

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Dreamhack Winter 2012. Photo: Andrew Bell unter Creative Commons by-sa 2.0 Lizenz

 

Lebendiges Ökosystem

Rund um die gesamte Szene hat sich in den letzten Jahren ein sehr lebendiges Ökosystem aus (semi-) professionellen Content-Produzenten und Fan-Communitys auf eigenen Plattformen und im Social Web gebildet. Online diskutieren Fans im Social Web die neuesten Nachrichten aus der Szene, Match-Ergebnisse und den aktuellsten Gossip rund um Teams und Profis.

Die Begeisterung der Fans geht dabei so weit, dass sie über die Crowd-Funding-Plattform Kickstarter Dokumentarfilme über die eSports-Szene finanzieren oder wie unlängst für „The International“ das ursprünglich von Valve ausgelobte Preisgeld durch den Erwerb von interaktiven Fan-Compendiums um über eine Million US-$ aufgestockt haben.

 

eSports als attraktives Werbe- und Sponsoring-Umfeld für Marken

Sponsoren und Werbepartner der Turniere, Teams und Produzenten sind Garanten für die Weiterentwicklung des eSports-Bereiches zu einem Massen-Phänomen.

Zahlreiche große Marken engagieren sich teilweise schon seit vielen Jahren aktiv in eSports, vor allem aus dem Hardware- und Gamingsektor. Intel veranstaltet z.B. zusammen mit der ESL aktuell die 8. Saison der Intel Extreme Masters Turniere, DELL engagiert sich mit seiner Marke Alienware beim Team Curse, BENQ ist Hauptsponsor des deutschen Teams mousesports und auch die Energiedrink-Marken Monster und RedBull sind als Team- und Turniersponsoren präsent.

Unternehmen, die sich im eSports engagieren, können mit relevanten Reichweiten und breiter Akzeptanz rechnen. Denn Gaming als Hobby ist inzwischen in breiten Bevölkerungsschichten angekommen und bei den regelmäßigen Gamern ist das Interesse an den Vorbildern aus der Profi-Szene natürlich hoch. eSports als Teil der Gaming-Szene ist dabei sehr gut geeignet, um eine ansonsten relativ schwer zu erreichende und teilweise sehr werbekritische Zielgruppe zu erreichen – junge, tech-affine Männer.

Über die Hälfte (57%) der 14 bis 49-Jährigen Männer in Deutschland spielt regelmäßig PC- oder Konsolenspiele, bei den jüngeren Männern zwischen 14 und 29 Jahren sind es sogar 78% (Quelle: ACTA 2012). Und der enorme Erfolg der Nintendo Wii, sowie die hohe Verbreitung von Smartphones und Social Networks hat auch aus vielen eher gaming-fernen Schichten zumindest interessierte Casual-Gamer gemacht – auch wenn manche Politiker und Medien beim Thema Computer-Spiele gerne immer noch das alte Klischee vom gewaltbereiten Killerspieler pflegen.

Die Wahrnehmung von Sponsoren im eSports-Umfeld ist ausgesprochen positiv. Die Fans wissen es zu schätzen, dass die Szene mit ihren Profis und Teams überhaupt erst durch das Engagement von Marken bestehen kann. So ist hohe Sichtbarkeit im Earned-Media Bereich, wie z.B. auf Facebook und Twitter garantiert. Und auch im Owned-Media Bereich können Marken von einem Engagement in eSports profitieren – sei es durch die Zweit-Verwertung von Content auf der eigenen Website bis zum Einsatz der unterstützten Teams und Spieler als Markenbotschafter, die hohes Ansehen in relevanten Zielgruppen genießen.

Neben reinen Branding-Effekten können Unternehmen auch von der Expertise der Profis profitieren – der Gaming-Zubehör-Hersteller Razer vertraut bei der Produkt-Entwicklung auch auf das Feedback von unterstützten Teams.

Aber auch für Marken, die nicht sofort mit der Königsdisziplin eines Team- oder Turniersponsoring einsteigen wollen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich auszuprobieren: angefangen von Display- und Bewegtbild-Advertising auf Team- und Community-Sites sowie Video-Plattformen bis zur Unterstützung von Content-Produzenten oder lokalen Events. Und gerade für Marken außerhalb der Hard- und Softwarebranche ist ein hoher Share-of-Voice in einem stetig wachsenden Markt garantiert.

In Zeiten von Wirtschaftskrise, Bankenrettung und Troika rücken jene Bevölkerungsschichten immer weiter in den Fokus der werbungtreibenden Wirtschaft, die sich Konsum leisten können. Und tatsächlich boomt der Markt für Luxus-Artikel. Es gibt also noch Menschen, die sich „was leisten können“. Und wir (respektive unsere Kunden) möchten sie gerne davon überzeugen, ihr Geld doch für unsere Produkte auszugeben.

