Was macht eigentlich eine Online-Konzepterin?

Berufsbilder bei Serviceplan

Webdesigner und Art Direktoren gestalten Websites, Portale, Newsletter und vieles mehr. Texter und Redakteure sorgen für den Content. Programmierer codieren die Inhalte. Damit das alles aber zielgerichtet im Sinne von Kundeninteressen und anwenderfreundlich entsprechend einer attraktiven Benutzerführung geschieht, braucht man Online-Konzepter. Ein Beruf mit spannenden Aufgaben und interessanten Aussichten. Wir stellen euch heute Ursi Jäger, Konzepterin bei Plan.Net Pulse, und Helen Birke, Head of Concept bei Plan.Net Pulse vor.

Viel Spaß mit dem vierten Teil unserer Reihe Jobtitel-Bingo.

  • Liebe Helen, liebe Ursi, ein Online-Konzepter bzw. eine Online-Konzepterin strukturiert Inhalte, erstellt Inhaltsgliederungen und entwickelt Benutzerführungen sowie Datenflusssysteme und visualisiert Konzepte schematisch als Abstimmungsgrundlage für Kollegen und Kunden. Das freigegebene Konzept dient dann als Umsetzungsvorlage für Designer und Programmierer. Ist das so richtig?

    Ursi: Richtig, all das gehört mit zu unseren Aufgaben.

    Helen: Nun, diese Beschreibung trifft jedenfalls auf einen Informationsarchitekten zu – und Informationsarchitektur machen wir ja auch, das gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben. Ein Online-Konzepter macht aber mehr. Wir fokussieren uns auf den User: Welche Bedürfnisse hat er? Wie viel Aufmerksamkeit bringt er mit? Wie viel Bereitschaft zeigt er zur Interaktion? Auf der anderen Seite haben wir natürlich den Auftraggeber mit seinen Zielen, die er mit seiner Website oder mit seiner mobilen Anwendung etc. erreichen möchte. Da müssen wir den Kunden entsprechend strategisch beraten.

    Ursi: Ein typisches Ziel, das Kunden gerne nennen, ist „Reichweitensteigerung“, dass also zum Beispiel ein bestimmter Content von mehr Usern aktiv aufgerufen wird. Unsere Herangehensweise könnte dann sein, zu überlegen: Mit welchen technischen und gestalterischen Mitteln kann das gelingen? Unsere Überlegungen dazu diskutieren wir dann mit Technikern und Designern.

    Helen: Die Informationsarchitektur, die Ziele des Auftraggebers, die Bedürfnisse des Users und die technischen Möglichkeiten – das alles in Einklang zu bringen, ist unsere Aufgabe als Online-Konzepter.

  • Nennt doch mal ein paar Beispiele aus eurer Praxis.

    Helen: Wir haben schon sehr viel gemacht. Von Automobil über B2B im Finanzsektor bis Frischkäse ist wirklich alles dabei. Und wird dann adaptiert für alle möglichen Märkte und Sprachräume. Aber typisch ist da gar nichts.

    Ursi: Schon weil die Ziele und die Zielgruppen so unterschiedlich sein können: Der eine will mehr Awareness für seinen Markenartikel, der andere will einen eCommerce-Prozess abbilden.

    Helen: Es ist auch ein großer Unterschied, ob wir zum Beispiel eine Website oder ein Portal völlig neu entwickeln, ob wir relaunchen – also ein bestehendes Portal mit einem neuen Erscheinungsbild versehen und das Ganze auf den neuesten technischen Stand heben – oder ob wir ein Portal pflegen, das heißt Struktur, Design und Technik laufend aktualisieren und optimieren. Dazu gehören dann auch die Planung und Durchführung von Mini-Usability-Tests im laufenden Betrieb, sogenannte A-B-Tests. Außerdem haben wir vereinzelt auch Kampagnenprojekte, Projekte im Bereich Social Media, Newsletter oder auch völlig neue Themen …

    Ursi: … zum Beispiel die Einbindung von Sprachassistenzsystemen.

  • Also so was wie Alexa?

    Ursi: Genau.

  • Ursi, wie ist denn so dein Alltag: Entwickelt ihr wochenlang in einem abgelegenen Studio ein Konzept und dann – tada! – ist es fertig?