Fragt man einen klassischen Mediaplaner, über welches Medium man wohl am besten diese Entscheider-Zielgruppen erreichen kann, und welche Kanäle Vielverdiener am intensivsten nutzen, um sich zu informieren, dann wird man in der Regel die Antwort bekommen, dass diese Aufgaben doch immer noch die Domäne der Print-Medien seien.

Das Internet? Ist was für junge Leute. Dort erreicht man mit seiner Werbung doch vor allem Teens und Twens. Und überhaupt: Das Internet ist doch gar nicht seriös – so die gängigen Vorurteile.

Grund genug für uns, diese Zielgruppe mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir wollten wissen, wer diese begehrten „Vielverdiener“ sind.

Wer gehört heute zur Premium-Zielgruppe? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Was ist für sie wichtig im Leben? – und vor allem: „Welche Medien nutzen sie?“

Diese Fragen beantwortet unsere Analyse zu dieser Zielgruppe und räumt dabei mit Vorurteilen auf. So zeigt sich, dass Top-Verdiener zu den digitalen Innovatoren zählen und bis ins hohe Alter hinein extrem aufgeschlossen gegenüber digitalen Kanälen und Devices sind.

Die Kernergebnisse haben wir für Sie in einer handlichen Infografik zusammengestellt (Download als PDF und in diversen Größen unter http://sp-url.com/vielverdiener). Wenn Sie an der kompletten Ausarbeitung der Studie interessiert sind, schreiben Sie uns doch eine Mail an unsere Unternehmenskommunikation unter presse@serviceplan.com.

„Ich bin Agenturstudent bei Plan.Net Campaign im Haus der Kommunikation von Serviceplan.“ Die meisten Leute, denen ich so versuche zu erklären, was ich derzeit in meinem Leben mache, können damit erst einmal wenig anfangen. „Agenturstudent? Also bist du so was wie ein Werkstudent?“ – Das ist die häufigste Interpretation meiner Tätigkeit. Dass Plan.Net die Digitalagentur der Serviceplan Gruppe ist und wie hier alles zusammenhängt, erkläre ich meistens erst den ‚Fortgeschrittenen‘. Ich arbeite 4,5 Tage die Woche und studiere (derzeit) 1,5 Tage. Das sieht nach einer Menge Arbeit aus – und ist es auch. Um zu verstehen, warum ich nicht lieber ein ganz normaler Student bin, muss ich kurz erklären wie es zu dieser Sache kam.

Nach einigen Erfahrungen mit der Welt der Arbeit und Hochschulen wusste ich, dass ich mein Leben weder als Koch noch als Bauingenieur verbringen möchte. Auf der Suche nach einer spannenden Alternative bin ich auf das Thema Kommunikation gestoßen. Dass Kommunikation eigentlich auch viel mit Werbung zu tun hat, habe ich erst später herausgefunden. Werbung also – das hatte ich so noch nicht auf meiner Jobliste, klingt aber verheißungsvoll. Da man im besten Fall ja aus Fehlern lernt, wollte ich nicht blind in das nächste Studium springen, sondern mir erst anschauen, was man als Werber denn so macht. Das heißt Bewerbungen schreiben und versuchen, einen begehrten Praktikums Platz in einer der (von außen) mystisch wirkenden Werbeagenturen zu ergattern.

Und wirklich: auf einmal war ich Kundenberater-Praktikant in einer riesigen, erfolgreichen Werbeagentur. Dann auch noch im Online-Bereich, was mir sehr gelegen kam, da ich sowieso viel Zeit im Netz verbringe. Schwer beeindruckt war ich von Anfang an von der Herzlichkeit und dem Teamgeist meiner neuen Kollegen, die mich als Anfänger ganz selbstverständlich integrierten. Dem ganzen Team ist es wohl auch zu verdanken, dass ich mich in den nächsten Wochen in der Arbeit immer mehr entwickeln konnte. Ich hatte mit der Zeit sogar die Möglichkeit, erste kleinere Projekte zu übernehmen – natürlich in ständiger Abstimmung mit meinen Kollegen.

Dabei lernte ich sehr viel über das Aufgabenspektrum eines Kundenberaters und Projektmanagers. Dazu gehören natürlich der Kundenkontakt, das Zuarbeiten für Kollegen, selbstständiges Arbeiten für Projekte – und das schönste an diesem Job: über den Tellerrand hinaus blicken und eigene Ideen in Projekte einbringen. Wer hier viel machen möchte, bekommt auch die Möglichkeit, viel zu machen. Ich hatte eine Menge Herausforderungen und genauso viel Spaß dabei diese zu lösen. Mit all den Möglichkeiten und der Verantwortung, die man hier übernehmen kann, kommt natürlich auch eine Menge Arbeit und damit auch manchmal Stress. Es müssen Timings eingehalten, mehrere Aufgaben gleichzeitig betreut werden und dann kommt gerne auch noch ein unvorhergesehenes Problem um die Ecke. Eines ist auf jeden Fall sicher: Langweilig wird es einem nicht!

Gegen Ende meines Praktikums kam es dann – das Angebot, dass ich als Agenturstudent weiter in meinem Team bleiben und gleichzeitig studieren könnte. Klar, dass ich nicht lange zögerte. Dieses Programm ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Jahr arbeite ich Montag bis Freitagmittag und gehe am Freitagnachmittag und am Samstag ganztags in die Bayerische Akademie für Werbung (BAW). Im zweiten und dritten Jahr geht es dann alle zwei Monate für vier Tage Blockunterricht an die Steinbeis-Hochschule. Hier bekomme ich – wenn alles gut läuft – am Ende dann auch den Bachelor of Business Administration.

An der BAW mache ich gerade den Medienmarketing Fachwirt. Meine bisherigen Erfahrungen mit der BAW sind positiv. Die Dozenten kommen direkt aus der Praxis und bekleiden zum Teil hohe Positionen in großen Unternehmen. Da wird auch einmal aus dem Nähkästchen geplaudert. Das Beste dabei: Das gelernte Wissen kann sofort in der Arbeit ausprobiert werden. Wenn ich also am Samstag in der Uni noch höre, auf was man bei Onlinemarketing achten muss, kann ich das sofort am nächsten Montag in der Arbeit einsetzen und direkt sehen, wie es funktioniert. Für mich ist das ein riesiger Vorteil im Vergleich zu dem sehr theorielastigen Hochschulsystem.

Der Nachteil an diesem Programm ist natürlich die Zeit. Ich habe eine Sechs-Tage-Woche und nur in den Schulferien normale freie Wochenenden. Da gewinnt auch das Seminar für Zeitmanagement an der BAW sofort praktische Bedeutung. Schließlich warten nach Agentur und Akademie auch noch Hausarbeiten und Lernstoff – und vielleicht sogar noch etwas Privatleben. Trotzdem habe ich meine Entscheidung noch keinen Moment bereut. Die Gründe dafür sind einfach. Meine Arbeit macht richtig Spaß und ich weiß, dass mich sowohl meine Vorgesetzten als auch mein Team unterstützen.

Agenturstudent zu sein , das ist eine intensive Erfahrung, ein ständiges lernen; und kann auch mal anstrengend werden. Unter den richtigen Rahmenbedingungen und mit der nötigen Motivation ist es jedoch eine große Chance und der ideale Weg, einen schnellen und soliden Einstieg in die Welt des Marketings zu bekommen.

Ich glaube es ist schwer bis unmöglich, in einem so kurzen Zeitraum mehr über diese Branche zu lernen, zu erfahren und zu erleben.

Vor ein paar Wochen hat die Telekom angekündigt, ihre DSL-Anschlüsse mit Volumenbegrenzungen zu versehen. Wenn ein Haushalt mehr als eine bestimmte Datenmenge im Monat „in Anspruch nimmt“, wird die Geschwindigkeit seines eigentlich blitzschnellen Anschlusses auf Maße zurückgedrosselt, die an das „World Wide Wait“ der frühen ISDN-Tage erinnern lassen wird.
Lediglich eigene Services und die Services von (zahlenden) Premium-Partnern will die Telekom von dieser Kontingentierung der Daten-Flatrates ausnehmen. Dies entspricht de fakto der Abschaffung der Netzneutralität in den Netzen der Telekom.
Dagegen laufen derzeit Netzaktivisten unter dem Stichwort „Drosselkom“ Sturm.
Inwiefern betrifft aber uns, die wir Online-Werbung machen und ins Netz stellen, diese Maßnahme? Weiterlesen