    Helen: Hach. Das wär eigentlich auch mal ganz schön.

  • Oder stimmst du dich zwischendurch immer wieder mit Kollegen und Kunden ab? Und wenn ja: worüber?

    Ursi: Es ist von Anfang an Teamarbeit: Mit unseren Kollegen, also zum Beispiel Programmierern, Designern und Redakteuren, diskutieren wir die gebrieften Ziele des Kunden. Oft werden diese dann gemeinsam mit dem Kunden noch genauer definiert. Wenn es so läuft, läuft es gut, weil wir dann frühzeitig und in alle Richtungen Rückfragen stellen können. Unsere ersten konzeptionellen Überlegungen diskutieren wir dann auch wieder im Team und erstellen schließlich eine verbindliche Fassung des Konzepts.

    Helen: Es ist also wichtig für uns, frühzeitig zu erfahren, ob Annahmen, die wir getroffen haben, oder Ansätze, die wir entwickelt haben, der Expertise der anderen Fachkräfte standhalten. Und da ist natürlich noch der Kunde, der ebenfalls frühzeitig um Stellungnahme gebeten wird und auch immer wieder konstruktive Ideen einbringt.

    Ursi: Wir verstehen uns nicht zuletzt als Moderator, als Vermittler zwischen den einzelnen Disziplinen.

  • Wie viel "Technik", dazu zählen auch Programmiersprachen, muss man denn als Online-Konzepter beherrschen? Oder hilft es sogar, wenn man gar nicht erst in technischen Kategorien denkt?

    Helen: Auf jeden Fall ist es nützlich, wenn man ein technisches Basiswissen hat. Das heißt nicht unbedingt, dass man in Java programmieren können oder wissen muss, wie man eine HTML-Seite erstellt. Aber es hilft.

  • Und du kannst das?

    Helen: Richtig: Ich bin Diplom-Informatikerin und habe das mal gelernt. Vor allem aber hilft dieses Verständnis, wenn es darum geht, beurteilen zu können, ob ein bestimmter Kundenwunsch realistisch umsetzbar ist. Und es bringt dich weiter, wenn es darum geht, einen bestimmten marketinggetriebenen Kundenwunsch so zu formulieren, dass ein Programmierer das nachvollziehen kann.

    Ursi: Ich bin keine Informatikerin, sondern ausgebildete Designerin, war früher Art-Direktorin und habe jahrelang mit Entwicklern eng zusammengearbeitet. Meine eher technisch geprägten Kollegen schätzen meine Herangehensweise aus Sicht der Kommunikation. Beste Voraussetzungen also für die Entwicklung gemeinsamer Lösungen.

  • Welche persönlichen Begabungen sind denn für Online-Konzepter nützlich? Ist es zum Beispiel von Vorteil, wenn man gut analysieren, abstrahieren und strukturieren kann?

    Ursi: Ja, das ist alles nützlich. Vor allem aber sollte man neugierig sein. Und in dieser Neugierde auch beharrlich. Also sich nicht gleich mit der erstbesten Antwort zufriedengeben, sondern noch mal nachfragen. Bis man es verstanden hat und sich gegebenenfalls eine eigene Meinung bilden kann.

    Helen: Das stimmt, ohne Neugier geht gar nichts. Schon weil es ständig neue Entwicklungen für neue Möglichkeiten gibt. Und das kann dann eine Riesenchance für eine rettende Idee sein, die dein aktuelles Projekt so richtig nach vorne bringt. Man kann nicht immer auf dem allerneuesten Stand sein, aber wenn du nicht neugierig bist, verlierst du schnell den Anschluss. Und eine weitere Eigenschaft ist nützlich, ohne die geht’s fast gar nicht: Du musst ein Generalist sein – alles ein bisschen können, ohne Spezialist auf einem Gebiet sein zu müssen. Und natürlich ist Offenheit wichtig und eine ausgeprägte Neigung zu Kommunikation.

  • Ursi, wie kam es eigentlich, dass du Online-Konzepterin geworden bist?