An einem Freitagmorgen um 7.45 Uhr. Ich fahre heute mit dem Auto ins Büro, anstatt wie sonst üblich mit Zug und U-Bahn. Das lohnt sich deshalb, weil in Belgien viele Teilzeitbeschäftigte freitags zu Hause bleiben. Schlechte Karten hat man jedoch, wenn sich auf der Autobahn Richtung Brüssel ein Unfall ereignet, egal an welchem Tag der Woche.
Und genau das passiert an diesem Freitag. Wenn ich dann im Stau stehe, lasse ich gerne einmal den Blick schweifen. Dabei sehe ich Leute, die Zeitung oder auf Ihrem e-Reader lesen, auf ihren Smartphones Spiele spielen, sich die Nägel lackieren, ihren Kopf rhythmisch zur Musik aus dem Radio bewegen oder mit anderen Autofahrern flirten. I komme an der Unfallstelle vorbei. Glücklicherweise scheint sich der Schaden in Grenzen zu halten. Aber in diesem Moment fährt das Ergebnis eines abgeschlossenen Projekts unserer Agentur vorbei. Es ist ein „Truckvertising“ für ein Kfz-Versicherungsunternehmen, das ein großes Kissen mit folgender Aufschrift zeigt: „Es gibt bessere Möglichkeiten, Ihr Auto zu versichern“. Erstaunlich, was es für Zufälle gibt.

9.30 Uhr: Es herrscht bereits reger Betrieb, als ich in der Agentur im dritten Stock des Brüsseler „Haus des Automobils“ eintreffe. Meine Kollegen arbeiten mit höchstem Einsatz. Ein emsiges Grundrauschen aus den verschiedenen bei uns gesprochenen Sprachen sorgt für ein multikulturelles Flair im Büro. Ich bin in einer Agentur im Herzen Europas beschäftigt, die für internationale Kunden arbeitet, und bin daher an die bunte Mischung aus Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch gewöhnt. Ich ertappe mich häufig selbst dabei, wie ich in einem Satz drei verschiedene Sprachen verwende: „Okay, ca va. Komt in orde!“ Damit will ich sagen, dass ich das Briefing verstanden habe.

12.30 Uhr: Mittagszeit. Das Kundenteam und unsere Strategic und Creative Directors treffen in unserem schalldichten Konferenzraum mit seinen Glaswänden einen wichtigen Kunden zu einer Nachbesprechung. Versteht der Kunde unser Konzept? Haben wir mit unserem Entwurf den richtigen Ton getroffen? Es ist immer spannend, wenn unsere Ideen auf den Prüfstand gestellt werden. Immer wenn ich am Besprechungszimmer vorbei zum Drucker gehe, versuche ich, von den Lippen der Teilnehmer abzulesen oder die Körpersprache des Kunden zu deuten. Zwei Stunden später verkünden unsere Kollegen das Ergebnis der Besprechung: „Ihnen gefällt die Idee, aber die Umsetzung entspricht noch nicht ganz ihren Vorstellungen.“ Bis Montagabend liegt also noch viel Arbeit vor uns. Interessanter Stoff zum Nachdenken über das Wochenende.

15.00 Uhr: Ich bin aufgeregt! Unser Radiostudio hat die Abmischungen der Werbespots geschickt, die wir gestern für unseren Kunden VLAM aufgenommen haben. Auch wenn wir noch einige wichtige Punkte mit dem Studio zu klären haben, klingen die Aufnahmen doch sehr vielversprechend! Vor einigen Wochen haben wir bereits einen Werbespot für VLAM aufgenommen, mit dem in deutschen Supermärkten für Conference-Birnen geworben wird. Bei diesem Spot haben wir mit unseren deutschen Kollegen von Serviceplan zusammengearbeitet. Daher mein Aufruf an die deutschen Leser: Geben Sie Ihrer Kreativität mit einer leckeren Conference-Birne neue Nahrung!

16.00 Uhr: Mein Energiehaushalt fällt so schnell in den Keller wie Felix Baumgartner bei seinem berühmten Sprung aus der Stratosphäre. Zeit, sich mit einer Conference-Birne zu stärken und meine Arbeitszeitnachweise nachzutragen. Das ist der am wenigsten interessante Teil meiner Tätigkeit als Copywriter für plan.net benelux, aber er ist wichtig, weil sich die Kunden einen Überblick über unsere Arbeit verschaffen möchten. Es ist also in jedem Fall sinnvoll.

18.30 Uhr: Ich befinde mich auf der Heimfahrt nach Antwerpen. Dabei lasse ich eine weitere intensive Arbeitswoche in der Agentur Revue passieren und lausche dem wundervollen Titel „Hotel California“ von den Eagles. Das Lied beinhaltet die folgende berühmte Textzeile: „You can check out anytime you like, but you can never leave“. Und ich glaube, das trifft auch auf mich zu, wenn es um Werbung geht. Egal, wo ich gerade bin, Werbung beschäftigt mich die ganze Zeit und ich kann nicht ohne sie leben!

Der Beitrag im Blog von W&V.

Bevor wir darüber meckern, dass es nicht genug qualifizierten Nachwuchs in der Kommunikationsbranche gibt, sollten wir darüber nachdenken, wie wir mit jungen Mitarbeitern umgehen. Drei Ansätze aus meiner Sicht als Geschäftsführer und Lektor an einer Fachhochschule für Media- und Kommunikationsberatung:

Von den Besten lernen
Ich denke, Orientierung ist bei Mitarbeitern der „Generation Digital“ ein stärkeres Motiv für Engagement und Leidenschaft als Geld. In der Londoner Radiostation Capital FM musste ich als junger Praktikant zwei Wochen lang im Keller die CDs alphabetisch ordnen. Als ich fertig war, schickte man mich zurück und ich musste sie noch einmal nach Genres ordnen. Das waren also harte drei Wochen. Aber die Folge war, dass ich jeden Interpreten im Archiv kannte und in der Commercial Production des Senders mit den besten Producern Englands arbeiten durfte. Auch der Medienstratege Franz Manola, Gründer von ORF.at hat vor allem junge Mitarbeiter extrem gefordert. Man konnte durch die Überforderung viel lernen. Am meisten profitiert haben aber diejenigen, die seine Entscheidungen hinterfragt haben. Franz Manola hat also nicht nur Mitarbeiter ausgebildet, sondern war als Geschäftsführer erfolgreich, weil er in seinem Team Widerspruch provoziert hat – statt Lemminge heranzuziehen.

Was sich nun geändert hat, ist die Geschwindigkeit und die Rollen in der Vermittlung von Wissen. Mitarbeiter und Vorgesetzte kollaborieren.

Moderator statt Diktator
In der Kommunikationsbranche hat sich die Rolle des Arbeitgebers in der Zusammenarbeit mit jungen Mitarbeitern deutlich verändert. Wir diktieren Mitarbeitern nicht mehr den Weg. Ich sehe uns in der Rolle der Moderatoren. Wir ermöglichen talentierten Kräften nicht nur Geld, Ruhm und Ehre zu verdienen – es geht auch um die Möglichkeit von den besten Leuten zu lernen. Dies hat u.a. zu Folge, dass Mitarbeiter in Teams kollaborieren, Verantwortung teilen und übernehmen, um sich in Folge schneller und besser weiterentwickeln zu können. Das ist ein kultureller und sozialer Anspruch junger Menschen, der aufgrund ihrer Kenntnisse im Umgang mit digitalen und partizipativen Medien nachvollziehbar ist.

Besser als der Chef
Für die Führungskräfte in Agenturen ist das Motto „Looking4myFutureBoss“ eine Chance, am Markt zeitgemäß und wettbewerbsfähig zu bestehen. Es ist aber auch eine große Herausforderung. Denn um die Fähigkeiten und Medienkompetenzen dieser jungen Mitarbeiter optimal abrufen zu können, ist es notwendig, den Menschen Orientierung zu geben. Das Angebot der Serviceplan Gruppe an die Mitarbeiter umfasst also u.a. auch die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und auszutauschen. Das scheint vielleicht kein allzu neuer Weg in der Mitarbeiterführung zu sein. Ob das in der Branche beruflicher Alltag ist, wage ich aber zu bezweifeln.

Als wir vom Dach eines Wolkenkratzers auf die pulsierende Metropole Bangkok hinabblickten, fragten wir uns: „Wäre es nicht völlig verrückt und gleichzeitig großartig in Asien zu arbeiten?“ Das war 2008. Erst kurz zuvor waren wir in ein neues Appartement in Berlin gezogen. Und drei Monate, nachdem wir uns diese im Nachhinein prophetisch anmutende Frage gestellt hatten, erhielten wir von einer Agenturgruppe ein Angebot, nach China zu gehen. Die Aussicht, dort zu leben und zu arbeiten, war so etwas wie die Erfüllung unserer Träume. Wir entschieden uns recht schnell, diesen Schritt zu wagen – auch, wenn er eine Herausforderung war: Wir ließen die Sicherheit unserer gewohnten Umgebung hinter uns, um in einem Land zu arbeiten, dessen Sprache wir überhaupt nicht beherrschten und dessen Kultur uns völlig neu und fremd war. Unsere Verständigungsmöglichkeiten in einer riesigen Metropole mit 20 Millionen Einwohnern beschränkten sich auf sechs chinesische Wörter – „Hallo!“, „Links / Rechts“, „Geradeaus!“, „Stopp!“ und „Tschüs!“.