    Ursi: Ich bin zwar Gestalterin, aber schon als Art-Direktorin hat mich immer auch mein Interesse für technische Hintergründe umgetrieben. Ich bin unseren Entwicklern ständig in den Ohren gelegen mit Fragen wie „Wie funktioniert das in TYPO3? Was macht eigentlich eine Extension? Was ist ein Datenmodell?“. Irgendwann war es dann nur noch eine Frage der Zeit, wann ich als Online-Konzepterin arbeiten würde. Jetzt hilft mir natürlich schon mein Hintergrund als frühere Art-Direktorin.

  • Ursi ist eine typische Quereinsteigerin, richtig? Ist das eigentlich immer noch normal, dass Leute von allen möglichen Berufen kommend Online-Konzepter werden? Oder gibt es da inzwischen auch reguläre Studiengänge?

    Helen: Doch, die gibt es. Das sind dann aber auch keine Spezialisten, sondern Generalisten wie wir. Nur dass die in den Bereichen Technik, Design und Betriebswirtschaft eben auch ausgebildet wurden. Zurzeit ist es tatsächlich so, dass die Profis mehr oder weniger Quereinsteiger sind, weil die Studiengänge noch sehr jung sind. Es wird also noch ein bisschen dauern, bis ausgebildete Konzepter mit Berufserfahrung in der Mehrheit sind.

    Ursi: Online-Konzepter ist ein Beruf, bei dem ein nicht geradliniger Lebenslauf oder Werdegang sogar ein Vorteil sein kann.

  • Meinhard von Gerkan, der Architekt des Berliner Bahnhofs, hatte für das Untergeschoss eine Gewölbekonstruktion vorgesehen. Der damalige Bahnchef hat dann eigenmächtig und unrechtmäßig einfach ein Flachdach einziehen lassen. Passiert euch – sinngemäß – so was auch? Wie geht ihr dann damit um?

    Helen: Ehrlich gesagt, das gibt’s dauernd. Es kommt vor, dass unser Konzept feierlich freigegeben wird – und an einer Stelle wünscht sich der Kunde auf einmal ein angebliches „Detail“, das aber das ganze Konzept ad absurdum führt. Da müssen wir dann beraten und die Vorteile unseres Konzepts nochmals kommunizieren. Und natürlich auch die Konsequenzen besprechen, die eine Umsetzung des Kundenwunsches für das Gesamtgefüge bedeuten würde. Manchmal sind die Auswirkungen aber nicht gravierend und wir machen es einfach. Ganz klar: Kompromisse gehören fast immer zur Lösung und Kompromisse zu finden, gehört zu unseren täglichen Aufgaben.

  • Wie wird sich euer Berufsbild in den nächsten Jahren verändern? Was sind die großen Trends? Und wie verändert sich dadurch euer beruflicher Alltag?

    Ursi: Wie, das kann man noch nicht sagen. Aber dass sich das Berufsbild ändert – und zwar ständig –, steht auf jeden Fall jetzt schon fest. Nur ein Beispiel: Der User interagiert heute in aller Regel, indem er klickt oder wischt. Zurzeit befasse ich mich ganz konkret mit Sprachsteuerung. Ein Benutzerführungskonzept, das auf Sprachsteuerung basiert, unterscheidet sich total von allen bisher gelernten Konzepten.

  • Noch eine letzte, persönliche Frage: Seid ihr selbst eigentlich auch Heavy User? Das würde doch sicherlich helfen, sich in die Situation und die Bedürfnisse des Users hineinzuversetzen.

    Helen: Digitalaffin sollte man schon sein. Ich würde mich aber nicht als Heavy User bezeichnen. Du, Ursi?

    Ursi: Nein, Heavy User bin ich sicher nicht.

    Helen: Ich interessiere mich für neue Entwicklungen, klar, die will ich auch ausprobieren. Und wenn eine neue Entwicklung in einem Projekt eine Rolle spielt, dann setze ich mich damit auseinander, gegebenenfalls auch privat. Bis ich verstanden habe, wie es funktioniert, bin ich dann eine Zeit lang sicherlich auch mal Heavy User.

  • Liebe Helen, liebe Ursi, vielen Dank für das Gespräch! Gibt es noch etwas, was ihr den Leuten da draußen sagen wollt?

    Helen: Wir suchen Online-Konzepter und -Konzepterinnen! Wir haben ein heterogenes,internationales Team. Kommt zu uns!
    Ursi: Und habt Spaß!

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