Für uns als Werbespezialisten bot China eine Fülle großartiger Chancen. Wir brachten nicht nur unsere internationale Erfahrung ein, sondern betrieben auch einen Wissensaustausch mit dem Team vor Ort, um den Herausforderungen für internationale Marken mit neuen und effektiven Kommunikationsformen zu begegnen. Wir leiteten ein 30-köpfiges Team – davon ein Drittel aus aller Welt und zwei Drittel aus China – in dem sich die fernöstliche und die westliche Kultur perfekt ergänzten.

In dieser aufregenden Atmosphäre verging die Zeit wie im Flug, das Team war sehr erfolgreich und wir repräsentierten die Agentur sogar in Korea und waren in ganz Asien unterwegs – Japan, Malaysia, Korea, Philippinen usw. Nach zweieinhalb phantastischen Jahren in China schlugen wir ein neues aufregendes Kapitel auf: Indien!

Wir hatten schon viel über dieses wundervolle Land gehört – von unseren Freunden, Kollegen und natürlich hatten wir auch Berichte darüber bei Discovery Channel und National Geographic gesehen. Wir hatten auch unser eigenes Bild von Indien und den Indern. Doch nach unseren Erfahrungen in China wussten wir, dass Stereotypen nichts mit der Realität zu tun haben. Dieses Mal waren für uns nicht nur die Kultur und die Menschen neu. Auch die Situation und die Umstände waren anders: Wir mussten von Grund auf eine Agentur mit vollem Serviceangebot aufbauen – und zwar wie zuvor für internationale Kunden wie BMW, MINI und Lufthansa.

Wir machten uns also auf, um Indien auf eigene Faust kennenzulernen!
Hatten wir Angst? Ja!
Waren wir aufgeregt? Selbstverständlich!

Unsere Reise begann in der Millennium-Stadt Gurgaon, eine der am schnellsten wachsenden Städte in der Umgebung von Neu-Delhi. Hier sollte die von Grund auf neue indische Niederlassung von Liquid Campaign entstehen, die inzwischen Teil der Serviceplan Gruppe ist. Anfangs arbeiteten wir von einem Büro unseres Kunden BMW aus, bis wir unsere eigenen Räumlichkeiten im „German Center“ beziehen konnten. Zwischendurch mussten wir sogar in ein behelfsmäßiges Büro ausweichen, in dem es keine Notstromversorgung, keine Fenster und praktisch keine Möbel gab! Doch wir begriffen jede Herausforderung als Chance. Wir mussten im wahrsten Sinne des Wortes ein völlig neues Büro einrichten, was eine sehr lehrreiche Erfahrung war, mussten wir doch in den örtlichen Geschäften Büroausstattung, von Laptops bis zu Möbeln, kaufen. So lernten wir Gurgaon aus erster Hand kennen. Unser neues Büro trägt daher unsere persönliche Handschrift und zahlreiche Besucher, vom Chef von BMW India bis zum deutschen Botschafter, haben sich anerkennend über die minimalistische Einrichtung mit ihrem industriellen Touch geäußert.

Schon bald stießen neue Mitarbeiter zum Liquid-Team und wir konnten einen furiosen Start hinlegen. Wir entwarfen für den indischen Markt Werbekampagnen zur Markteinführung des BMW 6er Cabrios, des BMW X3 und später der automobilen Stilikone MINI. Anschließend stand die Markteinführung der BMW 3er Reihe, des weltweit meistverkauften Premiumfahrzeugs, an. Dies war eine weitaus größere Herausforderung und Verantwortung, die unsere Zukunft als Werbeagentur in Indien bestimmen würde. Wir arbeiteten unermüdlich im Team, um eine zentrale Kommunikationsstrategie für die komplett neue BMW 3er Reihe zu entwickeln. So entstand anlässlich der Markteinführung der BMW 3er Reihe in Indien die Kampagne THE ULTIMAT3 – entworfen in Indien für Indien. Eine 360-Grad-Kampagne, bei der sämtliche Kanäle genutzt wurden und die auf allen Plattformen das gewünschte Echo fand. Am meisten freuten wir uns über das tolle Feedback, das wir für die Kampagne erhielten.

Das ist unsere Geschichte und es vergeht kein Tag, an dem wir in Indien nicht etwas Neues entdecken – neue Orte, neues Köstlichkeiten, neue Menschen und neue Herausforderungen. Seine enorme Größe und Vielfalt können das Land auf einen Außenstehenden chaotisch wirken lassen. Außerdem weiß der indische Konsument auch die erfahrensten Marketing- und Werbespezialisten zu verblüffen. Wir sind glücklich, diese Entwicklung begleiten zu dürfen, die uns sowohl beruflich als auch persönlich weiterbringt. Wir freuen uns, dass wir den Mut hatten, „Ja“ zu sagen.

Und das Beste: Das ist erst der Anfang…

Der Blogbeitrag bei W&V.

Die Dekade digitaler Veränderungen ist in vollem Gange – nur der (Mehr-)Wert dieser Digitalisierung wird häufig noch nicht gesehen und lässt immer noch viele Fragen nach der Leistungsfähigkeit digitaler Kommunikation aufkommen.

Wir erleben derzeit kontinuierlich – teils alle paar Monate – elementare Veränderungen im Bereich der digitalen Medien und bei digitalen Kommunikationsmaßnahmen: Dachte vor einigen Jahren noch kaum jemand überhaupt an die überdimensionalen Entwicklungen von Facebook bzw. Social Marketing im Allgemeinen, war vor drei Jahren mobiles Marketing zumeist Spielerei und häufig „nice to have“ und hatte vor auch nicht mehr als drei Jahren Bewegtbildwerbung im Internet eher die Funktion einer exotischen Mediaplanbeimischung, so wissen wir heute eines: Alle diese damaligen Trends sind heute die Treiber moderner Kommunikation. Die Umsätze im Digitalbereich steigen weiter stetig; mittlerweile hat das Internet als Werbeträger Print und Radio bereits hinter sich gelassen und ist nach TV zum zweitwichtigsten Werbemedium geworden. Werbetreibende haben in hohem Maße ihre Budgets ins Digitale verschoben, ihre Marketingstrategien dadurch verändert und sind mehr und mehr dabei, die Form der Kundenkommunikation gänzlich neu zu überdenken. Kaum eine Altersgruppe in Deutschland ist nicht Online und der Personalmarkt für digitale Berufe ist so hart umkämpft wie nie: Die Digitalbranche und im besonderen Digitalagenturen, so scheint es auf den ersten Blick, stehen mitten in  goldenen Zeiten. Und nach Umfragen des Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA ist digitales Marketing in all seinen Facetten auch die nächsten Jahre das am stärksten wachsende Geschäftsfeld der deutschen Werbe- und Kommunikationsbranche. Und der Markt rechnet auch für 2013 mit zweistelligen Umsatzzuwächsen. Alles Bestens – oder? Weiterlesen

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, schrieb Friedrich Schiller im Jahr 1795 über die ästhetische Erziehung des Menschen. Die Theorie des Homo Ludens  aus der Spielewissenschaft hat sich spätestens seit dem Einsatz von digitalen Spielen in der werblichen Kommunikation etabliert. Denken wir nur an das Computerspiel Moorhuhn von 1999. Damals gab es das Buzzword Gamification noch gar nicht. Mittlerweile haben Spiele einen sehr hohen Stellenwert in der Kommunikation, vor allem im Online Marketing. Bei vielen Aufgabenstellungen reicht das klassische Storytelling, wie wir es im Film kennen, nicht mehr aus. Es geht um Partizipation. Um Kollaboration. Und im Idealfall um beides in einem Konzept vereint.

Man möchte meinen, der Kauf eines Produkts sei Partizipation genug. Aber so einfach ist das nicht mehr. Denn wie Alex Schill beim Werbeplanung Summit 2012  in der Wiener Hofburg dargelegt hat, machen die Menschen die Marke. Und das tun sie nicht nur, indem sie die Produkte kaufen. Oder darüber reden – im schlechtesten Fall in einem negativen Zusammenhang. Alex Schill sprach in Wien über Branded Content bzw. über Branded Entertainment als Möglichkeit, sich im Werbeumfeld mit unseren Botschaften durchzusetzen. Und was bietet mehr Entertainment als ein gutes Spiel mit Freunden?

Doch wie entwickelt man ein spielerisches Konzept in der Werbung? Weiterlesen

Ich bin 43 Jahre alt und Kreativchef einer Digitalagentur. Heißt, ich lese ziemlich viele Texte auf digitalen Displays.  Aber ehrlich gesagt, kann ich das gar nicht mal so gut. Um einen Text wirklich beurteilen zu können und dann inhaltlich und stilistisch zu korrigieren, muss ich ihn mir immer noch ausdrucken. Mein Gehirn hat in Kindheit und Jugend gelernt, mit Texten auf Papier zu arbeiten. Ich war immerhin schon 22 als ich meine erste Uni-Hausarbeit mit einem Textverarbeitungsprogramm am Computer geschrieben habe. Und obwohl ich dann nur zwei Jahre später meine erste Website selber gebastelt habe, mag mein Kopf beim Thema Text das Papier lieber als das Display.
Außerdem spiele ich Fußball – am liebsten mit einem Ball aus Leder auf einem schönen grünen Rasen. Früher war ich sogar mal richtig gut. Fußball auf der Playstation kann ich dagegen überhaupt nicht. Da bin ich eine Niete. Ich habe drei jüngere Brüder und gegen keinen von denen habe ich je ein Konsolenmatch gewonnen.
Und trotzdem habe ich mit Begeisterung und Leidenschaft die Welt digitalisiert. Natürlich nicht ich alleine, sondern gemeinsam mit ein paar Millionen anderen Menschen meiner Generation. Und diese Generation – die Menschen um die 40 – haben die digitale Welt geschaffen. Wir sind keine „Digital Natives“, wir sind „Digital Hybrids“ – also digitale Zwitter. Wir sind komplett analog aufgewachsen und dann mit voll Karacho ins Digitale eingestiegen. Wir haben das Internet immer weiter ausgebaut, die Websites mit immer mehr Content bestückt, wir haben Tools geschaffen und immer weiter verlinkt und vernetzt und schließlich das Netz sozial und mobil gemacht. So haben wir die digitale Welt immer allgegenwärtiger und allumfassender gemacht.

In den Medien und in der Kommunikation ist heute nahezu alles digital. Selbst das, was wir Klassik nennen, ist größtenteils digital. Entweder durchläuft auch sie digitale Produktionsprozesse oder wird auf digitalen Medien ausgegeben. Und wenn fast alles digital ist, braucht man den Begriff „digital“ auch beinahe nicht mehr. Er differenziert immer weniger und er markiert heute nichts Neues oder Besonderes mehr.
Wir digitalen Zwitter hatten ja zwischenzeitlich geglaubt, die digitale Revolution würde jahrhundertealte Gesetzmäßigkeiten innerhalb von nur wenigen Jahren umdrehen. Mehr denn je hat sich aber heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Idee einer „New Economy“ – die über ein sich immer wieder erneuerndes Versprechen in die Zukunft immer mehr virtuelle Werte schafft – vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Eine nachhaltige Wirtschaft, die sich wieder verstärkt um das Schaffen von echten Werten kümmert, scheint uns mittlerweile wieder sympathischer und auch erfolgversprechender.

Aber zurück zur Werbung! Die erste Generation, die komplett digital aufgewachsen ist, ist erwachsen geworden. Die Digital Natives machen inzwischen manchmal selber Werbung oder sind auf alle Fälle Zielgruppe von ihr. Und für sie ist ihr Facebook auf dem Smartphone so normal und alltäglich wie der Morgenkaffee. Digitale Medien sind für sie super wichtig, aber es ist für sie nicht mehr so wichtig, dass sie digital sind. Aktuelle Jugendstudien sagen, dass ihr Umgang mit ihnen zwar selbstverständlich, aber mehr und mehr auch von einer gewissen Nachlässigkeit geprägt ist. Die Kompetenzen für valide Internet-Recherchen nehmen ab und wenn „Chillen“ angesagt ist, wird der ganze Digitalkram auch mal auf Pause gestellt.

Die zunehmende Digitalisierung unserer Welt schafft also gleichsam ihre Entdigitalisierung.

Was bedeutet das für uns Werber? Natürlich bleiben Technologien und Innovationen weiterhin wichtige Treiber unserer Branche, aber es bedeutet auch: Entspannung. Wenn der erste Teil des Begriffes „Digitale Kommunikation“ an Bedeutung verliert, bleibt der zweite Teil: die Kommunikation. Und die braucht Ideen, Inhalte und Geschichten. „Content is King“ ist ja auch nicht so neu, aber heute umso wahrer und wichtiger. Wir müssen kein Storytelling für Technologien oder Systeme machen. Wir erfinden Geschichten für Menschen. Und die und ihre Bedürfnisse haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht so grundlegend geändert, wie man manchmal denken mag, wenn man jedem Hype hinterher rennt. Auch in Buzzword-Bereichen wie Viral-Marketing oder Social Media gelten fürs Storytelling eigentlich immer noch dieselben Gesetzmäßigkeiten wie zu Shakespeares Zeiten: Es braucht ein Problem oder Hindernis, es braucht einen Spannungsbogen und es braucht Relevanz und Identifikationsmöglichkeiten. Und dann kann man das Ganze noch würzen mit Prominenz, mit Überraschungen, mit Humor, mit Geheimnissen oder mit Sex and Crime.

Ich glaube, Shakespeare würde heute ziemlich viele Cyberlions gewinnen.